Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kaufleute ; Industrielle
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138758220 | OGND | VIAF: 95388295
Namensvarianten
  • Rauch (bis 1808)
  • Rauch, von
  • Rauch (bis 1808)
  • mehr

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Zitierweise

Rauch, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138758220.html [04.08.2021].

CC0

  • Leben

    Als Stammvater der seit dem 15. Jh. in Weilburg/Lahn nachweisbaren Familie gilt Hermann (um 1480–1550), Gerichtsschöffe und Bürgermeister, der zum ev. Glauben übertrat. In den folgenden sechs Generationen lebten Familienmitglieder, immer wieder auch als Bürgermeister genannt, in Weilburg als Handwerker (Scheidenmacher, Wollenweber, Bäcker, Bierbrauer) und Kaufleute. Benjamin (1704–76), Stammvater der Heilbronner Familie, achtes von zehn Kindern des Johann Thomas in Weilburg, besuchte dort das Gymnasium, die franz. Schule in Hanau und machte anschließend eine vierjährige Lehre in einem Straßburger Speditionsgeschäft. Nach sechzehnjähriger Tätigkeit in dem Mainzer Speditionsgeschäft Heinrich Ackermann ging er 1742 nach Frankfurt/M. und 1743 nach Heilbonn, wo er mit der Witwe des Kaufmanns Raimund Späth ( 1743) 1743 und 1746 Teilhaberverträge abschloß und Bürger der Stadt wurde. 1749 heiratete er die Ratsherrentochter Johanna Becht (1726–84). 1762 erwarb Benjamins Schwager Jakob Christian Becht den Firmenanteil der Witwe Späth. Unter dem Firmennamen „Rauch & Becht“ wurde Großhandel mit Kaffee, Zucker, Gewürzen, Tabak, Bleiweiß etc. betrieben. Benjamins Söhne Christian (1752–1809) und Johann Moriz (1754–1819, beide württ. Adel 1808) wurden 1780 Teilhaber der Firma, die sie nach dem Austritt Bechts 1783 in „Gebrüder Rauch“ umbenannten, erheblich ausdehnten und 1799 bei der Erhebung der Kriegssteuer als vermögendste Bürger Heilbronns führten. 1791 heiratete Johann Moriz Luise (1774–1862), Tochter des Kaufmanns Georg Friedrich Merz (1735–95), Teilhaber|der Firma. Seine Söhne Moriz (1794–1849) und Adolf (1798–1882) wurden zu wichtigen Pionierunternehmern der württ. Frühindustrialisierung. Moriz hatte nach Schulbesuch in Heilbronn und Stuttgart im elterlichen Haus eine Kaufmannslehre begonnen, arbeitete seit 1812 bei dem Textilfabrikanten Jeanjacquet in Neuenburg (Neuchatel) und unternahm seit 1813 längere Reisen u. a. in die Schweiz, nach London, Paris und Amsterdam. 1818 trat er als Teilhaber in die Firma „Gebrüder Rauch“ ein, deren Leitung er 1819 nach dem Tod des Vaters übernahm. 1820 heiratete er die Frankfurter Bankierstochter Charlotte Hauck (1797–1876). Adolf unternahm nach Schulbesuch und Lehre im väterlichen Unternehmen ebenfalls längere Reisen u. a. nach England, wo er 1823 in Kontakt mit der Maschinenbaufabrik „Bryan Donkin & Co.“ trat und eine Langsiebpapiermaschine kaufte, mit welcher zu diesem Zeitpunkt in Deutschland erst eine Papierfabrik in Berlin produzierte. Die Brüder erlangten im Namen des Engländers John Gamble ein württ. Patent mit zehnjähriger Laufzeit, ihre Papierfabrik wurde bald profitabel geführt und weiter ausgebaut. Moriz' Sohn Friedrich (Fritz) (1823-90) erhielt seine kaufmännische Ausbildung in Frankfurt/M. und England und übernahm seit 1849 neben seinem Onkel die Geschäftsleitung der auf den Weltausstellungen 1851 und 1855 preisgekrönten Papierfabrik. 1866 heiratete er Anna Feyerabend (1839–1919). Er wurde 1871 Handelskammervorstand in Heilbronn und spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung der Württ. Vereinsbank in Stuttgart. Sein Sohn Moriz (1868–1928, s. L) studierte in München und Berlin Literatur, Kunstgeschichte und Geschichte (Promotion 1894 in Marburg) und verfaßte, seit 1898, als stiller Teilhaber der Firma finanziell unabhängig, eine umfassende und mustergültige Edition der Heilbronner Urkunden 1476-1532, ferner kunst-, landes- und wirtschaftsgeschichtliche Aufsätze sowie eine Geschichte seiner Familie (o. Mitgl. d. Komm. f. württ. Landesgesch.). Nachdem die Papierfabrik „Gebrüder Rauch“ im 2. Weltkrieg zerstört worden war, wurde sie als Papiergroßhandlung fortgeführt und 1987 der „Papier Union“ angeschlossen.

  • Werke

    zu Moriz: Die Pol. Hessen-Kassels im österr. Erbfolgekrieg, Diss Marburg 1894/97;
    UB d. Stadt Heilbronn, II (1476–1500), 1913, III (1501–1524), 1916;
    Gesch. d. Fam. v. R. in Heilbronn, 1919;
    Der Heilbronner Bgm. v. Roßkampf, e. reichsstädt. Vertr. d. aufgeklärten Absolutismus, 1923;
    Johann Lachmann, 1923, 21991.

  • Literatur

    B. Klagholz, Die Industrialisierung d. Stadt Heilbronn v. d. Anfängen bis z. J. 1914, Diss. Tübingen 1986;
    Die Entwicklung d. Papierind. in Heilbronn u. ihr Einfluß auf d. Industrialisierung d. Stadt, Festreden anläßl. d. 225-j. Bestehens d. Fa. Gebr. Rauch am 5. Nov. 1987, o. J. (1988);
    C. Schrenk, Die Rauch, Das Geschäft mit d. Papier, in: Wege z. Erfolg, 1996, S. 42-51, 280;
    H. Weckbach, Die Brüder Moriz u. Adolf v. R., in: ders., Heilbronner Köpfe, 1998, S. 96-103 (P);
    zu Moriz:
    K. Bach, M. v. R., Zu seinem hundertsten Geb.tag, in: 25. Veröff. d. Hist. Ver. Heilbronn, 1966, S. 208-17 (P);
    GHdA 108, 1995, S. 444 f.

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Rauch, von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 194-195 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138758220.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA