Lebensdaten
1764 bis 1832
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11852240X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cotta, Johann Friedrich (bis 1822)
  • Cottendorf, Johann Friedrich Freiherr von
  • Cotta von Cottendorf, Johann Friedrich Freiherr
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Zitierweise

Cotta, Johann Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11852240X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Frdr. (1724–1807), württ. Hof- u. Kanzleibuchdrucker, Hrsg. der Hofzeitung (seit 1760) u. des „Oekonomie-Wochenblatts“ (seit 1791) (s. ADB IV);
    M Rosalie (1738–1812), T des Konzertmeisters Franz Pirker u. der bekannten Sängerin|Marianne Pirker (1717–83), die wegen ihrer Treue zur Hzgn. v. Württemberg eingekerkert war (1756/64); Großonkel väterlicherseits Joh. Frdr. (1701–79), Prof. der Theol. in Tübingen (s. ADB IV);
    B Christoph Frdr. (1758–1838), Jurist, Hrsg. der Mschr. „Teutsche Staatslitteratur“, Anhänger der franz. Revolution in Mainz u. Straßburg, Publizist (s. ADB IV);
    1) 11.1.1791 (od. 1794) Wilhelmine (1769–1821), T des Pfarrers Joh. Conr. Haas ( 1769) in Kilchberg b. Tübingen u. der Maria Elis. Schott, 2) Hedelfingen 1824 Elis. (1789–1859, 2) 1835 Ernst Frhr. v. Hügel [1774–1844], württ. Gen.Lt. u. Kriegsminister [1829–42]), T des Ludw. Eberh. Frhr. v. Gemmingen-Guttenberg u. der Luise Aug. Freiin v. St. André;
    3 K aus 1), u. a. Georg s. (2), Ida (⚭ Hermann Frhr. v. Reischach [1798–1876], Verleger).

  • Leben

    Ursprünglich zum Theologen bestimmt, begann C. 1782 in Tübingen das Studium der Mathematik und Geschichte, um sich auf den Beruf des Genieoffiziers vorzubereiten, wechselte jedoch bald zur Jurisprudenz über und ging, um sich für eine Hofmeisterstelle beim Fürsten Lubomirsky vielseitig zu bilden, zu längerem Aufenthalt nach Paris. Von dort wurde er zurückgerufen, um eine Postmeisterstelle zu übernehmen, verzichtete aber und ließ sich nach bestandener Rechtsprüfung als Hofgerichtsadvokat in Tübingen eintragen.

    Inzwischen wünschte der Vater die 1659 gegründete Tübinger Verlagsbuchhandlung im Familienbesitz zu erhalten. So kaufte nach reiflicher Überlegung C. am 1.12.1787 von seinem Vater das heruntergekommene Geschäft, um es nach mühevollen Anfängen und vorübergehender Assoziation mit dem kapitalkräftigeren Calwer Kanzleiadvokaten Christian Jakob Zahn in kurzer Zeit zu Weltgeltung zu bringen. Die glückliche Wendung wurde eingeleitet durch die Anknüpfung mit Schiller, die der Epigrammatiker Fr. Haug bei dessen Besuch in der Heimat 1793 vermittelte. Die Verbindung zwischen Schiller und C. wurde für beide von weittragender Bedeutung: für Schiller endeten damit die zermürbenden materiellen Sorgen, und C. trat in den Kreis der Geister, durch die er dauernden Ruhm gewann. Er trug Schiller die Herausgabe einer großen politischen Tageszeitung, Schiller ihm die der „Horen“ an. Schillers Plan wurde rasch verwirklicht, und durch die Zeitschrift kam C. in verlegerische Verbindung mit den bedeutendsten Männern der Zeit, mit Goethe, Herder, Wieland, Fichte, Hegel, Hölderlin, den Brüdern Humboldt und Schlegel, Jean Paul und anderen; Schelling war ihm von Tübingen her bekannt. Zu vielen und gerade seinen berühmtesten Autoren entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis; sie schätzten in ihm nicht weniger die aufrechte Persönlichkeit als den so zuvorkommenden wie bedeutenden Verleger, zu dem er sich durch fast unglaublichen Fleiß, scharfe rechnerische Intelligenz und große Liebe und Opferbereitschaft für alle geistigen und künstlerischen Bestrebungen rasch entwickelte. Durch großzügig bemessene Honorare brach er der materiellen Anerkennung geistiger Leistung in Deutschland Bahn und erwarb zugleich dem Verlegerstande höhere Achtung. So knüpfte er schon früh Verlagsverbindungen, die ihn um mehr als eine Generation überleben sollten. Er wurde schließlich der einzige Verleger Goethes und Schillers, und als solcher vor allem ist er in die Geschichte eingegangen. Doch betreute er auch das Gesamtwerk Herders, Schellings, Johannes von Müllers, Pestalozzis und verlegte Hölderlin, Hebel, Kleist, Oehlenschläger, Fouqué, Immermann, Platen, Rückert, Uhland, Kerner und andere sowie die Werke bedeutender Wissenschaftler und Technologen.

    Daneben war C. ein großer Förderer der Künste. Er erweiterte seine Kenntnis und Anschauung auf großen Reisen. Zahlreiche Künstler und Gelehrte erhielten Stipendien; Wettbewerbe wurden dotiert. Als einer der frühesten Förderer des Steindruckes gründete C. 1827 die „Literarisch-Artistische Anstalt“ in München, die namhafte Künstler zur Wiedergabe berühmter Kunstwerke heranzog und Landkarten wie umfangreiche archäologische und Architekturwerke herausbrachte. Die Boisseréesche Sammlung mittelalterlicher Gemälde, heute ein Hauptteil der Alten Pinakothek in München, vermittelte C. nach Bayern, nachdem er in Württemberg kein Interesse dafür hatte wecken können. Im „Morgenblatt für gebildete Stände“ (1807-65) gab er Deutschland die bald weithin beherrschende kulturelle Tageszeitung. Ihre Leitung lag in den ersten zwei Jahrzehnten unter anderem in den Händen Weißers, Haugs, Rückerts, Th. Hubers und W. Hauffs, zeitweilig bei C. selbst. Er erweiterte sie 1820 um das von A. Müllner und später von W. Menzel redigierte Literaturblatt und das von L. Schorn herausgegebene Kunstblatt, die erste bedeutende Kunstzeitschrift Deutschlands.

    Doch die verlegerische Tätigkeit, so ausgebreitet sie auch sein mochte, beschäftigte C. nicht ausschließlich. Er war auch und wurde mit fortschreitenden Jahren immer mehr ein homo politicus. Diese Seite seines Wesens manifestierte sich mittelbar in der Gründung der „Allgemeinen Zeitung“, die zur bedeutendsten politischen Tageszeitung Deutschlands im 19. Jahrhundert wurde. Früh schon verfolgte C. diesen Plan, und als Schiller 1794 vom Vertrag über eine „Allgemeine Staatenzeitung“ zurücktrat, gewann C. den bekannten Publizisten E. L. Posselt als Herausgeber. Unter dem Titel „Neueste Weltkunde“ begann die Zeitung 1798 in Tübingen zu erscheinen, doch bald zwangen Zensurschwierigkeiten zu einschneidenden Änderungen. Der gemäßigtere L. F. Huber, Schillers Leipziger Freund, wurde Herausgeber, Stuttgart Verlagsort, bis C. das Blatt vor der Ungnade seines Landesherrn 1803 nach Ulm und, als Ulm württembergisch geworden war, 1810 nach Augsburg verlegen mußte, wo es unter K. J. Stegmann und G. Kolb zu seiner höchsten Bedeutung gelangte. Auch aktiv griff C. in die Politik ein. 1799 ging er als Beauftragter der württembergischen Landstände nach Paris, um Erleichterung der Kontribution zu erwirken, die Württemberg wegen seiner Teilnahme am 2. Koalitionskrieg angedroht war. Herzog Friedrich, mit Österreich verbündet, zog ihn darauf in eine Untersuchung wegen Hochverrats, die ihm nichts anhaben konnte, aber auch seinen Landesherrn nicht mit ihm aussöhnte; Friedrich bewahrte ihm lebenslänglich Feindschaft, unter der vor allem die „Allgemeine Zeitung“ zu leiden hatte, weshalb sich C. zu ihrer Verlegung außer Landes entschloß. Zeitlebens hatte C. unter Zensur und Nachdruck zu leiden. Er übernahm es daher, mit C. Bertuch, dem Sohn des Weimarer Verlegers, 1814 im Auftrag deutscher Buchhändler beim Wiener Kongreß nachhaltig für die Befreiung des Buchhandels von diesen Übeln einzutreten, erreichte jedoch nur, daß die Behandlung dieser Fragen an den künftigen Bundestag verwiesen wurde, bei dem C. erneut, doch gleichfalls ohne Erfolg vorstellig wurde.

    Ab 1815 spielte C. zuerst als Delegierter des Wahlkreises Böblingen, dann als Virilstimmführer des Grafen von Bissingen-Nippenburg, eine führende Rolle im württembergischen Verfassungskampf. Er stand zunächst auf der Seite der ständischen Opposition gegen die von König Friedrich dem Lande aufgezwungene Verfassung, trat jedoch, nachdem der König das „alte Recht“ als Ausgangspunkt für eine mit der Volksvertretung zusammen zu schaffende Verfassung anerkannt hatte, gegen die rein restaurative landständische Opposition für eine fortschrittliche Staatsform ein, was ihm in Württemberg vielfach den Vorwurf des Verrats und manche Anpöbelung, von Seiten unbefangener Politiker jedoch hohe Anerkennung eintrug. Als unter Druck von außen die württembergische Verfassung unter Wilhelm I. 1819 endlich zustande kam, beschritt sie den Mittelweg zwischen den Parteien, den C. immer angestrebt hatte. Er war unter denen, die sie unterzeichneten, und er gehörte, vielfach in Ausschüssen tätig, der Zweiten Kammer des Landtags bis 1830 an, ab 1826 als ihr Vizepräsident. Sein Augenmerk richtete er vor allem auf staatswirtschaftliche, finanzpolitische und soziale Fragen. So hatte er großen Anteil an der Errichtung der Schuldentilgungs- und Sparkassen. Als erster Grundbesitzer in Württemberg hob er die Leibeigenschaft für seine Hintersassen auf, und in den Hungerjahren 1816/17 unterstützte er Königin Katharina bei der Schaffung eines großen Hilfswerks für die notleidende Bevölkerung. Die letztgenannte Tätigkeit nahm Wilhelm I., der als Kronprinz in seiner Auseinandersetzung mit dem Vater von C. finanziell unterstützt worden war, zum Anlaß, um dem verdienten Manne den schon unter Kaiser Sigismund verbrieften, in Armutszeiten abgelegten Adel der Familie am 7. November 1817 zu erneuern, nachdem die Bayerische Akademie der bildenden Künste ihn 1815 zu ihrem Mitglied ernannt, und Friedrich Wilhelm III. von Preußen ihm 1817 den Titel eines Geheimen Hofrats verliehen hatte. 1822 fügte Max Joseph von Bayern die erbliche Freiherrenwürde hinzu. C. erhielt damit sichtbare Zeichen der Anerkennung für sein bedeutendes Wirken auf allen Gebieten gerade von jenen drei Staaten, um die er sich im letzten Jahrzehnt seines Lebens noch besonders verdient machen sollte.

    Zum Verleger und Politiker war indessen der Unternehmer großen Stils getreten. Es gab kein aufsehenerregendes Projekt, für das C. sich nicht interessiert hätte, ob es sich um Salzakkord oder „Strickbrücken“, um Eisenbahnpläne oder die Keime des Flugwesens handelte. Mag manches phantastisch anmuten, worauf er sich einließ, das meiste beweist seinen scharfen Blick für große Möglichkeiten, und so waren die Erfolge beträchtlich. Ende 1810 war C. mit dem Verlag nach Stuttgart übergesiedelt, wo er bald eine eigene Druckerei gründete. Er erwarb umfangreiche Landgüter, auf denen er die Schafzucht nach modernsten Grundsätzen betrieb. Er beteiligte sich an einer maschinellen Flachsspinnerei, einer Papier- und einer Maschinenfabrik, an einem führenden Hotel in Baden-Baden. Für seine „Allgemeine Zeitung“ lief seit 1824 die erste Dampfschnellpresse Süddeutschlands; wesentlich mit auf seine Initiative und Kosten geht die Dampfschiffahrt auf dem Bodensee zurück (1824), ein Unternehmen, bei dessen fernerem Ausbau C. empfindliche finanzielle Verluste erlitt; auch an der Rheinschiffahrt war er beteiligt.

    So befähigten ihn Welt- und Geschäftskenntnis und das Vertrauen, das er allenthalben genoß, dem größeren Vaterlande am Ende seines Lebens einen wichtigen Dienst zu leisten: im Auftrag Bayerns bemühte er sich|in Berlin um den Zusammenschluß des bayerisch-württembergischen mit dem preußisch-hessischem Zollverein. Nach schwierigen geheimen Verhandlungen und mehreren Reisen des unermüdlichen und geschickten Mannes gelang am 27. Mai 1829 der Vertragsabschluß, der dem Allgemeinen Deutschen Zollverein, dessen Abschluß C. nicht mehr erleben sollte, den Weg bahnte.

    C. ist nicht selbst schriftstellerisch hervorgetreten, wenngleich er in Korrespondenzen von seinen zahlreichen Reisen manches zu seinen Zeitungen und Zeitschriften beitrug; doch führte er einen ungeheuren Briefwechsel, und zwar von seiner Seite, bis gegen das letzte Lebensjahrzehnt hin, fast ganz eigenhändig. Manches hat sich hier und dort erhalten. Den eindringlichsten Beweis für seine Verflechtung mit allem Bedeutenden seiner Zeit bildet der reiche Bestand an Briefen von Autoren, Politikern und Geschäftspartnern, der sich in der C.schen Handschriftensammlung (Leihgabe der Stuttgarter Zeitung) im Schiller-Nationalmuseum zu Marbach befindet. Er bewährt das Wort aus Goethes Egmont, mit dem H. Heine C. charakterisierte: „Das war ein Mann, der hatte die Hand über die ganze Welt“.

  • Literatur

    ADB IV;
    F. Lupin v. Illerfeld, Biogr. jetzt lebender od. im Laufe d. gegenwärtigen Jh.s verstorbener Personen …, 1826, S. 170 ff.;
    NND, 10. Jg., 1832, Bd. 2, S. 849-70;
    Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, 1. Jg., 1834, Nr. 40-45;
    F. J. Frommann, Gesch. d. Börsenver. d. Dt. Buchhändler, 1875, S. 80 ff.;
    A. Schäffle, C., 1895 (P);
    R. Krauß, Schwäb. Lit.gesch. I, 1897, S. 321 u. ö.;
    E. Heyck, Die Allg. Ztg. 1798-1898, 1898, S. 92 ff. u. ö.;
    A. Druckenmüller, Der Buchhandel in Stuttgart …, 1908, S. 25 f. u. ö.;
    J. Goldfriedrich, Gesch. d. Dt. Buchhandels III u. IV, 1909 u. 1913;
    Jubiläumskat. d. J. G. C.schen Buchhandlung 1659-1909, 1909 (P);
    Briefe an C. I, hrsg. v. M. Fehling, 1925, II, hrsg. v. H. Schiller, 1927 (beide: P);
    O. Steuer, C. in München 1827-31, Diss. München 1931;
    [H. Schiller], Joh. F. C., Zur hundertsten Wiederkehr seines Todestages, 1932;
    ders., in: DBJ III, 1942, S. 72-124 (L, Qu., P);
    E. Hölzle, C., der Verleger, u. d. Politik, in: HV 29, 1935, H. 3;
    H. Berl, Baden-Baden im Za. d. Romantik, 1936, S. 45 ff.;
    F. Höfle, C.s Morgenbl. f. gebildete Stände u. seine Stellung z. Lit. u. lit. Kritik, Diss. München 1937;
    G. v. Koenig-Warthausen, Joh. F. C.s Leben u. Lebenswerk, in: Schwaben, Mhh. f. Volkstum u. Kultur, 1940, S. 458-63;
    U. Riedel, Der Verleger J. F. C., ein Btr. z. Kultursoziol. s. Zt. u. z. Verlagssoziol., Diss. Heidelberg 1951 (ungedr.);
    J. Eberle, Joh. F. C., in: Stuttgarter Ztg. Nr. 276, v. 26.11.1952;
    I. Dahm, Das „Schornsche“ Kunstbl. 1816-49, Diss. München 1954 (ungedr.);
    O. Isey, Unterss. z. Lebensgesch. d. Frhr. Karl Aug. v. Wangenheim, vornehml. auf Grund seiner Briefe an Joh. F. C. u. August Hartmann, Diss. Freiburg i. B. 1954 (ungedr);
    L. Lohrer, Die C.sche Hss.slg., Gesch. u. Aufbau, in: Jb. d. Dt. Schiller-Ges. 1, 1957 (auch f. S Georg); H. Zierold, Die Fam. Kotte aus Berggießhübel in Sachsen, in: Mitteldt. Fam.kde. 25, 1984, S. 470 f.; F. v. Schroeder, Nochmals Fam. Kotte aus Berggießhübel, ebd., S. 565 f.

  • Portraits

    Zeitgen. Lithogr.; Ölbild v. K. T. A. Leybold, 1821 (im Bes. d. Fam.);
    Gipsbüste v. L. Schaller, 1843 (Schiller-Nat.mus., Marbach), Abb. b. Rave.

  • Autor/in

    Liselotte Lohrer
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohrer, Liselotte, "Cotta, Johann Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 376-379 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11852240X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Cotta: Johann Friedrich C., Freiherr v. Cottendorf, Eigenthümer und 45jähriger Vorstand der J. G. Cotta'schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen und Stuttgart, geb. 27. April 1764, 29. Decbr. 1832. Sein Vater war der Hof- und Kanzlei-Buchdruckereibesitzer Christoph Friedrich C. in Stuttgart (1730—1807), welcher, nachdem er zuerst in dem österreichischen Heere unter Loudon als Reiterofficier gedient hatte, die Druckerei in Stuttgart erwarb (noch jetzt im gemeinschaftlichen Besitz von „Cotta's Erben") und hier seit 1760 die Hofzeitung, seit 1791 ein „Oekonomie-Wochenblatt“ herausgab, woran außer einzelnen Oekonomen des Landes auch seine Frau, Rosalie geb. Pyrker von Felsö-Eör in Ungarn, mitarbeitete. Nach dem Vorbilde seines gelehrten Großoheims, des Universitäts-Kanzlers Johann Friedrich C. in Tübingen (s. o.) sollte der junge wißbegierige Johann Friedrich C. die Theologie studiren; als er aber im Frühjahr 1782 zu Tübingen inscribirte, hatte er sich bereits für die Rechtswissenschaft entschieden, woneben er der Mathematik (unter Pfleiderer) fleißig oblag. Nach Vollendung seiner Universitätsstudien und einer Reise in die französische Hauptstadt, wohin er den berühmten Kupferstecher und Professor an der Stuttgarter Kunstschule, Johann Gotthard v. Müller (geb. 1747) begleitete, wurde er Advocat. Doch bald eröffnete sich ihm eine andere praktische Bahn. Die großväterliche Buchhandlung in Tübingen, welche noch immer von dem ersten, in Würtemberg angesiedelten C. (geb. 1631, 1692), der durch Heirath die vormals Brun'sche Buchhandlung an sich gebracht hatte, den Namen „Johann GeorgCotta'sche Buchhandlung“ führte, war heruntergekommen und sollte verkauft werden. Der Wunsch seines Vaters und eigener Unternehmungsgeist lenkten den 23jährigen Rechtsgelehrten (er wurde davon später noch „Doctor“ titulirt) auf den Gedanken, das Geschäft zu erwerben und wieder in die Höhe zu bringen. In einem Briefe aus Stuttgart vom 11. Juli 1787 wandte er sich, unerfahren wie er war, da er den Buchhandel nicht erlernt hatte, an den „vornehmen“ Buchhändler Reich in Leipzig (Vorstand der Weidmann'schen Buchhandlung) mit der Bitte um Rath, ob er (C.), wenn er allen möglichen Fleiß anwende, wenn er sich stets als ehrlicher Mann betrage, wenn er nur auf guten Verlag sehe, durch seine Aufführung seine guten Freunde und seinen Credit erhalte, nach und nach ein großes Capital werde abtragen und sich schuldenfrei machen können. Die Antwort Reich's liegt nicht vor; aus einem zweiten Briefe Cotta's vom 18. Decbr. 1787 aber geht hervor, daß Reich ihm erlaubte, sich in allen Fällen an ihn zu wenden. C. dankte und zeigte an, daß er die Tübinger Handlung|nun wirklich erworben habe; zugleich bat er um weitere Belehrung, wie er es bei Uebernahme neuen Verlags mit Bestimmung des Honorars zu halten habe etc. Dieser Brief (nebst dem ersten vorgedruckt der Schrift: „Aus den Papieren der Weidmann'schen Buchhandlung“ von Buchner, Berlin 1871, S. 3—6) traf jedoch den geschäftskundigen Gönner nicht mehr am Leben. C. mußte also sehen, wie er zurecht kam. Der übernommene unbedeutende Verlag zog nicht mehr, er wog nur. Mit dem Sortimentsgeschäft war auch nicht so bald in die Höhe zu kommen; er ging daher auf neuen Verlag aus, worauf er sich auch später in Stuttgart beschränkte. Mit Mühe brachte er die Summe von 500 fl. zusammen, um die ersten Auslagen zu decken. Ostern 1788 reiste er erstmals zur Buchhändlermesse nach Leipzig, um Verbindungen anzuknüpfen, in der bescheidensten Weise. In demselben Jahre ließ er noch den 1. Band eines bedeutenden rechtswissenschaftlichen Werkes, der Principia juris romano-germanici von Professor Hofaker in Tübingen drucken, welches 1800—1803 in 3 Bänden neu aufgelegt wurde. Im J. 1789 associirte er sich mit dem Kanzlei-Advocaten Dr. Zahn aus Calw, dem Componisten des Schiller'schen Reiterlieds und später Vicepräsidenten der würtemb. zweiten Kammer zum Betrieb der Buchhandlung, der aber schon 1797 wieder ausschied. 1794 (am 28. Mai) besprach C. bereits mit Fr. Schiller bei dessen Anwesenheit in Tübingen, wo derselbe seinen „lieben Lehrer“ Abel besuchte, das Bedürfniß einer allgemeinen politischen Zeitung und den Plan der Horen, welche an die Stelle der Thalia treten sollten. Glücklicher Weise blieb Schiller nachher seiner Muse getreu und entschied sich für den zweiten Plan, welcher auch 1795 unter seiner Leitung ausgeführt wurde. Durch Schiller wurde C. auch mit Goethe bekannt, welcher im Herbst 1797 bei C. in dessen kleinem Hause nächst der Tübinger Stiftskirche zum Besuche verweilte und in einem Briefe von da aus seinen Wirth also schilderte: „Je näher ich Cotta kenne, desto besser gefällt er mir; für einen Mann von strebender Denkart und unternehmender Handlungsweise hat er so viel Mäßiges, Sanftes und Gefaßtes, so viel Klarheit und Beharrlichkeit, daß er mir eine seltene Erscheinung ist.“ Die Horen, woran auch Goethe mitarbeitete, gingen mit dem 12. Stücke 1797 wieder ein; aber die auf gegenseitiges Vertrauen gestützte Verbindung Cotta's mit den beiden großen Dichtern dauerte fort und trug die erfreulichsten Früchte, wie für die deutsche Litteratur und ihre Vertreter, so auch für die Hebung des Buchhandels. Die große Ausdehnung, welche das Cotta'sche Verlagsgeschäft durch die Verbreitung der Werke Schiller's und Goethes, später durch die wiederholten Gesammt-Ausgaben erlangte, gestattete auch größere Honorare, als bis dahin vorkamen. (Von 1796—1864 wurden von der Cotta'schen Buchhandlung entrichtet: für Schiller's Schriften 308564 fl., worunter an ihn bis zu seinem 1805 erfolgten Tode 24106 fl., das Uebrige an seine Erben; für Goethe's Werke 504907 fl., worunter an den Dichter zu Lebzeiten 270937 fl.) Auch andere gefeierte Dichter: Herder, Wieland, A. W. Schlegel, Tieck, Jean Paul Richter, Voß, Heinrich v. Kleist, Haug, Hölderlin, Matthison, Hebel, Schenkendorf, Rückert, Zedlitz, Uhland, Kerner, Schwab, Pfeffel, Z. Werner, Klingemann, Niembsch (Lenau) etc. schmückten den Cotta'schen Verlag. Und nicht blos die schöne Litteratur war hier vertreten, fast jedem Zweig der Wissenschaft wandte C. seine Aufmerksamkeit zu. Wir nennen von Autoren beispielsweise die Brüder Humboldt, S. Boisserée, Varnhagen, Zimmermann, Zschokke, die Philosophen Fichte, Hegel, Schelling, die Historiker Archenholz, Joh. v. Müller, Spittler, Posselt, Mailath, die Geographen Berghaus, Bronsted, die landwirthschaftlichen Schriftsteller Elsner, Weckherlin, die Polytechniker Prechtl, Dingler. Zur Ehre gereichte auch dem Cotta'schen Verlage die Ausgabe der Plutarch'schen Werke von Hutten 1791—1805 in 14 Bänden, die 1799 begonnene große Karte Schwabens von Ammann|und Bohnenberger in 59 Blättern. Von Zeitschriften erwähnen wir der Zeitfolge nach Posselt's Europäische Annalen (seit 1795), das Archiv der neuesten juridischen Litteratur von Danz, Gmelin und Tafinger 1801—9, Häberlin's Staatsarchiv 1801—6, Hartleben's Polizeifama 1802—30, die Jahrbücher der Medicin von F. W. D. Schelling und A. F. Markus 1806—8, Archives littéraires de l'Europe 1804—9, das 1807 gegründete und bis zu Ende des J. 1865 fortgesetzte Morgenblatt, dem längere Zeit das Kunstblatt von Schorn und das Litteraturblatt von Wolfgang Menzel beigegeben waren, ferner die 1827—33 von Berlin aus geleiteten Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, die Hertha, den Hesperus. Alle diese sind eingegangen. Einige andere bestehen heute noch fort; so Dingler's Polytechnisches Journal, welches 1873 sein 50. Jahr überschritten hat, das Ausland, welches, unter der Leitung von Wiedenmann begonnen, jetzt von Hellwald fortgesetzt wird. Nicht überall war es bei den Cotta'schen Unternehmungen auf Gewinne abgesehen; für manche wurden große Opfer gebracht; einzelne konnten nur mit Unterstützung der Behörden begonnen und bis daher fortgeführt werden; so Memminger's Jahrbücher für würtembergische Geschichte, das Correspondenzblatt des würtembergischen landwirthschaftlichen Vereins. An politischen Blättern war der Cotta'sche Verlag besonders reich; aber auch hier mußten einzelne, welche großen Erfolg versprachen, in der Folge wieder aufgegeben werden, so der 1815 im Verein mit Reimer und Perthes unternommene Deutsche Beobachter, das 1827 von D. Lindner in München begonnene Politische Journal, das von Scholz in München 1830 redigirte „Inland“. In besonderem Werth und Ansehen hat sich dagegen die „Allgemeine Zeitung“ bis daher behauptet. Nachdem, wie oben bemerkt, Schiller die Redaction der projectirten politischen Zeitung abgelehnt hatte, wandte sich C. an Posselt, und am 1. Jan. 1798 erschien das lang besprochene Unternehmen unter dem Titel: „Die Neueste Weltkunde“, durch ausdrückliche Vergünstigung des Herzogs Friedrich censurfrei, in Tübingen. Posselt hatte im Einverständniß mit der Verlagshandlung im März 1798 L. F. Huber aus Neufchatel als Mitarbeiter berufen. In Folge wiederholter Klagen des österreichischen und des russischen Gesandten, erst bei dem Herzog, dann, als dieser in die von ihnen geforderte Entziehung der Censurfreiheit nicht willigte, beim Reichshofrath in Wien, wurde „Die Neueste Weltkunde“ im September desselben Jahres verboten. Der Herzog gewährte aber C. ein neues Privilegium unter der Bedingung, daß das neue Blatt unter Censur erscheine, und so kam am 9. Septbr. 1798 die erste Nummer der „Allgemeinen Zeitung“ und zwar in Stuttgart und unter Censur heraus; Posselt legte jetzt die Redaction nieder, welche nunmehr ganz in die Hände Huber's überging, Da C. sich bei den Streitigkeiten zwischen dem Herzog und der Landschaft auf die Seite der letzteren schlug, fiel die Allgemeine Zeitung auch bei dem Landesherrn in Ungnade und wurde, nachdem sie schon zuvor ein paar Mal seinen Unwillen hatte empfinden müssen, im October 1803 von einem plötzlichen Verbot betroffen. C. ließ sich nun von dem Kurfürsten von Baiern ein Privilegium geben und die Allgemeine Zeitung erschien im November 1803 als „Kaiserlich und Churpfalzbairisch privilegirte Allgemeine Zeitung“ in der eben baierisch gewordenen vormaligen Reichsstadt Ulm. Als Huber am 24. Decbr. 1804 starb, ging die Leitung des Blattes an den schon seit einiger Zeit dabei thätigen Mitarbeiter Stegmann über. 1810 übersiedelte das Blatt nach einer mehrwöchentlichen Unterbrechung (in Folge neuerlichen Verbots der königl. würtemb. Regierung) nach. Augsburg. Auch hier gab es oft Schwierigkeiten mit der Censur und unmöglich war es für C., allen Anmuthungen, Ausstellungen und Drohungen auswärtiger Regierungen in Bezug auf die Haltung seines Weltblattes zu begegnen, während er gleichwol sichtbar bemüht war, durch Vermehrung der Correspondenten und Erweiterung des Blattes auch entgegengesetzte Meinungen in der Politik und Litteratur zum Worte kommen zu lassen.

    Nachdem C. 1811 mit seinem Verlagsgeschäft, das bereits einen europäischen Ruf erlangt hatte, von Tübingen nach Stuttgart übergesiedelt war, wo er eine eigene Druckerei errichtete, verkaufte er 1816 das Tübinger Haus an Buchhändler Laupp; doch behielt er Tübingen neben Stuttgart in der Firma bei. Im J. 1823 erwarb er ein größeres Anwesen in Augsburg, wo er im folgenden Jahre die erste Dampfpresse in Baiern, hauptsächlich für den Druck der Allgemeinen Zeitung, die unter der Redaction von Stegmann und Lebret, später von Kolb, Mebold und Altenhöfer fortgesetzt wurde, einführte. Ein drittes Geschäft wurde von ihm 1827 in München gegründet — die litterarisch-artistische Anstalt für lithographische Vervielfältigung und Kupferdruck, nebst Buch-, Kunst- und Landkartenhandel. Ungeachtet dieser Verzweigungen seines Geschäfts, eines ausgebreiteten Briefwechsels mit Gelehrten, Künstlern und Staatsmännern und häufiger Reisen (auch nach Rom zog es ihn zu der Kunst und den Künstlern) gewann er noch Zeit, sich als Landwirth auf den erkauften größeren Gütern in Würtemberg und Baiern einzurichten, mit Verbesserungen derselben, insbesondere durch Einführung veredelter Schafzucht voranzugehen. Auch die Einführung bezw. Neuregelung der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee (1825), Oberrhein, dem Main und der Donau wurde von ihm angeregt und zum Theil mit großen Opfern bewerkstelligt. Ebenso wurde von ihm der Plan einer Hypotheken- und Wechselbank für München bis in das Einzelne ausgearbeitet. Nicht minder wurde seine Umsicht und Sorgfalt — bei einem eben nicht starken Körperbau — von Vertrauensmissionen in Anspruch genommen. Schon im J. 1799, als eben ein neuer Krieg zwischen Frankreich und Oesterreich ausbrach, und Herzog Friedrich trotz des mit der französischen Republik abgeschlossenen Separatfriedens auf Seite Oesterreichs trat, wodurch das Land den Mißhandlungen der französischen Occupationsarmee ausgesetzt wurde, erhielt er von den würtembergischen Ständen den mißlichen Auftrag zu einer Reise nach Paris, um bei dem damaligen Directorium die drohenden Uebel vom Lande abzuwenden, wobei er sich persönlichen Gefahren aussetzte und vom Herzog in eine — übrigens erfolglose Untersuchung gezogen wurde. Drei Jahre nachher reiste er abermals nach Paris im Interesse des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, was nicht ohne Erfolg gewesen sein soll. Im J. 1814 wurde er mit Bertuch aus Weimar von einer Anzahl deutscher Buchhändler nach Wien geschickt, um bei dem Fürstencongreß für Gewährung der Preßfreiheit und Abschaffung des Nachdrucks zu wirken. Nachdem die deutsche Bundesacte von 1815 Art. 18 zugesichert hatte: die deutsche Bundesversammlung werde sich bei ihrer ersten Zusammenkunft mit Abfassung gleichförmiger Bestimmungen in beiden Beziehungen beschäftigen, übernahm C. 1816 wieder den Auftrag, in Frankfurt die Erfüllung dieser Verheißung zu erstreben.

    Einstweilen war der Verfassungskampf in Würtemberg ausgebrochen (1815), woran C. als Abgeordneter des Oberamtsbezirks Böblingen theilnahm. Uebereinstimmend mit dem Grafen Waldeck und fast allen Mitgliedern der Ständeversammlung stellte er sich auf die Seite der alten vertragsmäßigen Rechte des Landes gegenüber der von König Friedrich einseitig erlassenen Verfassungsurkunde. Als jedoch die Regierung sich zu Unterhandlungen über eine, die alten Rechte berücksichtigende Verfassung bereit erklärte, zeigte C. in überzeugender Weise die Nothwendigkeit, in diese Unterhandlungen einzutreten, um einen zeitgemäßen Vergleich herbeizuführen, worauf von beiden Theilen Commissarien ernannt und von diesen wieder verschiedene Entwürfe ausgearbeitet wurden. Auch der 1817 aus Auftrag des neuen Königs Wilhelm von dem Minister Wangenheim den|Ständen übergebene Verfassungsentwurf erfuhr von C. eine unbefangenere Beurtheilung, als von den starren Verfechtern der erbländischen Einrichtungen, insbesondere des ständischen Cassarechts, und er theilte mit seinem Freunde Wangenheim die vorübergehende Ungunst der öffentlichen Meinung des altwürtemb. Landes, weil er das Ultimatum der Regierung mit den darin ertheilten weiteren Zugeständnissen nicht gleich der Mehrheit der Stände abgelehnt hatte. In der constituirenden Versammlung zu Ludwigsburg vom J. 1819, wo C. als Virilstimmführer für den Grafen v. Bissingen eintrat, standen die früheren Gegner wieder auf seiner Seite, obgleich die jetzt vereinbarte Verfassung theilweise weniger bot, als der Entwurf von 1817. Auf den würtembergischen Landtagen von 1820 an saß C. als ritterschaftlicher Abgeordneter des Schwarzwaldkreises; 1821 wurde er Mitglied des ständischen Ausschusses, 1824 Vicepräsident der Kammer; beides blieb er bis 1831.

    C. hat nie eine eigene Schrift drucken lassen. Die Genealogie des Hauses Buonaparte (Durlach 1814), welche ihm zugeschrieben wurde, ist nicht seine Arbeit, sondern die seines älteren Bruders Christoph Friedrich C., welcher im vorigen Jahrhundert schon eine Anzahl anderer Schriften staatsrechtlichen und politischen Inhalts verfaßt und im J. 1791 sich als französischer Bürger in Straßburg niedergelassen hatte (s. o.). Auch ein eigentliches Staatsamt hat Johann Friedrich v. C. nicht bekleidet. Dagegen wurde er 1817 in Folge der durch mehrere Mißjahre eingetretenen Landesnoth von der mildthätigen Königin Katharina, geb. Großfürstin von Rußland, im Hinblick auf seinen „bekannten Eifer für das Wohl seiner Mitmenschen“ zur Theilnahme an dem von ihr geschaffenen Wohlthätigkeitsverein eingeladen. Er reiste selbst in einzelne Bezirke des Landes, um die örtlichen Zustände und Bedürfnisse kennen zu lernen, und blieb auch später Mitglied der heute noch bestehenden Centralstelle für Wohlthätigkeit. 1818 wurde er von der Königin zu einem der 12 Vorsteher der zum Besten der ärmeren Volksclassen errichteten Sparcasse ernannt. — Auch sonst wurden seine Verdienste anerkannt: von Preußen 1817 durch Ertheilung des Titels eines Geheimen Hofraths, von Würtemberg am 20. Novbr. desselben Jahres durch die „Anerkennung und Bestätigung“ alten Adels mit dem Prädicate „von Cottendorf“ (auf Grund eines von C. vorgelegten kaiserl. Wappenbriefs vom 24. Aug. 1420, ertheilt an Bonaventura C., „römischer (?) Abkunft des Geschlechts von Cottendorf, sonst Bürger zu Eisenach“, abgedruckt bei Paullini dissertationes historicae, Gissae 1694, nr. 14, p. 137), wodurch C. die Möglichkeit erlangte, von dem Wahlrechte eines ritterschaftlichen Gutsbesitzers Gebrauch zu machen. König Max Joseph von Baiern fügte am 4. Sept. 1822 die erbliche Freiherrnwürde „als eines einziehenden achtbaren Staatsbürgers Ehrengeschenk“ hinzu.

    Die letzten Jahre Cotta's waren sehr bewegt durch Unterhandlungen mit Preußen in Handels- und Zollangelegenheiten, wobei er mit dem doppelten Vertrauen der Könige von Baiern und Würtemberg bekleidet wurde. Diese beiden Staaten hatten, unter wirksamer Vermittlung des würtembergischen Gesandten in München, Freiherrn v. Schmitz-Grollenburg, am 18. Januar 1828 einen Zollverein unter sich abgeschlossen. Nun sollte auch eine Verbindung mit Preußen zur Erleichterung des Handels und gewerblichen Verkehrs, unter Herabsetzung der gegenseitigen Zollsätze, versucht werden und C. ward dazu ausersehen, vorerst vertrauliche Besprechungen in Berlin anzuknüpfen. Nachdem er bei den leitenden Persönlichkeiten und dem Könige Friedrich Wilhelm III. selbst erfreuliches Entgegenkommen gefunden hatte, erhielt er im Januar 1829 förmliche Vollmacht, im Namen von Baiern und Würtemberg die Verhandlungen weiter zu führen. Den 27. Mai 1829 wurde der Handelsvertrag zwischen Preußen und Hessen-Darmstadt einer-, Baiern und Würtemberg andererseits abgeschlossen.|Die Ratificationen und Zufriedenheitsbezeugungen der betheiligten Regierungen blieben nicht aus. Besonders anerkannte der preußische Finanzminister v. Motz in einem Schreiben an den baierischen Minister Grafen Armansperg das persönliche Verdienst Cotta's bei dem Vertrage, indem er bemerkte: „Ich erkenne es ganz, wie sehr durch seine unermüdlichen Bestrebungen, das gute Werk einzuleiten und zu beendigen, dasselbe gefördert worden ist. Ich habe seinem offenen und redlichen Charakter immer volles Vertrauen gewähren können und alle Verhandlungen haben dadurch und durch seine vermittelnden Eigenschaften hauptsächlich gewonnen.“ Nachdem C. im Herbst 1829 eine Erholungsreise nach Holland ausgeführt hatte, entzog er sich immer wieder seinen Geschäften, um in der großen Frage deutscher Verkehrseinigung thätig zu sein. Wiederholt versuchte er das Ministerium Winter in Karlsruhe, welches sich bisher fern gehalten hatte, für ein Zusammengehen mit Baiern und Würtemberg zu gewinnen. Die damals aufgetauchten Ansprüche Baierns auf die Sponheimer Surrogatlande verschafften C. keine günstige Aufnahme. Auch als später Baiern die Sponheimer Frage fallen ließ, war es schwer, Baden zu einer gemeinsamen Action zu bestimmen. Es handelte sich jetzt um eine Zollvereinigung mit Preußen, welche von den beiden, bereits in Zollgemeinschaft stehenden süddeutschen Königreichen angestrebt wurde. Auch hierfür war C. noch zu Stuttgart, München und Berlin thätig. Doch den endlichen Abschluß des Zollvereines mit Preußen und den beiden Hessen (22. März 1833), welchem später Baden und andere deutsche Staaten beitraten, erlebte er nicht mehr.

    C. war in erster Ehe verheirathet mit Wilhelmine Haas von Laufen, einer ausgezeichneten Frau, welche in treuer Arbeit ihm besonders in den ersten Jahren mühsamen Erwerbs zur Seite stand; sie starb 1821. Im höheren Alter verband er sich noch mit dem Freifräulein Elisabeth v. Gemmingen-Guttenberg, die ihn bei seinen Reisen und Geschäften, wie bei den vielfachen häuslichen Berührungen mit Fremden stets geistvoll anregend und ermunternd unterstützte. Johann Fr. v. C. hinterließ aus seiner ersten Ehe einen Sohn und eine mit dem Freiherrn Herm. v. Reischach, kgl. würtemb. Rittmeister ( 8. April 1876), verehelichte Tochter. Der Sohn, Johann Georg v. C. (geb. am 19. Juli 1796, am 1. Febr. 1863), königl. baier. Kammerherr, war nach vollendeten Universitätsstudien mehrere Jahre (1819 und 1820) zuerst in Frankfurt, dann in Wien als Legationssecretär und Legationsrath in königl. würtemb. Diensten thätig, bis ihn der Vater zu seinen Geschäften herbeizog. — Im J. 1833 trat er als erwählter ritterschaftlicher Abgeordneter in die zweite würtembergische Ständekammer und nahm von da an auf allen Landtagen bis 1849 bei den parlamentarischen Geschäften eifrigen Antheil. Von den industriellen Unternehmungen seines Vaters wurden in der Folge jene, welche allzu seitab lagen, aufgegeben. Dagegen wandte sich J. G. v. C. mit Ausdauer der Verwaltung der ererbten väterlichen Güter und dem buchhändlerischen Verlagsgeschäfte zu, welches er von neuem ordnete und weiter ausdehnte durch die Errichtung einer großen Buchdruckerei, Schriftgießerei und Stereotypiranstalt in Stuttgart, durch die Verbindung mit der Bibelanstalt in Stuttgart und München, durch die Heranziehung der v. Vogel'schen Buchhandlung in München und des Göschen'schen Verlags in Leipzig. Bei einzelnen dieser Geschäftszweige wurden tüchtige Kräfte als Theilhaber zugezogen. Neue litterarische Verbindungen wurden angeknüpft mit Platen, Pyrker, Simrock, Freiligrath, Geibel, Kinkel, Karl Mayer, Mörike, Dingelstedt, Lingg, ferner mit Fallmerayer, Gregorovius, Ranke, Friedrich List, Roscher, Riehl, Arndts, Bluntschli u. a. Die Illustrationen zum Homer, zu Herder's Cid, zu dem Nibelungenlied, zu Goethe's Reineke Fuchs und Faust, zu Schiller's und Uhland's Gedichten führten zu lebhaftem Verkehr mit angesehenen Künstlern wie: Genelli, Kaulbach|Neureuther, Piloty, Ramberg, Retzsch, Schnorr v. Carolsfeld, Schwind, Seibertz u. a. Die von Joh. Georg C. gegründete „Deutsche Vierteljahrsschrift“ war ihm neben der Allg. Zeitung bis zu seinem Tode besonders ans Herz gewachsen. Als eine erfolgreiche Unternehmung darf auch die Ausgabe der „Deutschen Classiker“ mit ihren Fortsetzungen hier erwähnt werden. — Joh. Georg C. war vermählt mit Sophie, Freiin v. Adlerflycht aus dem Hause Alt-Limpurg, aus welcher Ehe ihm zwei Söhne und mehrere Töchter erwuchsen. — Nach seinem Tode kam die J. G. Cotta'sche Buchhandlung nebst Druckerei in Stuttgart und das Institut der Allg. Zeitung in Augsburg (die übrigen Zweige trennten sich nach einander ab) unter die Leitung zweier Enkelsöhne Johann Friedrichs, der Freiherren Karl v. Cotta und H. A. v. Reischach ( 5. April 1876).

  • Autor/in

    Reyscher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reyscher, August Ludwig, "Cotta, Johann Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 527-533 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11852240X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA