Lebensdaten
1922 bis 1999
Geburtsort
Gera
Sterbeort
Gera
Beruf/Funktion
Indologe
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 117755141 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rau, Wilhelm

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Rau, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117755141.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1877–1954), Dr. phil., Oberstudienrat am Rutheneum in G., S d. Kürschnermeisters Wilhelm (1842–1920) u. d. Anna Maria Luise Wolf (1843–1927);
    M Johanna (1890–1985), Lehrerin, T d. Pfarrers Louis Seifarth (1859–1930) u. d. Lydia Lange (1870–1955);
    Schw Anna Maria (* 1923), Übers. russ. Lyrik;
    B Otto (1933–91), Dipl.-Volkswirt;
    - Frankfurt/M. 1956 Ruth (* 1930), Dipl.-Chemikerin, T d. Vermessungsing. Wilhelm Lorenz Leonhard Soreth (1886–1944) u. d. Maria Breitstadt (1894–1988);
    1 S, 2 T; Schwägerin Marion Soreth (* 1926), apl. Prof. d. Philos. in Köln (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2001).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1940 am Rutheneum in Gera nahm R. in Leipzig das Studium der Indologie bei Friedrich Weller (1889–1980), der Vergleichenden Sprachwissenschaft und der Altphilologie auf. Mit einer Unterbrechung durch Arbeitseinsatz und Kriegsdienst bei der Ind. Legion (1941–45), wo er Hindi erlernte, setzte R. dieses 1946 in Marburg fort (1949 Promotion bei Johannes Nobel, 1887-|1960). Auf die Habilitation 1952, ebenfalls in Marburg, folgte ein zweijähriger Indienaufenthalt in Santiniketan, welcher der Beschäftigung mit der Sanskritgrammatik gewidmet war. 1955 wurde R. ao. Professor für Vergleichende Indogerman. Sprachwissenschaft in Frankfurt/M. und 1958 o. Professor für Ind. Philologie in Marburg (1987 em.). Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nahm er einen Lehrauftrag für Indologie in Leipzig wahr (1992/93) und lebte zuletzt in seiner Heimatstadt Gera.

    R.s streng philologisch ausgerichtetes Forschungsinteresse umfaßt v. a. drei Felder der Indologie, auf denen er zu den besten Kennern in der westlichen Hemisphäre zählte: Der klassischen Kunstdichtung galt bereits seine Dissertation „Vallabhadeva's Kommentar zu Māgha's Śiśupālavadha“ (1949, ungedr.). Die vedische Literatur der Brāhmaṇas und die darauf beruhende Realienkunde behandeln „Staat und Gesellschaft im alten Indien“ (1957, Habil.schr.) sowie seine Akademiepublikationen über Weben und Flechten (1971), Töpferei und Tongeschirr (1972), Metalle und Metallgeräte (1974), die Bedeutung von pur (1976) und die vedische Altertumskunde (1983). Schließlich legte R. zur einheimischen Sprachlehre und -philosophie eine kritische Ausgabe von Bhartrharis Vākyapadīya (3 Bde., 1977–91) und eine dt. Übersetzung desselben (Publ. in Vorbereitung) vor. Mit seinen Oberseminarschülern erarbeitete R. dt. Übertragungen der Śvetāśvatara-, Muṇḍaka-, Kāṭhaka- und Taittirīya-Upṣandidad. Außerdem schrieb er kulturhistorische Traktate. In die hochschulpolitische Debatte der 1960er Jahre griff er mit mehreren reformkritischen Zeitungsartikeln ein.

    R. wirkte als Herausgeber des Bereichs Südasien der „Orientalistischen Literaturzeitung“ (1962-96) und als Verwaltungsratsvorsitzender der Helmuth v. Glasenapp-Stiftung (1971–99), für die er die „Kleinen Schriften“ von F. Kielhorn (1969) und F. Weller (1987) edierte.|

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Marburger Gel. Ges. (1969), d. Wiss. Ges. an d. J. W. Goethe-Univ. Frankfurt/M. (1974) u. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz (1979); Vizepräs. d. Internat. Assoc. of Sanskrit Studies (1984).

  • Werke

    Weitere W Bilder hundert dt. Indologen, 1965, u. d. T.: Bilder 135 dt. Indologen, 21982;
    Fünfzehn Indra-Geschichten, in: Asiat. Studien 20, 1966, S. 72-100, erw. engl. Fassung u. d. T.: Twenty Indra Legends, in: German Scholars on India, 1, 1973, S. 199-223;
    Die hs. Überlfg. des Vākyapadīya u. seiner Kommentare, 1971;
    Indiens Btr. z. Kultur d. Menschheit, 1975;
    Vākyapadīyaprameyasaṃgraha, 1981;
    Die Brennlinse im alten Indien, 1983;
    Die ved. Zitate im Vyākaraṃa-Mahābhāśya, 1985;
    Naturbeobachtung u. Handwerkskunst im vorislam. Indien, 1986;
    Die ved. Zitate in der Kāśikā Vṛtti, 1993;
    Altind. Pfeilgift, 1994;
    Upaniṣad-Überss. in:
    Asiat. Studien 17, 1964, S. 25-46;
    18/19, 1965, S. 216-26;
    25, 1971, S. 158-74;
    FS d. Wiss. Ges. an d. J. W. Goethe-Univ. Frankfurt/M., 1981, S. 349-73;
    Aufss. in:
    Annals of the Bhandarkar Oriental Research Inst., Münchener Studien z. Sprachwiss., Studien z. Indol. u. Iranistik, Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. u. zahlr. FS (F. Weller, 1954;
    H. Lommel, 1960;
    E. Słuszkiewicz, 1974;
    K. K. Raja, 1982;
    R. S. Tripathi).

  • Literatur

    J. F. Sprockhoff, in: Studien z. Indol. u. Iranistik 13/14, 1987 (FS W. R.), S. 417-52 (W-Verz.);
    O. v. Hinüber, in: Jb. 1999 d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz, S. 138-41 (P);
    M. Hahn, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 152, 2002 (W-Verz., P) (in Vorbereitung);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1996. – Mitt. v. Christine Patzer (Gera), Anna Maria Rau (Gera) u. Marion Soreth (Köln).

  • Autor/in

    Claus Vogel
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogel, Claus, "Rau, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 193-194 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117755141.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA