• Genealogie

    V Hermann (um 1810–94), Landarbeiter;
    M Julia Cohn;
    Wien 1914 Emilie (1883–1946), T d. Gutsbes. Philipp Wertheimer in Ranshofen b. Braunau;
    2 S.

  • Leben

    Nach Medizinstudium in Wien 1892-98 widmete sich J. zuerst der inneren Medizin (Assistent am Wiedener Krankenhaus 1903–09) und beschrieb u. a. die Pigmentation der Augenlider bei der Basedowschen Krankheit. Doch die Themen seiner ersten Publikationen „Beobachtungen an Elektrizitätsarbeitern“ (1901) und „Blitzschlag und elektrische Hochspannung“ (1902) blieben sein Hauptinteresse. Unter dem Einfluß seines Lehrers und Freundes J. Arsène d'Arsonval, der einen der ersten Berichte „Sur la mort par l'electricité dans l'industrie“ 1887 veröffentlicht hatte, widmete sich J. dem systematischen Studium der Unfallsituation, der Klinik und der Histopathologie des elektrischen Traumas. Seine Untersuchungen der Ursachen von Elektrounfällen trugen in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg wesentlich zur Einführung von Sicherheitsmaßnahmen und Schutzvorschriften und damit zur Unfallverminderung beim Umgang mit technischer Elektrizität bei. Hierbei scheute sich J. auch nicht vor Selbstversuchen, aus denen er ableiten konnte, daß die Letalität des elektrischen Schocks durch bestimmte somatische Faktoren, insbesondere durch den Körper- und Hautwiderstand verringert wird. Die klinische Behandlung der elektrischen Verletzungen, die J. gemeinsam mit dem Dermatologen Gustav Riehl und dem Chirurgen Anton v. Eiselsberg am Wiener Allgemeinen Krankenhaus praktizierte, beruhte auf einer weitgehend konservativen Therapie der verschiedenen Krankheitsbilder und der Trennung der elektrischen „Strommarke“ von vulgären Verbrennungen. – Das histologische Studium der Unfallopfer, vorerst mit dem Pathologen Alexander Kolisko im Institut für gerichtliche Medizin, erbrachte die Beschreibung der Gewebsveränderungen in|verschiedenen Organen, die er einerseits zum Teil für spezifisch elektrisch hielt und die andererseits zu beweisen schienen, daß der Tod durch Blitz und Elektrizität nicht immer unmittelbar erfolgte. Auf Grund dessen wurde J. Protagonist der Idee des elektrischen Scheintodes und einer der ersten Kämpfer für Wiederbelebungsversuche bei allen Fällen plötzlichen Todes. Er erfand eine neue Methode der künstlichen Beatmung. Die Spurenkunde der Elektrizität dominierte in J.s späteren Lebensjahren. Auf J. geht die Einrichtung des „Elektropathologischen Museums“ in Wien zurück (blitzgetroffene Bäume, Werkzeuge, Tiere und Präparate aus der Humanpathologie). Beobachtungen an den Tausenden von ihm gesammelten Objekten sowie Ergebnisse experimenteller Arbeiten wurden im Sinne von Faraday's Kraftlinien gedeutet, insofern morphologische Veränderungen zu erklären waren. – 1929 erhielt er die neugeschaffene Lehrkanzel für Elektropathologie an der Wiener Universität und an der Technischen Hochschule. 1939 wanderte er aus rassischen Gründen nach England aus und arbeitete am Queen's College in Oxford. Nach Kriegsende kehrte er zeitweilig als Gastprofessor nach Wien zurück. Im 97. Lebensjahr publizierte J. über die Effekte von Röntgenstrahlen auf elastische Gewebe.

  • Werke

    Weitere W u. a. Elektropathol., 1903;
    Der elektr. Unfall, 1925, 31931 (franz., russ., span. u. tschech. Überss.);
    Elektroschutz in Bildern, 1931;
    Klinik u. Histopathol. d. elektr. Verletzungen, 1932;
    Dying, Apparent-Death and Resuscitation, 1947;
    Atlas z. Spurenkunde d. Elektrizität, 1955.

  • Literatur

    Österr. Ärzteztg., 1968 (P);
    Lancet, 1968;
    Pogg. VII a.

  • Portraits

    Büste v. A. Canciani u. Phot. (Wien, Elektropathol. Mus.).

  • Autor/in

    Ernst Jellinek
  • Empfohlene Zitierweise

    Jellinek, Ernst, "Jellinek, Stefan" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 396-397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117614904.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA