Lebensdaten
um 1600 bis 1662
Geburtsort
Elbing
Sterbeort
Oxford oder London
Beruf/Funktion
Philanthrop ; pietistischer Schriftsteller
Konfession
evangelisch,pietistisch
Normdaten
GND: 119261863 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hartlib, Samuel
  • Hartlib, Samuell
  • Hartlieb, Samuel

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Zitierweise

Hartlib, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261863.html [24.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg, Kaufmann u. Bankier in Danzig u. E., der, um der Verfolgung durch die Jesuiten zu entgehen, von Wilna (?) nach Danzig übergesiedelt war;
    M Elisabeth, T d. John Langthon, Vorsteher d. engl. Kaufmannschaft in E.

  • Leben

    H. studierte in Königsberg und trat dann in das väterliche Geschäft ein. Um 1628 kam er nach London. Seit dieser Zeit läßt er sich genauer fassen. Durch die mütterliche Verwandtschaft gelang es ihm leicht, zahlreiche persönliche Beziehungen anzuknüpfen. Er muß darin ein Meister gewesen sein. Die Rollen des Gesprächspartners, Korrespondenten, Pläneschmiedes und Organisators waren ihm auf den Leib geschnitten. Er stand in Verbindung vor allem mit Thomas Hobbes, John Evelyn, Samuel Pepys, Sir Robert Boyle, Christopher Wren, Pierre Gassendi und wechselte Briefe mit John Winthrop, dem großen Gouverneur von Massachusetts. Seine nächsten Freunde waren John Worthington, Johann Duräus (John Durie), John Milton, der ihm seinen Traktat „On Education“ widmete (1644), und Johann Amos Comenius, dem er den Weg auf die britische Insel bereitete.

    Geistig gehörte H. in den unübersehbaren Kreis der mystisch-spiritualistischen Weltverbesserer des 17. Jahrhunderts hinein, die in der durch Andreä begründeten Bruderschaft der Rosenkreutzer besonders zusammengeschlossen und über Mitteleuropa verbreitet waren. Erstrebt war das Ziel einer neuen Bildung als „Weisheit des widergeborenen neuen Menschen“ (Pansophie). Daraus erwuchsen die „Akademien der Wissenschaften“. Folgerichtig fand H., der die Cromwell-Pymsche Große Revolution als Aufbruch der neuen Menschheit begrüßte, in den Anfängen der (naturwissenschaftlichen) Royal Society, die in Oxford spielten, seinen eigentlichen geschichtlichen Platz, obwohl ihm, dem ehemaligen Sekretär Cromwells und Pensionsempfänger des revolutionären Parlaments, die neuen Herren der stuartischen Restauration die offizielle Gunst entziehen mußten. Nach 1660 lebte er offenbar sehr ärmlich in Oxford.

    Seine literarische Produktion besteht bezeichnenderweise überwiegend aus Kleinschrifttum. Sie bewegte sich zwischen biblisch-zeitgeschichtlicher Apokalyptik, kirchenpolitischen Reformvorschlägen und technologischen und landwirtschaftlichen Anweisungen für die Praxis, weil die erhoffte „neue Weisheit“ im Gegensatz zu theoretischer Anhäufung von Kenntnissen und scholastisch-metaphysischen Deduktionen und Distinktionen praktisch, erbaulich und erzieherisch sein und in wahrer Gottesfurcht und Gehorsam gegen Gott betrieben werden sollte. – H.s geschichtliche Bedeutung läßt sich dahin bestimmen, daß er den mystischen Spiritualismus des deutschen Sprachbereichs nach England verpflanzte, wofür im Lande Vorläufer wie die Schüler des Paracelsus, vor allem Robert Fludd, tätig gewesen waren.

  • Werke

    W (alle in London ersch.) Reverendi et Clarissimi Viri Johannis Arnos Comenii Parsophiae Prodromus, 1639;
    A Briefe Relation of that which hath been lately attempted to procure Ecclesiastical Peace among Protestants, 1641;
    A Description of the famous Kingdom of Macaria, 1641 (christl. Utopie);
    The Necessitie of some nearer Conjunction amongst Evangelical Protestants, 1644;
    Considerations tending to the happy Accomplishment of England's Reformation in Church and State, Humbly presented to the piety and wisdome of the high and honourable court of parliament, 1647 (?);
    London's Charity enlarged, stilling the Orphan's Cry, 1650;
    Clavis Apocalyptica or A Prophetical Key by which the great Mysteries in the Revelation of St. John and the Prophet Daniel are opened, 1651;
    An Invention of Engines of Motion lately brought to Perfection, 1651;
    The Reformed Hus band-Man, or a brief Treatise of the Errors, Defects and Inconveniences of our Engl. Husbandry in Ploughing and Sowing for Corn, 1651;
    An Essay for Advancement of Husbandry Learning, or Propositions for the erecting a Colledge of Husbandry, 1651;
    The Reformend Spirituall Husband-Man, 1652;
    A Rare and New Discovery of a speedy Way and easie Mean found out by a young Lady in England for the Feeding of Silk-Wormes in the Woods, on the Mulberry-tree Leaves in Virginia, 1652;
    The Compleat Husband-man or a Discourse of the whole Art of Husbandry, both Forraigne and Domestick, 2. T., 1659. - Hrsg.: Conatum Comenianorum Praeludia, Oxford 1637. -Mss. London, Brit. Mus.;
    - Briefe in: Diary and Correspondence of John Worthington, ed. by J. Crossley and R. C. Christie, 1847-66 (hrsg. v. d. Chatham Society), u. in: R. Ch. Winthrop, Correspondence of H., Haak, Oldenburg and others of the founders of the Royal Society with Governor Winthrop of Connecticut 1661–72, mit Einl. u. Anm. v. R. Ch. Winthrop, Boston (Mass.) 1878.

  • Literatur

    ADB X;
    M. Pattison, Tendencies of Religious Thought in England 1688-1750, in: Essays and Reviews 1860, 21865, hrsg. v. J. Parker (einflußreiches Sammelwerk versch. Autoren: F. Temple, R. Williams, B. Powell, H. B. Wilson, C. W. Goodwin, B. Jowett, M. Pattison);
    H. Dircks, Biographical Memoir of S. H., London 1865;
    F. Althaus, S. H., ein dt.-engl. Charakterbild, = Hist. Taschenbuch 1884;
    J. Wlodek, Dwa szkice z historji stosunków, polsko-angielskich w dziedzinie agronomji: 1. Wiadomosc o S. H., Krakau 1921;
    W. E. Peuckert, Die Rosenkreutzer, 1928;
    D. Stimson, H., Haak and Oldenburg, Intelligencers, in: Isis 31, 1940;
    G. H. Turnbull, H., Dury and Comenius, London 1947;
    ders., S. H.s Influence on the Early Hist. of the Royal Society, London 1953 (Notes and Records of the Royal Society of London 10, no. 2);
    DNB IX, S. 72. f.

  • Autor/in

    Martin Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Martin, "Hartlib, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 721 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261863.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hartlib: Samuel H., war der Sohn eines angesehenen Kaufmanns, der von Danzig nach Elbing übersiedelte, begab sich etwa 1628 nach England, woselbst seine Familie zahlreiche Verbindungen hatte und arbeitete fortan hier mit einer uneigennützigen Begeisterung für die verschiedensten praktischen und idealen Bestrebungen. Ohne in irgend einem Fach schöpferisch zu sein, und oft in abergläubischen Vorstellungen befangen, wußte er nach allen Seiten hin anregend zu wirken und führte über ganz Europa einen gelehrten Briefwechsel. Hobbes, Boyle, Wren, Ray, Pell, Gronov, Oldenburg, Hevel, Gassendi gehörten zu dem weiten Kreise seiner Bekannten. Mit dem Schotten John Durie verband ihn der Gedanke einer Union aller Reformirten. Des Comenius Reformideen suchte er in England zu verbreiten und dem großen Pädagogen selbst 1641 hier einen|Wirkungskreis zu verschaffen. Milton widmete ihm, als seinem Freunde, 1644 sein Büchlein „Ueber die Erziehung“. In der Vorgeschichte der Royal society spielt er eine wichtige Rolle. Von Sympathien für die Sache der englischen Revolution erfüllt, vom Parlament finanziell unterstützt, wurde er auch vom Protector Cromwell zur Führung und zum Empfang politischer Correspondenzen benutzt und erscheint bei dessen Leichenbegängniß sogar unter dem Titel eines „Secretärs“. Er selbst blieb auch nach dem Sturze der Republik, obwol von Kränklichkeit geplagt und in Geldverlegenheiten, unermüdlich. Seine zahlreichen Schriften behandeln Gegenstände verschiedener Art: Fragen der Erziehung, des Ackerbaus, des Handels etc. Nachdem er noch den Schmerz gehabt hatte, einen Theil seiner Bücher und Manuscripte durch einen Brand zu verlieren, starb er bald nach dem 9. April 1662.

    • Literatur

      Hartlib's Drucke und Manuscripte im Brit. Museum. Correspondenz zw. Hartlib und Comenius im Böhmischen Museum zu Prag (benutzt von Gindely, Sitzungsber. der Wiener Ak. phil.-hist. Kl. XV. 482—552 und von Stern, Milton und seine Zeit). Corresp. mit Boyle in Boyle's W. ed. Birch, mit Pell in Vaughan, Protectorate of O. Cromwell, 1839, mit Worthington in W. Diary and Correspondence ed. Crossley (Chetham-Society 1847, 1855). Eine ausführliche Biographie Hartlib's von Croßley ist daselbst zu erwarten. Bis dahin s. Dircks, A biographical memoir of S. H., London, J. Russell Smith 1865. Vgl. Althaus, Histor. Taschenbuch 1884.

  • Autor/in

    Alfred Stern.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stern, Alfred, "Hartlib, Samuel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 672-673 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261863.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA