Lebensdaten
1758 bis 1818
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Dreihaus bei Wien
Beruf/Funktion
Gastgeberin eines großbürgerlichen Salons in Wien zur Kongreßzeit ; Förderin des Wiener Musiklebens ; Wohltäterin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118504347 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arnstein, Fanny (bis 05.11.1795)
  • Arnstein, Fanny von (bis 14.04.1798)
  • Itzig, Fanny (geborene)
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Zitierweise

Arnstein, Fanny Freifrau von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118504347.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel Itzig, Bankier, Lederfabrikant, Eisenhüttenbesitzer und Oberlandesältester der preußischen Juden in Berlin;
    M Mirjam Wulff, aus Hoffaktorenfamilie in Dessau, Nachkommin von Moses Isserles;
    Berlin 1777 Nathan Adam (Freiherr von) Arnstein (1748–1838), Bankier und Großhändler, Schwedischer Generalkonsul in Wien, Großgrundbesitzer, S des Gründers der Bank Ascher Amschel (später Adam) Isaak Arnstein (1715–85), kaiserlich königlicher Hoffaktor und Großhändler, und der Bela (Bilga) Gomperz aus Nymwegen, aus preußisch-niederrheinischer Hoffaktorenfamilie;
    T Henriette Freiin von Arnstein (1780–1879, Wien 1802 Heinrich Freiherr von Pereira-Arnstein, Bankier und Großgrundbesitzer).

  • Leben

    Die sorgfältig erzogene Fanny verstand es bald, sich nach ihrer Heirat in Wien mit einem Salon großbürgerlicher Liberalität nach Berliner Muster in Szene zu setzen. Bei ihr gab sich alles, was im geistigen, politischen und sozialen Leben Wiens Rang und Namen hatte, ein Stelldichein. Ganz besonders wurde hier während der Kongreßzeit (1814/15) gutes und schlechtes Wetter gebraut, wozu sich Fürst Hardenberg und die beiden Humboldt, stets unterstützt von Fanny, Herzog von Wellington, Marialva, selbst kirchliche Würdenträger wie Kardinal E. Consalvi oder der Nuntius A. G. Severoli einfanden, was einem Diplomaten die Bemerkung abnötigte: motif, bons procédés du juif pour le Nonce dans les temps calamiteux. In ihrem Salon wurde ausschließlich preußische und nationale|Politik betrieben, ein Franzose verursachte ihr „Krämpfe“. Die Wiener Regierung fand ihre „Propos“ skandalös und ihre Art, Preußen zu fördern, unangenehm. K. A. Varnhagen, der gelegentlich Fanny und ihren Salon als Blüte der Gesellschaft preist, zieh sie später der Arroganz sowie „hundsdummer“ Reden gegen das Kaiserhaus und machte das Parvenutum ihres Salons lächerlich. Sie hat sich dagegen als große Förderin des Wiener Musiklebens und als Wohltäterin besser verdient gemacht.

  • Literatur

    Bemerkungen od. Briefe üb. Wien eines jungen Bayern, 1800, S. 45 ff.;
    K. A. Varnhagen v. Ense, Denkwürdigkeiten, 1843, II, S. 173 ff., III, S. 237, IV, S. 407 ff.;
    ders., Aus dem Nachlaß …, II, 1874, S. 26, 34;
    A. Fournier, Die Geheimpolizei auf d. Wiener Kongreß, Wien 1913;
    C. Pichler, Denkwürdigkeiten, hrsg. v. E. K. Blümml, 1914;
    A. de la Garde, Gem. d. Wiener Kongresses, hrsg. v. G. Gugitz, 1914;
    Vertraute Briefe, geschrieben auf einer Reise nach Wien, hrsg. v. G. Gugitz, 1915;
    Wininger I, Czernowitz 1925;
    Enc. Jud. III, 1929.

  • Portraits

    Gem. v. Jean Gérin, geschabt v. V. K. Kininger (Slgg. d. Stadt Wien).

  • Autor/in

    Gustav Gugitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Gugitz, Gustav, "Arnstein, Fanny Freifrau von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 394-395 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118504347.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA