Lebensdaten
um 1635 oder 1634 bis 1700
Geburtsort
Rimini
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Hofkapellmeister ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118527169 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Draghi, Antonio

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Zitierweise

Draghi, Antonio, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527169.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B (?) Giovanni Battista (seit 1667 bis Anfang 18. Jh. nachweisbar), angesehener Komponist, Cembalist u. Organist am englischen Hof;
    Wien Juni 1661 Livia Christine Seliprandi, N des Hofmusikers Carlo Seliprandi in Wien;
    6 S, 2 T, u. a. Carlo Domenico (1669–1711), seit 1698 kaiserlicher Hoforganist in Wien.

  • Leben

    D. kam 1658 als Hofmusiker in die Hofkapelle der Kaiserinwitwe Eleonore nach Wien und rückte dort bis zu deren Hofkapellmeister (1669) auf. 1673 übernahm er als „Intendente delle musiche teatrali di S.C.M.“ die Leitung des musikalischen Theaters am Wiener Hof Leopolds I., das er 1669-99 tatsächlich beherrschte. 1682 wurde er kaiserlicher Hofkapellmeister. Zwei Drittel der mehr als 300 am Wiener Hof 1669-99 nachweisbaren Opern, Oratorien und so weiter sind von D. komponiert. 1661-69 betätigte sich D. auch als Librettist. Er zählt zu den fruchtbarsten Komponisten seiner Zeit und repräsentiert in Zusammenarbeit mit dem Hofpoeten Nicolo Minato und dem Theaterarchitekten L. O. Burnacini die erste Hochblüte der venezianischen Barockoper in Wien, die bis in die gegenwärtige Theatertradition nachwirkt. In seinem Schaffen gehört D. zur konservativen Nachfolge M. A. Cestis; er gibt in seinen vielfach strophischen Arien der Gesangsvirtuosität weiten Spielraum und zeichnet sich durch sorgfältige Orchesterbehandlung aus. Ihm ist die Einführung der auf italienische Praxis zurückgehenden szenischen Heilig-Grab-Musiken (Sepolcri) in Wien zu danken. D. starb nach 42jähriger Dienstzeit am Wiener Hof als vermögender Mann.

  • Werke

    9 Libretti zu versch. weltl. Bühnenwerken u. e. Oratorium 1661-69 (5 f. eigene Kompositionen, je 1 f. Tricarico, Bertali, Ziani u. Kaiser Leopold I.); 170 weltl. Bühnenwerke 1663-99 (56 Dramme per musica, 29 „Feste“, 13 Musiche di camera, 10 Serenate, 22 Introduzioni ad un ballo, 40 sonstige) u. 14 Oratorien sowie 22 Sepolcri, Rappresentazioni sacre usw.;
    Kirchenmusik hrsg. v. G. Adler in DTÖ 46: 2 Messen, 2 Hymnen u. ein Stabat mater; Vollst. W-Verz. b. Neuhaus (s. L) chronol., in MGG systematisch. Zu 119 W sind Partitur u. Textbuch erhalten, zu 58 nur d. Partitur, zu 25 nur d. Textbuch, 4 W verloren. – Qu.: Hs. Partituren u. e. Teil d. Textbücher in Nat. bibl. Wien, der Messen im Stift Kremsmünster.

  • Literatur

    M. Neuhaus, A. D., in: Stud. z. Musikwiss. I, 1913; A. Orel, in: MGG III, Sp. 734-39 (W, L; auch f. Giovanni Batt. u. S Carlo Domenico).

  • Autor/in

    Alfred Orel
  • Empfohlene Zitierweise

    Orel, Alfred, "Draghi, Antonio" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Draghi: Antonio D., aus Ferrara gebürtig, wurde im J. 1674 als Hoftheaterintendant Kaiser Leopolds I. und Capellmeister der Kaiserin Leonore nach Wien berufen. Nach J. Heinr. Schmelzer's Tode wurde er am 1. Jan. 1682 Capellmeister der kaiserl. Hofcapelle und blieb in dieser Stellung bis zu seinem Tode in Wien. D. war ein äußerst fruchtbarer und begabter dramatischer Componist. In v. Köchel's „J. J. Fux“ sindet man das Verzeichniß von Draghi's Werken in der Reihenfolge, wie sie am kaiserlichen Hofe von 1661 bis 1699 zur Aufführung kamen; es sind 87 Opern, 87 Feste teatrali und Serenaden und 32 Oratorien. Die Partituren dieser Werke sind in der kaiserlichen Hofbibliothek aufbewahrt. Von den Carnevalsopern haben mehrere noch in späteren Jahren Wiederholungen erlebt. Die Textbücher, meist aus der Officin des kaiserlichen Hof-Buchdruckers Cosmerow hervorgegangen, haben sich von fast allen Opern erhalten; diejenigen in größerem Format, z. B. „Il fuoco eterno“ (1674), „La Monarchia latina trionfante“ (1678) enthalten die in Kupfer gestochenen großen Abbildungen der in der Oper vorkommenden Decorationen und Scenen. D. war auch Dichter; er schrieb zu 11 Werken (darunter 2 Oratorien) die Textbücher selbst; die Musik dazu ist theils von ihm, theils von Ziani, Bertali; jene zu „Apollo deluso“, Drama per mus. (1669) ist von Kaiser Leopold I., der zu andern Opern auch mitunter Einlags-Arien schrieb. Draghi's Verdienste wurden vom Kaiser im J. 1690 durch eine Gnadengabe von 6000 Gulden anerkannt. Nach Walther's Lexikon (1732) wäre D. noch 1703 am Leben gewesen; Fétis (Biogr. univ. des Musiciens) läßt D. nach Ferrara zurückkehren und daselbst 1707 sterben. v. Köchel hat zwar unterdessen das Datum berichtigt, doch wiederholen auch die neuesten Biographien Fétis' Angabe. Um so nothwendiger ist es daher, das Wiener Todten-Protokoll sprechen zu lassen, nach welchem D. zu Wien (Singerstraße beim steinernen Rössel) am 18. Jan. 1700 im 65. Lebensjahre verschied, womit zugleich sein Geburtsjahr (gewöhnlich mit 1642 angegeben) festgestellt wird. — Ein Sohn Draghi's, Carlo, gest, 2. Mai 1711, wurde 1688 in der kaiserlichen Hofcapelle als Schüler auf der Orgel aufgenommen und 1698 zum Hoforganisten ernannt.

    • Literatur

      Vgl. u. a. v. Köchel, Joh. Jos. Fux, Wien 1872 und Die kaiserl. Hof-Musikcapelle in Wien, Wien 1869.

  • Autor/in

    C. F. Pohl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Carl Ferdinand, "Draghi, Antonio" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 371-372 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527169.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA