Lebensdaten
1859 bis 1935
Geburtsort
Proßnitz (Prostějov, Mähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Immunologe ; Serotherapeut
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117690139 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paul, Gustav

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Zitierweise

Paul, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117690139.html [17.12.2018].

CC0

  • Leben

    Nach Abschluß des Medizinstudiums an der Deutschen Univ. Prag mit der Promotion 1883 wandte P. sich zunächst der forensischen Medizin zu. 1884-88 fungierte er als 1. Assistent am Prager Institut für Gerichtsmedizin unter Josef v. Maschka (1820–99). Anschließend war er Amtsarzt in den Bezirkshauptmannschaften Karolinenthal, Horowitz und Aussig. Daneben befaßte er sich mit dem im Entstehen begriffenen Gebiet der Immunologie, insbes. der Erforschung der serologischen Grundlagen der Blatternverhütung, und wurde aufgrund seiner Leistungen 1895 zum Direktor der „Staatlichen Anstalt für Impfstoffgewinnung“ in Wien ernannt. Seit 1911 war ein von P. maßgeblich mitgeplanter Neubau verfügbar; die Behörde, in der er bis zu seiner Pensionierung 1925 tätig war, hieß seitdem „Bundesstaatliche Impfstoffgewinnungsanstalt“. Während des 1. Weltkriegs versorgte sie die gesamte österr.-ungar. Armee und die Zivilbevölkerung der Monarchie mit insgesamt 35, 5 Mio. Einzelportionen Pockenimpfstoff. Neben der Prophylaxe wurde an P.s Institut auch das erste taugliche immunbiologische Verfahren zur möglichst frühzeitigen Blatterndiagnostik entwickelt. Die Variola-Diagnose mittels der „Paulschen Probe“ wurde seit 1915 mit großem Erfolg praktiziert. Diese hochsensible Methode zum Nachweis des Pocken- und des Vakzinevirus an der Hornhaut von Kaninchen verlor ihre Bedeutung erst mit der gänzlichen Ausrottung der Pocken 1980.

    Außer seinen Erfolgen im Bereich der Serodiagnostik gelang P. auch auf dem Gebiete der Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ein innovativer therapeutischer Ansatz durch seine 1925 entwickelte „Cutivaccine Paul“. Außerdem wirkte P. als Dozent für Impftechnik an der Militärärztlichen Applikationsschule am Josephinum, hielt Instruktionskurse für Amtsärzte und unterrichtete an der Wiener Lehrerbildungsanstalt.|

  • Auszeichnungen

    Hofrat (1919); Obmann d. Ver. d. Amtsärzte Österreichs; Mitgl. d. Landessanitätsrates.

  • Werke

    Über rationelle Gewinnung e. reinen animal. Impfstoffes, in: Österr. Sanitätswesen, Beil. Nr. 43, 1896;
    Über e. verläßl. Methode z. Erzeugung e. von vornherein keimarmen animalen Vaccine, ebd. Nr. 52, 1898;
    Der österr. Gerichtsarzt, 1904;
    Lehrb. d. Somatol. u. Hygiene f. Lyzeen u. verwandte Institute, 1904;
    Die Schutzpockenimpfung im Lichte d. Wiss., 1904;
    Zur Differentialdiagnose d. Variola u. d. Varicellen, in: Zbl. f. Bakteriol., Abt. I, Bd. 75, 1915, S 518-24;
    Über Biol. u. Histol. d. spezif. Epithelveränderungen auf d. variolierten Kornea d. Kaninchenauges, in: Ber. üb. d. 40. Verslg. d. Ophthalmolog. Ges. Heidelberg, 1916, S. 357-63;
    Objektive Sicherung d. Varioladiagnose durch d. Tierversuch, in: Wiener med. Wschr. 66, 1916, Nr. 23;
    Über d. Beeinflussung d. Rheumatismus durch d. Hautimpfung, ebd. 38, 1925;
    Das Wesen d. Hautimpfung u. ihre Bedeutung f. d. Bekämpfung d. chron. Rheumatismus als Weltkrankheit, ebd. 77, 1927, Nr. 14;
    Der Entwicklungsgang d. Pockenepitheliose auf d. geimpften Kaninchenhaut, in: Dt. med. Wschr. 45, 1917.

  • Literatur

    Münchener med. Wschr. 1929, Nr. 5, S. 205;
    Wiener med. Wschr. 85, 1935, S. 1271;
    B. Leiber u. Th. Olbert, Die klin. Eponyme, Med. Eigennamenbegriffe in Klinik u. Praxis, 1968, S. 332;
    Fischer;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Reallex. d. Med. u. ihrer Grenzgebiete, V, 1973.

  • Autor/in

    Gabriela Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Gabriela, "Paul, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 114 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117690139.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA