Lebensdaten
1856 – 1918
Geburtsort
Wien-Hietzing
Sterbeort
Psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Philosophin ; Literaturwissenschaftlerin ; Dramatikerin ; Satirikerin ; Feministin ; Schriftstellerin
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 120560216 | OGND | VIAF: 17596765
Namensvarianten
  • Druschkovich, Helena Maria Franziska
  • Druschkowitz, Helene von
  • Brun, Adalbert/Pseudonym; Brunn, Adalbert/Pseudonym; Calagis, Erna von/Pseudonym; Erna/Pseudonym; Sacrosanct, H. Foreign/Pseudonym; H. Foreign/Pseudonym; E. v. René/Pseudonym; Sacrosanct/Pseudonym; Sakkorausch/Pseudonym
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Zitierweise

Druskowitz, Helene (von), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120560216.html [21.05.2024].

CC0

  • Helene Druskowitz war eine szientistisch-kritische Denkerin, Atheistin und Feministin. Mit ihrem Manifest „Pessimistische Cardinalsätze. Ein Vademecum für die freiesten Geister“ (1905), in dem sie auf der Grundlage ihrer Analyse patriarchaler Herrschaftsverhältnisse das Postulat aufstellte, dass die Forderung nach Frauenrechten, Unabhängigkeit und weiblicher Selbstbestimmung nur durch einen kämpferischen Feminismus zu erreichen sei, erlangte sie bleibende Bedeutung.

    Lebensdaten

    Geboren am 2. Mai 1856 in Wien-Hietzing
    Gestorben am 31. Mai 1918 in Psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling (Niederösterreich)
    Konfession römisch-katholisch
    Helene von Druskowitz (InC)
    Helene von Druskowitz (InC)
  • Lebenslauf

    2. Mai 1856 - Wien-Hietzing

    - 1873 - Wien

    Privatunterricht (Abschluss: Matura als Externe)

    Piaristengymnasium

    1873 - 1873 - Wien

    Studium (Klavier) (Abschluss: Diplom als Pianistin)

    Musikkonservatorium

    1874 - 1876 - Zürich

    Studium der Philosophie, Philologie, Orientalistik, Archäologie und modernen Sprachen

    Universität

    1878 - Zürich

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    1879 - 1881 - Wien; München; Zürich; Basel

    Abhaltung literaturhistorischer Vorlesungen

    Universität

    1879 - 1881 - Nordafrika; Frankreich; Spanien; Italien

    Reisen

    1881 - Wien; Zürich

    Übersiedlung

    1888 - Dresden

    Übersiedlung

    1891 - 1918 - Dresden; Mauer-Öhling (Niederösterreich)

    Zwangseinweisung

    Siechen- und Irrenhaus; seit 1891 Psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt

    31. Mai 1918 - Psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling (Niederösterreich)
  • Genealogie

    Vater N. N. von Druskowitz gest. 1858 Kaufmann
    Mutter Maria von Druskowitz, geb. von Biba, verh. Gerstner gest.1888 in 2. Ehe verh. mit N. N. Gerstner (gest. 1862)
    Geschwister zwei Brüder
    Heirat ledig
    Lebensgefährtin Therese Malten 1853–1930 Opernsängerin an der Dresdner Staatsoper
    Kinder keine
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Druskowitz, Helene (von) (1856 – 1918)

    • Vater

      von Druskowitz

      gest. 1858

      Kaufmann

    • Mutter

      Maria von Druskowitz

      gest.1888

      in 2.·Ehe verh. mit N. N. Gerstner (gest. 1862)

    • Heirat

  • Biografie

    Druskowitz wuchs in einem liberalen, großbürgerlichen Elternhaus in Wien auf und erhielt durch Privatunterricht eine humanistische Bildung. 1873 legte sie als Externe am Piaristengymnasium in Wien die Matura ab, besuchte das Musikkonservatorium und erhielt ihr Diplom als Pianistin. 1874 übersiedelte sie mit ihrer Mutter zum Studium der Philosophie, Klassischen Philologie, deutschsprachigen Literatur, Orientalistik, Archäologie und modernen Sprachen nach Zürich. An der dortigen Universität wurde sie 1878 mit einer Dissertation über George Gordon Lord Byrons (1788–1824) „Don Juan“ bei Karl Dilthey (1839–1907) zur Dr. phil. promoviert. Druskowitz war damit die erste Österreicherin überhaupt und nach der polnischen Historikerin Stefania Wolicka (1851–1937) die zweite Akademikerin in Zürich, die einen Doktortitel in den Geisteswissenschaften erlangte.

    Von 1879 bis 1881 besuchte Druskowitz literaturhistorische Vorlesungen in Wien, München, Zürich und Basel; Reisen mit ihrer Mutter führten sie nach Nordafrika, Frankreich, Spanien und Italien. Seit 1881 lebte sie abwechselnd in Wien und Zürich, verkehrte in den literarischen Zirkeln um Marie Ebner-Eschenbach (1830–1916) und kam in Kontakt mit Louise von François (1817–1893), von der sie ebenso gefördert wurde wie von Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898); mit beiden blieb sie bis 1890 in brieflichem Kontakt.

    Druskowitz’ literarische Karriere begann mit Theaterstücken. Ihr Trauerspiel „Sultanin und Prinz“ (1881), das sie unter dem Pseudonym E. v. René verfasste, wurde wegen seiner Kritik an der bürgerlichen Ehe und Sexualmoral als geschmacklos empfunden und nicht aufgeführt. Auch ihre fünf 1889/90 verfassten Lustspiele „Die Studentinnen“ (1889), „Aspasia“ (1889), „Die Emancipations-Schwärmerin“ (1890), „International. Dramatischer Scherz in drei Akten“ (1890) und „Die Pädagogin“ (1890), in denen sie den geringen Stellenwert und das pejorative Verständnis des Feminismus zur Zeit der Jahrhundertwende und Wiener Moderne in satirischer Schärfe nachzeichnete, wurden gedruckt, aber nie aufgeführt. Hingegen wurden ihre Biografie (1884) über Percy Bysshe Shelley (1792–1822), ihre Essays (1889) über die Dichterinnen Joanna Baillie (1762–1851), Elizabeth Barrett Browning (1806–1861) und George Eliot (1819–1880) sowie ihre deutschen Übersetzungen (1880er Jahre) von Werken des englischen Dichters Algernon Charles Swinburne (1837–1909) von der Kritik positiv aufgenommen.

    Im Salon Malwida von Meysenbugs (1816–1903) begegnete Druskowitz Rainer Maria Rilke (1875–1926), Meta von Salis (1855–1929), Resa von Schirnhofer (1855–1948), Paul Ree (1849–1901) und Lou Andreas-Salomé (1861–1937) sowie 1884 erstmals Friedrich Nietzsche (1844–1900), der ihr Teile des unveröffentlichten Manuskripts von „Also sprach Zarathustra“ (1883) schickte. Druskowitz lehnte diese Schrift als misogyn ab und beurteilte Nietzsches Philosophie als oberflächlich. Ihre Kritik an seiner Frauenverachtung und Einstellung gegenüber dem sog. Pöbel entfaltete sie in „Moderne Versuche eines Religionsersatzes“ (1886) und „Eugen Dühring. Eine Studie zu seiner Würdigung“ (1888). Eugen Dührings (1833–1921) rassistischen Antisemitismus lehnte sie zwar ab, hing jedoch der Assimilationsthese in bürgerlichen Aufklärungsschriften über Juden des 18. Jahrhunderts an.

    Als Atheistin kritisierte Druskowitz die Vermischung von Theologie und Philosophie, indem sie für eine „überreligiöse Weltanschauung“ argumentierte. In ihrem Essay „Wie ist Verantwortung und Zurechnung ohne Annahme der Willensfreiheit möglich?“ (1887) setzte sie sich mit Philosophen wie Immanuel Kant (1724–1804), Arthur Schopenhauer (1788–1860), Ludwig Feuerbach (1804–1872) und Auguste Comte (1798–1857) auseinander.

    1888 übersiedelte Druskowitz nach Dresden, wo ihre Beziehung mit Therese Malten (1853–1930), Opernsängerin an der Dresdner Staatsoper, öffentliches Aufsehen erregte und zu einer medialen Hetzkampagne führte, an der die Partnerschaft zerbrach. 1891 wurde Druskowitz wegen „Randale“ in das Dresdner „Irren- und Siechenhaus“ zwangseingeliefert und noch im selben Jahr in die psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling (Niederösterreich) überstellt.

    Hier verfasste Druskowitz ihre bis heute rezipierte Schrift „Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freiesten Geister. Von Erna“ (1905). In dem teilweise satirisch formulierten Pamphlet werden die gesamte patriarchale Männerwelt als Menschheitsvernichtungsmaschinerie infrage gestellt und weibliche und männliche Tugendkataloge vorgeschlagen. Im Zuge der feministischen Geschichtsforschung und Zweiten Frauenbewegung nach 1945 wurden die „Pessimistischen Kardinalsätze" 1982 von Ursula Kubes-Hofmann (geb. 1953) wiederentdeckt und 1988 durch Traute Hensch (geb. 1941) nachgedruckt, wodurch Druskowitz‘ Schrift Verbreitung und Rezeption im deutschsprachigen Raum erfuhr. Seitdem folgten Übersetzungen in das Italienische, Schwedische und Spanische sowie Neuauflagen. Als Philosophin im fachspezifischen Sinne einer Kanonisierung (Neukantianismus, Pragmatismus, neue Ethik) wurde Druskowitz erstmals 1995 von Marit Rullmann (geb. 1953) in ihrem Band „Philosophinnen. Von der Romantik zur Moderne“ gewürdigt.

  • Auszeichnungen

    1886/87 ordentliches Mitglied des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, Wien
    3.10.2006 Helene-Druskowitz-Park, Wien-Hietzing
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Gedruckte Quellen:

    Anton Bettelheim (Hg.), Louise v. François/Conrad Ferdinand Meyer. Ein Briefwechsel, 21920.

  • Werke

    Dramen:

    Sultan und Prinz. Trauerspiel in 5 Aufzügen v. E. v. René, 1881.

    Der Präsident vom Zither-Club. Orginal-Posse in 4 Aufzügen v. E. v. René, 1884.

    Aspasia. Lustspiel in 5 Aufzügen, 1889, Neuausg. u. d. T. Die Emancipations-Schwärmerin, 1890.

    Die Pädagogin. Dramatische Scherze in drei Akten, 1890.

    International. Dramatischer Scherz in 3 Akten, 1890.

    Wissenschaftliche Literatur:

    Ueber Lord Byron‘s Don Juan. Eine litterarisch-ästhetische Abhandlung 1879, Nachdr. 2018. (Diss. phil.)

    Drei englische Dichterinnen. Joanna Baillie – Elizabeth Barrett Browning – George Eliot. Essays, 1885, Nachdr. 2011.

    Percy Bysshe Shelley, 1884, Nachdr. 2017. (engl.)

    Moderne Versuche eines Religionsersatzes. Ein philosophischer Essay, 1886, Nachdr. 2016.

    Wie ist Verantwortung und Zurechnung ohne Annahme der Willensfreiheit möglich. Eine Untersuchung, 1887.

    Zur neuen Lehre. Betrachtungen, 1888, komm. Neuausg., 2022.

    Eugen Dühring. Eine Studie zu seiner Würdigung, 1889, Nachdr. 2022.

    Der freie Transzendentalismus oder Die Überwelt ohne Gott, 1900.

    Ethischer Pessimismus, 1903.

    Philosophischer Rundfragebogen, 1903.

    Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freiesten Geister. Von Erna. Als Manuskript gedr. [o. J.], Neuaufl. u. d. T. „Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt“, 1905, u. d. T. „Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt. Pessimistische Kardinalsätze“, hg. v. Traude Hensch, 1988, u. d. T. „Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademekum für die freiesten Geister“, 2012, schwed. 2014, ital. 2017, span. 2020.

  • Literatur

    Ursula Kubes-Hofmann, Der Mann ist an und für sich kein annehmbares Beispiel. Anmerkungen zu der österreichischen Philosophin Helene von Druskowitz (1856–1918), in: an.schläge 4 (1986), S. 16–18.

    Hinrike Gronewold, Biografische Übersicht, Helene von Druskowitz, Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt. Pessimistische Kardinalsätze, hg. v. Traude Hensch, 1988, S. 79–92.

    Hinrike Gronewold, Helene von Druskowitz (1856–1918). „Die geistige Amazone“, in: Sybille Duda/Luise F. Pusch (Hg.), WahnsinnsFrauen, 1992, S. 96–122.

    Ursula Kubes-Hofmann, Bericht über zwei „Entartete“. Rosa Mayreder und Helene von Druskowitz, in: Eva Geber/Sonja Rotter/Marietta Schneider (Hg.), Die Frauen Wiens. Ein Stadtbuch für Fanny, Frances und Francesca, 1992, S. 126–140.

    Elisabeth Reichart, Sakkorausch. Ein Monolog, 1994.

    Marit Rullmann, Helene von Druskowitz, in: dies, Philosophinnen, Bd. 2, 1995, S. 96–102.

    Ursula Kubes-Hofmann, Etwas an der Männlichkeit ist nicht in Ordnung. Intellektuelle Frauen am Beispiel Helene von Druskowitz und Rosa Mayreder, in: Lisa Fischer/Emil Brix (Hg.), Die Frauen der Wiener Moderne, 1997, S. 124–136.

    Brigitte Spreitzer, Kardinalsätze. Helene von Druskowitz‘ Parodie philosophischer Meisterdiskurse, in: dies., Texturen, die österreichische Moderne der Frauen, 1999, S. 153–157.

    Petra Nachbaur, Der Wahnwitz des „Frl. Dr.“. Helene Druskowitz, Emanzipationssatirikerin der Jahrhundertwende, in: Gilbert Ravy (Hg.), Satire, parodie, pamphlet, caricature en Autriche à l'époche de François-Joseph, 1999, S. 147–153.

    Christiane Zintzen, Auf der Überholspur in die Nervenklinik. Helene Druskowitz (1856–1918), in: Friedrich Aspetsberger/Konstanze Fliedl (Hg.) Geschlechter, Essays zur Gegenwartsliteratur, 2001, S. 65–95.

    Ursula Kubes-Hofmann, Helene von Druskowitz, in: Brigitte Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken, 2002, S. 149–151.

    Helga Guthmann, Helene Druskowitz. Von der Schau der letzten Dinge zum Endesende, in: Birgit Christensen (Hg.), Wissen – Macht – Geschlecht. Philosophie und die Zukunft der „condition féminine“, 2002, S. 755–761.

    Gudrun Ankele, Helene Druskowitz‘ Pessimistische Kardinalsätze (1905) als Manifest, in: Vern Walker (Hg.), Indecent Exposures, 2007. (Onlineressource)

    Ursula Kubes-Hofmann, Traum und Wirklichkeit der Helene Druskowitz in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 25 (2014), H. 3, S. 148–176.

  • Onlineressourcen

  • Autor/in

    Ursula Kubes-Hofmann (Wien)

  • Zitierweise

    Kubes-Hofmann, Ursula, „Druskowitz, Helene (von)“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/120560216.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA