Lebensdaten
1859 bis 1945
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maya-Forscher ; Richter
Konfession
-
Normdaten
GND: 117620777 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schellhas, Paul

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Zitierweise

Schellhas, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117620777.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius, Kaufm.;
    M N. N.

  • Leben

    Nach einem Studium der Rechtswissenschaften und Kameralistik in Berlin und der Promotion zum Dr. iur. in Jena 1884 war S. als Rechtsanwalt tätig und wurde um 1900 als Richter am Amtsgericht Charlottenburg in den Staatsdienst übernommen (Pensionierung als Landgerichtsrat). Neben seiner beruflichen Tätigkeit studierte S. exotische Sprachen und Schriften, zunächst die altägypt. Hieroglyphenschrift, bis er die in Dresden aufbewahrte Maya-Bilderhandschrift, eines von damals drei (heute: vier) erhaltenen voreurop. Büchern der Maya kennenlernte. Seither bemühte er sich, freundschaftlich von dem Dresdener Bibliothekar und international führenden Maya-Forscher Ernst Förstemann (1822–1906) gefördert, um die Entzifferung der Maya-Hieroglyphen. Zwischen 1892 und 1904 gelang S. die Identifizierung von etwa 30 Maya-Göttern. Wegen beruflicher Belastungen später nicht mehr selbst forschend, veröffentlichte er nach seiner Pensionierung weitere Maya-Studien, in denen er den internationalen Forschungsstand resümierte.

    S.s Identifizierung der Maya-Götter und ihrer Namenshieroglyphen bilden seinen bleibenden Beitrag zu Maya-Forschung, den auch seine mittlerweile als irrig erwiesene Ansicht, die Maya-Schrift sei ideographisch, also nicht sprach-abbildend, nicht schmälert. Für andere Forschungsfelder, in denen S. wegen der damals unzulänglichen Dokumentation nicht selbst arbeiten konnte, skizzierte er vorausschauend Aufgaben. Er mahnte v. a. die Einbeziehung von Texten auf Grabkeramik an und wies auf die Möglichkeit hin, Bildbeischriften auf Steinmonumenten als Eigennamen der abgebildeten Personen zu deuten. Diese Forschungsprogramme wurden seit 1959 von Heinrich Berlin (1915–88) in Mexiko und Tatiana Proskouriakoff (1909–85) verwirklicht und später von Michael D. Coe aufgegriffen. Sie stellen gegenwärtig die produktivsten Forschungsfelder der Maya-Forschung dar.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Anthropol. Soc. of Washington D.C.

  • Werke

    Die Göttergestalten d. Mayahss., zuerst in: Zs. f. Ethnol., 24, 1892, S. 101-21, überarb. als selbst. Veröff. 1897 u. 1904 (auch engl.);
    Ideale u. Idealismus im Recht, 1886, 21898, ital. Übers. 1903, serb. 1905;
    Die gerichtl. Aktenkunde, 1900;
    Die Konkurssachen in d. gerichtl. Praxis, 1902;
    Die Stele 12 v. Piedras Negras, in: Zs. f. Ethnol. 66, 1934, S. 416-22;
    Fünfzig Jahre Mayaforsch., ebd. 69,|1937, S. 365-89 (auch engl. 1936);
    Die Entzifferung d. Mayahieroglyphen e. unlösbares Problem?, in: Ethnos, 1945, H. 1, S. 44-53.

  • Literatur

    F. Termer, P. S. z. 80. Geb.tag, in: FF 15, Nr. 32/33, 1939, S. 406 f.;
    ders., in: Ethnos, 1946, H. 11, S. 182-86;
    B. Riese, Indian. Hss. u. Berliner Forscher, 1988, S. 23 f.;
    ders., in: Internat. Dict. of Anthropologists, hg. v. Ch. Winters, 1991;
    Eigene Studien:
    Univ.archiv Jena;
    Sächs. Landesbibl. Dresden (Korr. mit Förstemann);
    Mus. f. Völkerkunde Hamburg (Korr. mit Tesmer).

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Empfohlene Zitierweise

    Riese, Berthold, "Schellhas, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 651-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117620777.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA