Lebensdaten
1896 bis 1952
Geburtsort
Sankt Blasien
Sterbeort
auf der Reise nach Syrien
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Christlicher Archäologe ; Byzantinist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118124048 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneider, Alfons
  • Schneider, Alfons Maria
  • Schneider, Alfons

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Zitierweise

Schneider, Alfons Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118124048.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Liborius ( 1932), Gendarm in St. B., später Steuerbeamter;
    M Wilhelmine Gnirs ( 1945); 3 jüngere Geschw.

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Rastatt als Zögling des ebfl. Konvikts, während die Familie an verschiedenen bad. Dienstorten des Vaters lebte. 1916-18 leistete er Kriegsdienst und studierte nach der Reifeprüfung 1918 in Freiburg (Br.) Theologie, Orientalische Sprachen und Kunstgeschichte. Als Kaplan in Freiburg (Priesterweihe 1922) verfaßte er die Dissertation (Dr. theol. 1926), die ihm ein Reisestipendium des Dt. Reiches eintrug. Die bis 1944 dauernde Tätigkeit im Ausland führte ihn nach Rom, Griechenland, Nordafrika, Syrien, Palästina, Georgien, Armenien und Anatolien. Erst als Mitarbeiter, bald auch selbständig arbeitete S. an mehreren Orten als Ausgräber (u. a. die frühchristl. Basilika auf Aegina unter d. Anleitung v. Gabriel Welter, die Theotokos-Kirche auf dem Garizim u. d. Brotvermehrungskirche in et-Tabga, Palästina), v. a. in Istanbul, stets nur kurzfristig beauftragt u. a. durch das Orientalische Institut der Görres-Gesellschaft und das Dt. Archäologische Institut. Die Vielzahl seiner Projekte machte ihn in der Fachwelt bekannt, doch hatte sie auch gesundheitliche und finanzielle Probleme zur Folge. Die auf der Grundlage zahlreicher Publikationen für 1934 geplante, von seinem Lehrer Joseph Sauer (1872–1949) geförderte Habilitation 1936 an der Freiburger Theol. Fakultät verzögerte sich infolge kirchlicher Bedenken. 1937 wurde S. vom Reichskultusministerium zum Dozenten ernannt und zum 1.1.1939 mit Lehrauftrag für Byzantin. und Frühislam. Kunstgeschichte an die Phil. Fakultät der Univ. Göttingen versetzt. Die Lehrtätigkeit wurde bis zur Schließung des Dt. Archäologischen Instituts 1944 durch lange Aufenthalte in Istanbul, eine kurze Kriegsdienstverpflichtung als Dolmetscher 1941 und die Vertretung einer Prager Professur 1942 unterbrochen. Nächst den Grabungen und Untersuchungen an der Landmauer, der Hagia Sophia und der Euphemia-Kirche erwiesen ihn v. a. seine topographischen, nicht mehr abgeschlossenen Studien als einzigartigen Kenner des byzantin. und osman. Konstantinopel. Seine Göttinger Publikationen nach 1945 betrafen u. a. das Verhältnis zwischen Liturgie und Kirchenbau sowie das frühchristl. Rom. Dazu kam die Mitarbeit am „Reallexikon für Antike und Christentum“ und als Rezensent an der Byzantinischen Zeitschrift, deren Herausgebern Theodor Klauser (1894–1984) und Franz Dölger (18911968) S. eng verbunden war. 1945 wurde S. zum apl. Professor ernannt, einen Ruf nach Istanbul lehnte er ab. 1952 für einen Lehrstuhl in Würzburg nominiert, erhielt er gleichzeitig den Ruf auf ein Extraordinariat in München. Gleich nach dessen Annahme trat er mit Johannes Kollwitz (1903–68) und Katharina Otto-Dorn (1908–99) die Fahrt zu einer Grabung in dem ein Jahr zuvor erkundeten Resafa (Syrien) an. Auf der Bahnreise verblutete er an einem durchgebrochenen Tumor.

    Umfassende Gelehrsamkeit und ausgedehnte Sprachkenntnisse, einzigartige Vertrautheit mit den Monumenten und Territorien des Oriens Christianus sowie Scharfsinn, Ideenreichtum und eine enorme Arbeitsenergie befähigten S. zu herausragenden Leistungen als Archäologe und Byzantinist.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1948).

  • Literatur

    Reticulum, hg. v. H. R. Seeliger, 1998, darin: Biogr. S. 3-33, Liste d. ungedr. Qu. u. Nachrufe S. 36, W-Verz. S. 37-56, Ausgew. Kl. Schrr. S. 57-324, J. Gorecki, Der Bonner Magierring aus d. Nachlaß A. M. S.s., S. 325-42, Kat. d. Slgg. aus d. Nachlaß A. M. S.s im F. J. Dölger-Inst. (Bonn) u. d. Abtei Scheyern, S. 343-57;
    Nachrufe:
    H. J. Deuticke, in: Göttinger Tagbl. v. 22.10.1952;
    F. Dölger, in: Das Münster 6, 1952, S. 165;
    ders., in: Kunstchronik 6, 1953, S. 57-59;
    S. Eyice, in: Belleten 16, 1952, S. 585-89;
    F. Babinger, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 103, 1953, S. 1-8;
    J. Kollwitz, in: Byzantin. Zs. 1953, S. 267-69;
    ders., in: Necrologium Friburgense, 1957, S. 209-11;
    A. Michel, in: HJb. 73, 1954, S. 508 f.;
    F. W. Deichmann, in: Gnomon 26, 1954, S. 431 f.; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Franz Joseph Dölger-Inst., Univ. Bonn (Slgg.); Byzantin. Inst. d. Abtei Scheyern (Bayern) (wiss. Mss.); DAI, Abt. Istanbul (Fotos); vgl. hierzu Reticulum, S. 34 f.

  • Portraits

    Foto, in: Göttinger Gel. II, S. 540.

  • Autor/in

    Albrecht Dihle
  • Empfohlene Zitierweise

    Dihle, Albrecht, "Schneider, Alfons Maria" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 284-285 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118124048.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA