Lebensdaten
1861 bis 1942
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Hamburg-Eimsbüttel
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117688061 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pohl, Pohl Julius
  • Pohl, Julius
  • Pohl, Pohl Julius
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Zitierweise

Pohl, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117688061.html [23.10.2018].

CC0

  • Leben

    In Prag absolvierte P. das Gymnasium und studierte 1879-83 an der Deutschen Universität Medizin. Nach der Promotion 1884 wurde er Assistent am pharmakologischen Institut bei Franz Hofmeister (1850–1922). 1892 habilitierte er sich für experimentelle Pharmakologie, 1895 wurde er zum ao. Professor ernannt. P. folgte 1897 Hofmeister auf dessen Lehrstuhl für Arzneimittellehre und wurde zum Vorstand des Pharmakologisch-pharma-kognostischen Institutes der Deutschen Universität bestellt. 1911 trat er die Nachfolge von Wilhelm Filehne (1844–1927) auf dem Lehrstuhl für Pharmakologie der Univ. Breslau an (1928 emeritiert).

    P. führte zunächst die biochemisch-pharma-kologische Arbeitsrichtung von Hofmeister fort und baute sie aus. Charakteristisch für die meisten seiner Arbeiten sind fließende Übergänge zwischen Biochemie und Pharmakologie. Bei Studien zum Purinstoffwechsel führte er enzymologische Techniken in die Pharmakologie ein. Untersuchungen über die Verteilung und den Stoffwechsel des Chloroforms waren grundlegend für die von Hans Horst Meyer (1853–1939) und Ernest Overton (1865–1933) entwickelte Lipidtheorie der Narkose. Für den Abbau von Methanol und Ethanol wies P. die Intermediärprodukte nach, erfaßte deren Konzentrationen quantitativ und ermittelte den zeitlichen Verlauf ihres Auftretens im Blut oder deren Ausscheidung mit dem Urin. Ähnliche Experimente führte er mit Pharmaka durch. Dadurch wurde P. zu einem Begründer der Pharmakokinetik. Ein weiteres Arbeitsgebiet war der Proteinhaushalt des Organismus. Hier untersuchte P. v. a. katabole Reaktionen bei pathologischen Prozessen und unter dem Einfluß von Pharmaka. Grundlegende Bedeutung haben schließlich seine Studien zur Entgiftung von Mineralsäuren und organischen Säuren, wobei P. die Funktion von Aminosäuren als Stickstoffdonatoren für Kopplungsreaktionen oder für die Neutralisationen nachwies. Auf pharmakognostischem Gebiet untersuchte er eine Vielzahl pflanzlicher Drogen, wobei auch häufig toxikologische Probleme bearbeitet wurden. Zu P.s zahlreichen Schülern zählen u. a. Otto Riesser (1882–1949), Emil Starkenstein (1884–1942) und Wilhelm Wiechowski (1873–1928).|

  • Auszeichnungen

    Geh. Med.rat (1918); Mitgl. d. dt. Ges. d. Wiss. u. Künste, Prag.

  • Werke

    u. a. Das Arbeiten mit Körpereiweiß, in: E. Abderhalden (Hg.), Hdb. d. biolog. Arbeitsmethoden, Abt. 1, T. 8, 1922, S. 585-95;
    Toxikol., 1929 (mit E. Starkenstein u. E. Rost);
    ca. 50 Aufss. u. Art. in Fach-Zss.

  • Literatur

    O. Riesser, in: Dt. Med. Wschr. 57, 1931, S. 1869;
    E. Starkenstein, in: Med. Klinik 25, 1929, S. 1721 f.;
    ders., in: Klin. Wschr. 10, 1931, S. 2063;
    W. Koerting, Die Dt. Univ. in Prag, d. letzten 100 J. ihrer Med. Fak., 1968, S. 132;
    H. Lommatzsch, Personalbibliogr. d. Professoren u. Dozenten d. Anatomie, Histol. u. Pathol., Pharmakol. u. Physiol. a. d. Med. Fak. d. Dt. Karl-Ferdinands-Univ. in Prag im ungefähren Zeitraum v. 1880-1900, Diss. Erlangen 1968;
    Pogg. VI-VII a;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1925-35;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen.

  • Autor/in

    August W. Holldorf
  • Empfohlene Zitierweise

    Holldorf, August W., "Pohl, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117688061.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA