Lebensdaten
1879 bis 1940
Sterbeort
Schweinfurt
Beruf/Funktion
katholischer Kirchenhistoriker ; Religionshistoriker ; Kulturhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118526227 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dölger, Franz-Joseph
  • Dölger, Franz Joseph
  • Dölger, Franz-Joseph

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Zitierweise

Dölger, Franz Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118526227.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam (1848–1921), Landwirt, Bäcker u. Gastwirt in Sulzbach;
    M Elisabetha Reis (1849–1903) aus Sulzbach; 7 Geschwister.

  • Leben

    Die Begabung des Knaben erkannte der Ortskaplan, der ihn durch Privatunterricht auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitete. Wegweiser für das 1899 in Würzburg beginnende Studium der katholischen Theologie waren die Werke Johann A. Möhlers, deren Quellen im Urtext zu lesen seine Leidenschaft wurde; diese Lektüre begründete die Vertrautheit D.s mit der altchristlichen Literatur. Daß er seine im Ausstrahlungsbereich S. Merkles und A. Ehrhards gereiften Anschauungen nach der Priesterweihe (1902) als Kaplan in Amorbach und Würzburg sowie als Kurprediger in Kissingen allzu unvorsichtig äußerte, brachte ihn in den Ruf eines „Reformkatholiken“ und führte zu Auseinandersetzungen. Eine dogmengeschichtliche Arbeit über das Sakrament der Firmung|wurde 1902 als Preisarbeit, 1904 als theologische Doktorarbeit angenommen. Bei einer Stipendiatenreise nach Rom, Sizilien und Nordafrika (1904–05) lernte D. die Denkmäler der alten Welt sowie die Arbeiten der religionsgeschichtlichen Schule kennen. Es kam, nicht ohne Zutun A. Ehrhards, zu der entscheidenden Wendung: aus dem Dogmenhistoriker wurde der Religions- und Kulturhistoriker, der klären wollte, was die altchristlichen Anschauungen, Ausdrucksformen und Institutionen der nichtchristlichen Umwelt verdanken. Schon die Würzburger Habilitationsschrift über den Exorzismus (1906) ist durch die neugewonnene Sicht bestimmt, noch stärker der 1. Band seiner Studien über das Fischsymbol (1909) und die Monographie zur Taufbezeichnung „Sphragis“ (1911). In Würzburg fand D. für seine Forschungsrichtung wenig Verständnis, daher folgte er der Einladung Anton de Waals an das Priesterkollegium beim deutschen Campo Santo in Rom (1908–11). Dann war, nicht zuletzt durch eine positive Kritik von A. Franz, der Bann gebrochen; D. erhielt 1911 ein Extraordinariat in Münster, wo er einen wachsenden Schülerkreis aus dem In- und Ausland um sich sammelte und mit unerhörter Arbeitskraft Manuskript auf Manuskript fertigstellte. Einen Ruf nach Nymwegen schlug D. 1923 aus, ging aber 1926 als Nachfolger J. Wittigs nach Breslau, 1929 als Nachfolger A. Ehrhards nach Bonn. Da es D. unmöglich schien, die Oberfülle seiner Beobachtungen in monographischer Form vorzulegen, gründete er 1929 unter dem seine Forschungsrichtung kennzeichnenden Titel „Antike und Christentum“ eine Vierteljahresschrift (5 Bände, 1929-50), die ausschließlich seinen eigenen Arbeiten vorbehalten war; in dieser Zeitschrift hat D. in zwangloser Folge über 150 Aufsätze veröffentlicht.

    D.s Arbeit ist durch ungewöhnliche Akribie, Vertrautheit mit den Quellen und Denkmälern und Kombinationsgabe ausgezeichnet. Die Einordnung der gewonnenen kulturellen Zustandsbilder in größere historische Zusammenhänge war ihm weniger gegeben. Jedoch hat D. als erster das zentrale, aber bisher vernachlässigte Problem des Zusammenwachsens des Christentums mit der antiken Kultur klar erfaßt und in entscheidenden Punkten in Angriff genommen sowie die einseitige Blickrichtung auf die intellektuelle Führungsschicht der jungen Kirche aufgegeben. Er hat noch das „Reallexikon für Antike und Christentum“ vorbereiten helfen, das die Kulturgeschichte der ersten Jahrhunderte in seinem Sinne in ganzer Breite aufzuarbeiten versucht; das Institut an der Bonner Universität, dem die Fortführung des Reallexikons obliegt, trägt daher D.s Namen.

  • Werke

    Weitere W Die Sonne d. Gerechtigkeit u. der Schwarze, 1918; Sol salutis, Gebet u. Gesang im christl. Altertum, 1920, 21925;
    IXθYC 1-5, 1910-43, I 21920;
    Hrsg.: Konstantin d. Gr. u. s. Zeit, 1913.

  • Literatur

    K. Baus, in: Röm. Quart.-Schr. 47, 1939, S. 1-8;
    Th. Klauser, in: HJb. 61, 1940, S. 455-59, auch in: F. J. D., Leben u. Werk, 1956 (W-Verz.);
    S. G. Mercati, in: Rendiconti della Pont. Accad. rom. di archeol. 18, Rom 1941/42, S. 15-19;
    Rahner, in: Neue Zs. f. Missionswiss. 1, 1945, S. 12-23;
    E. Stommel, in: Aschaffenburger Jb. 3, 1956, S- 412-14.

  • Autor/in

    Theodor Klauser
  • Empfohlene Zitierweise

    Klauser, Theodor, "Dölger, Franz Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 19-20 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118526227.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA