Lebensdaten
1833 bis 1921
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Nowawes bei Potsdam
Beruf/Funktion
Volkswirtschaftler ; Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118527797 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dühring, Eugen Carl
  • Dühring, Eugen
  • Dühring, Eugen Carl
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Zitierweise

Dühring, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527797.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilh. Ferd. ( 1845), GeheimSekr. b. der preußischen Oberbaudirektion in Berlin, S des Kriegs- u. Domänenrats Joh. Christian in Marienwerder;
    M Aug. Frieder. Louise Jul. (* 1802), T des Kleidermachermeisters Joh. Gg. Zeibig in Berlin;
    Berlin 1862 Emilie (1838–1911), T des Rentiers Joh. Joachim Theodor Gladow in Demmin;
    2 S, u. a. Ulrich (1863–1930), Schriftst. (s. Wi.1931).

  • Leben

    D. promovierte nach einem juristischen, philosophischen und nationalökonomischen Studium und nach einer juristischen Referendarpraxis (1856–59) in Berlin zum Dr. phil. mit „De tempore, spatio, causalitate atque de analysis infinitesimalis logica“ (1861). Die vollständige Erblindung hinderte ihn daran, die juristische Laufbahn einzuschlagen, weshalb er sich 1863 an der Universität Berlin in Philosophie, später in Nationalökonomie habilitierte. Persönliche Fehden mit Berliner Kollegen und Angriffe auf die Universität als wissenschaftliche Einrichtung führten 1877 zur Remotion. Seitdem lebte D. als Privatgelehrter seiner literarischen Tätigkeit.

    Bahnbrechend war D. in der Darstellung der Wissenschaftsgeschichte. 1869 erschien seine „Kritische Geschichte der Philosophie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart“ (41894) und 1871 die „Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus von ihren Anfängen bis zur Gegenwart“ (41900), für lange Zeit die beste geschichtliche Darstellung der volkswirtschaftlichen Theorien. Systematische Werke der Nationalökonomie und Philosophie folgten. Mit einer seltenen Vielseitigkeit zog D. den Kreis seiner Forschungen sehr weit. Auch Mathematik, Physik, Chemie und selbst Literaturgeschichte gehörten zu seinem Arbeitsfeld. Eine „Kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik“ (1873, 31887) wurde 1872 von der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen preisgekrönt.|Immer geht es ihm, der jeglicher Metaphysik abhold ist, ohne jedoch Materialist zu sein, darum, vor falschen Autoritäten in Wissenschaft, Politik und Literatur zu warnen, da diese für die freie Entwicklung des Individuums wie auch der Gesellschaft ein Hemmnis seien.

    Die Hauptbedeutung D.s liegt im Bereiche der Nationalökonomie. Schon frühzeitig war er als Verfechter der Lehren des Amerikaners Charles Henry Carey aufgetreten und hatte mitgeholfen, Friedrich List die ihm gebührende Anerkennung zu verschaffen. Die Harmonielehre Careys und Frédéric Bastiats, die in der These gipfelte, daß bei freier Konkurrenz die Interessen von Arbeit, Kapital und Grundbesitz zu einer Harmonie gelangen und bei fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung der Anteil der Arbeit am Gesamtertrag absolut und relativ ansteigen werde, wurde von D. modifiziert. Diese Harmonie gebe es nur in der reinen Ökonomie; in der realen Wirtschaft hindern Gewalt und Macht das Entstehen dieser Harmonie. Der Besitz, der durch Raub und Unterjochung entstanden sei, wirke auch nach Aufhören der Gewalt als ökonomische Macht weiter. Hieran anschließend entwickelte D. eine sozialistische Lehre, sein sogenanntes sozialitäres System. Die propagierten sozialen Koalitionen (eine Art von Produktivgenossenschaften) ordnen sich dem Prinzip der freien Konkurrenz unter. Die bisher ungleichen Parteien sollen durch den Zusammenschluß der Schwachen zu gleichstarken Konkurrenten werden. Da D. durch seine Vortragstätigkeit und seine Schriften auf einflußreiche Berliner Arbeiterführer Eindruck machte, glaubten Marx und Engels die Ausbreitung ihrer Lehre in Deutschland gefährdet. So verfaßte Engels Anfang 1877 im „Vorwärts“ eine Reihe von Aufsätzen, in denen D. heftig angegriffen wurde und die später als Buch erschienen („Herrn Eugen D.s Umwälzung der Wissenschaft“, 1877 und öfters, sogenannter Anti-Dühring).

    In Fehde mit der Universitätswissenschaft, mit dem Marxismus, dem Militarismus, dem Judentum, als Gegner des Bismarckschen Staates und auch Gegner jeglicher Form der Religion („Asiatismus“), vereinsamte D. mehr und mehr. Durch seine mit Haß getränkten Angriffe, die von Jahr zu Jahr an Schärfe zunahmen, schied er sich selbst von der wissenschaftlichen Diskussion aus und wurde schließlich totgeschwiegen. Es blieb nur noch ein kleiner Kreis von Anhängern, gruppiert um die fast nur D.-Aufsätze publizierende Zeitschrift „Personalist und Emanzipator“ (gegründet 1899). Trotz aller Mißhelligkeiten blieb seine Kraft ungebrochen, und der Zweiundachtzigjährige führte noch den Kampf gegen lebensfeindliche Weltansichten „im Sinne heroischer Lebensauffassung“ (Wert des Lebens, 71916, Vorwort). D.s Zeitschrift wurde nach seinem Tode bis 1929 von seinem Sohn Ulrich weitergeführt. 1924 wurde von E. Döll der Dühring-Bund gegründet.

  • Werke

    Weitere W Careys Umwälzung d. Volkswirtsch.-lehre u. Sozialwiss., 1865; Der Wert d. Lebens, 1865, 81922 (W);
    Capital u. Arb., 1865, 31924;
    Die Verkleinerer Careys u. d. Krisis in d. Nat.ökonomie, 1867;
    Cursus d. Nat.- u. Socialökonomie, 1873, 41925 (W);
    Cursus d. Philos., 1875;
    Logik u. Wiss.theorie, 1878, 21905;
    Neue Grundgesetze z. rationellen Physik u. Chemie, 1. F., 1878, 2. F. (mit S Ulrich D.), 1886;
    Die Judenfrage, 1881, 61930;
    Der Ersatz d. Rel. durch Vollkommeneres, 1883, 41928;
    Die Größen d. modernen Lit., 2 Bde., 1892/93, 21904/10; Sache, Leben u. Feinde, 1882, 21903 (Autobiogr., P).

  • Literatur

    F. A. Lange, Mills Ansichten üb. d. soz. Frage u. d. angebl. Umwälzung d. Soz.wiss. durch Carey, 1865;
    H. Vaihinger, Hartmann, D. u. Lange, 1876;
    E. Döll, E. D., 1893 (W);
    G. Albrecht, E. D.s Wertlehre, 1914;
    ders., E. D., 1927;
    H. Höffding, Gesch. d. neueren Philos., 1921;
    H. Binder, Das sozialitäre System D.s, 1933;
    A. Wenzl, in: DBJ III, S. 68-74 (u. Tl. 1921, W, L);
    Pogg. III, IV.

  • Autor/in

    Alfred Kruse
  • Empfohlene Zitierweise

    Kruse, Alfred, "Dühring, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 157-158 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA