Lebensdaten
1605 bis 1690
Geburtsort
Neuhausen bei Worms
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Übersetzer ; Mitbegründer der Royal Society ; Diacon in Exeter
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117640581 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haack, Theodore
  • Haak, Theodor
  • Haack, Theodore

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Zitierweise

Haak, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117640581.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (aus Thüringen ?);
    M Maria, T d. Daniel Tossanus (Toussaint) (1541–1602), aus Hugenottenfam., Prof. d. Theol. u. Hofprediger in Heidelberg (s. ADB 38), u. d. Maria Couet du Vivier;
    Ur-Gvm Pierre Toussaint (1496–1573), Reformator v. Mömpelgard;
    Tanten-m Renate ( Wigandus Spanheim, pfälz. Kirchenrat), Johanna ( Joh. Frdr. Schloer, 1569–1637, pfälz. Rat); Vt Daniel Tossanus d. J. (Toussaint) (1590–1655), ref. Theologe (s. ADB 38), Frdr. Spanheim (1600–49), ref. Theologe (s. ADB 35);
    Elizabeth Genne Mai ( 1669);
    N Joh. Frdr. Pastoir (1635–1701), schwed. u. pfalz-zweibrück. Kanzler, Ezechiel Spanheim (1629–1710), Gelehrter, pfälz. u. brandenburg. Staatsmann, Frdr. Spanheim d. J. (1632–1701), ref. Theologe u. Archäologe (beide s. ADB 35).

  • Leben

    Möglicherweise studierte H. in Genf, doch für 1625 wird er in Oxford nachgewiesen, später in Cambridge. Die nächsten 2 Jahre verbrachte er in Köln, wo eine erste Übersetzung entstand; unter dem Titel „Nosce teipsum…“ (Basel 1638, 6Frankfurt 1691) fand das religiöse Traktat des Daniel Dykedes Älteren „Mystery of Selfe-Deceiving“ (London 1614) in Deutschland weite Verbreitung. – 1628 oder 1629 begab sich H. wieder nach|England und setzte sein Studium – wohl Theologie und Mathematik – in Oxford fort, verließ aber die Universität 1631 ohne Abschluß. Beinahe 2 Jahre lang widmete sich H. darauf der Sammlung von Geldern zur Unterstützung exilierter pfälzer Pastoren und kehrte 1633 nach Heidelberg in der Hoffnung zurück, sich am Wiederaufbau des Landes beteiligen zu können, ging aber nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen 1634 wieder über die Niederlande, wo er Samuel Hartlib und Weckherlin kennenlernte, nach England. Als freier Gelehrter wirkte H. als Mittler und Korrespondent zwischen dem Mathematiker John Pell, Comenius, der sich ebenfalls in England aufhielt, Marin Mersenne, dem Freund von Descartes, Gronovius und einer Reihe von Gelehrten in Deutschland bis 1641.

    Der englische Bürgerkrieg fand H. auf Seiten des Parlaments, das ihn zweimal auf diplomatische Missionen schickte – er sollte Christian IV. von Dänemark zur Anerkennung des Parlaments bewegen (1643/44) und zusammen mit Pell, während sie als Residenten in der Schweiz waren (1654-58), die protestantischen Kantone zum Eingreifen gegen den Herzog von Savoyen, der seine protestantischen Untertanen mißhandelte, veranlassen.

    Nach seiner dänischen Mission begann H. mit der Arbeit am ersten seiner beiden Hauptwerke: im Auftrage des Parlaments übersetzte er eine kommentierte niederländische Ausgabe der Bibel ins Englische, eine Arbeit, der er sich mit wechselnder Intensität annahm. – 1645 formte sich abermals eine Gruppe von Gelehrten, zu der auch der Physiker Robert Boyle gehörte, mit der H. zusammenkam und für die er seine ausländische Korrespondenz, vor allem mit Mersenne, wieder auffrischte. Daneben erledigte er auch Korrespondenzen und andere literarische Arbeiten für das Parlament. H., religiös und politisch liberal, konnte seine Tätigkeit in der „Gruppe 1645“ nach der Restauration fortsetzen und seit 1661 an der Gründung der daraus entstehenden Royal Society mitwirken, die 1662/63 von König Karl II. privilegiert wurde.

    H.s bedeutendstes literarisches Werk war seine, die erste, Übersetzung von Miltons Paradise Lost (nach der 1. Fassung von 1667; Manuskript Kassel Landesbibliothek). H. übersetzte getreu der Vorlage in fünffüßigen Jamben, aber ohne eigene dichterische Inspiration. Auf das unveröffentlichte Manuskript H.s stützt sich die erste veröffentlichte (1682) Übersetzung Ernst Gottlieb von Berges (1649-nach 1710), später Sekretär des Großen Kurfürsten, die 60 Jahre später im Streit zwischen Gottsched und Bodmer indirekten Einfluß gewann, als Bodmer mit seinen Miltonübersetzungen die Literatur der Empfindsamkeit in Deutschland einleitete und dadurch Milton beherrschenden Einfluß auf die neue Dichtung gewann.|

  • Auszeichnungen

    Fellow of the Royal Society.

  • Werke

    Weitere W Überss.: F. Schloer, Sermon on the Death of the Kings of Sweden and Bohemia, London 1633;
    ders., Nützliche Betrachtung d. wahren Buße, Frankfurt 1643;
    The Dutch Annotations upon the whole Bible, London 1657 (aus dem Niederländ.).

  • Literatur

    ADB X;
    J. Bolte, Die beiden ältesten Verdeutschungen v. Miltons Verlorenem Paradies, in: Zs. f. vgl. Lit.gesch. NF 1, 1887/88, S. 426 ff.;
    G. Waterhouse, The literary relations of England and Germany in the 17th Century, Cambridge 1914;
    D. Stimson, Hartlib, H. and Oldenburg, Intelligencers, in: Isis 31, History of Science Publ., 1940;
    L. Magon, Die drei ersten Versuche e. Übers. v. Miltons „Paradise Lost“, in: Gedenkschr. f. F. Jos. Schneider, 1956, S. 39-82;
    P. R. Barnett, T. H., Den Haag 1962 (W, L, P);
    Dict. of Nat. Biogr.

  • Portraits

    Gem. v. J. Richardson (?) (London, Royal Society);
    unsign. Gem. (Oxford, Bodleian Library).

  • Autor/in

    Hans Wolfram von Hentig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hentig, Hans Wolfram von, "Haak, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 368-369 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117640581.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haak: Theodor H., geb. 1605 in Neuhausen bei Worms, 1690 in London. Er kam 1625 nach England, studirte in Oxford und Cambridge, reiste dann auf den Continent, kehrte 1629 nach England zurück und trat, von regem Eifer für wissenschaftliche und gemeinnützige Bestrebungen erfüllt, mit vielen bedeutenden Männern, wie Pell, Hartlib, Comenius, Selden, vielleicht auch Milton, in Verbindung. Er soll in den vierziger Jahren den ersten Anstoß zu jenen Gelehrtenzusammenkünften gegeben haben, aus denen später die Royal Society erwuchs. Er hat die Hälfte des „Verlorenen Paradieses“ ins Deutsche übersetzt. Dieser erste Versuch einer Uebertragung des Gedichtes in unsere Sprache blieb ungedruckt, aber vielleicht hat ihn E. G. v. B[erge] in seiner Uebersetzung (Zerbst 1682) benutzt. Unter der Republik leistete H. der Regierung als Uebersetzer seine Dienste. Während des Protectorats wurden dem Gesandten Cromwell's bei den evangelischen Cantonen der Schweiz seine Empfehlungen nützlich. Er übersetzte verschiedene theologische Werke aus dem Englischen ins Deutsche, ebenso die holländische Bibelausgabe mit den Noten der Synode von Dordrecht aus dem Holländischen ins Englische ("The Dutch annotations upon the whole bible togetber with their translation according to the direction of the synod of Dort 1618“, London 1657, 2 Vols., fol.) Auch war er Mitglied der Royal Society.

    • Literatur

      Wood, Athenae et fasti Oxonienses. Boyle's Works ed. Birch. Vaughan, The protectorate of O. Cromwell. Birch, History of the Royal Society, 1756.

  • Autor/in

    Alfred , Stern.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stern, Alfred, "Haak, Theodor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 257 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117640581.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA