Lebensdaten
1777 bis 1836
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117596841 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rothschild, Nathan Mayer (bis 1822)
  • Rothschild, Nathan Meyer (bis 1822)
  • Rothschild, Nathan Freiherr von
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Zitierweise

Rothschild, Nathan Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117596841.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Mayer Amschel (s. 1);
    M Gutle Schnapper;
    B Amschel Mayer (s. 2), Salomon Mayer (s. 3), Carl Mayer (s. 5), James (Jakob) Mayer (s. 6);
    London 1806 Hannah (1783–1850), T d. Levi Barent|Cohen (1747–1808), Handelsbankier in L., u. d. Lydia Diamantenschleifer;
    4 S Lionel Nathan (1808–79, engl. Adel 1838, ⚭ Charlotte Rothschild, 1818–84, T d. Carl R., 1792-1855, s. 5), Anthony Nathan (1810–76, engl. Baronet 1847), k. k. Gen.-konsul in L., Nathaniel (1812–70), Mayer Amschel (1818–74), 3 T Charlotte (1807–59), Hannah Mayer (1815–64, ⚭ Henry Fitzroy, 1807–59), Louise (1820–94);
    E Nathaniel Mayer (1840–1915, Lord 1885), Bankier, lib. Abg. d. brit. Parl., 1st Lord Rothschild of Trig (Hertfordshire) (s. DNB; Dict. of Business History).

  • Leben

    R., der eine traditionelle jüd. Erziehung genoß, begann spätestens mit 12 Jahren, im Geschäft des Vaters mitzuhelfen. Um den Zwischenhandel bei den Textilimporten zu umgehen, schickte ihn der Vater 1798 nach England. Nach einem mehrmonatigen Praktikum bei dem Handelsbankier Levi Barent Cohen, einem Londoner Geschäftspartner des Vaters und R.s späterem Schwiegervater, übersiedelte er nach Manchester, dem Zentrum der engl. Textilindustrie. Er begründete dort ein Handelsgeschäft, um in enger Zusammenarbeit mit seinem Vater und seinen Brüdern Tuche auf den Kontinent zu exportieren. 1804 erhielt er in England ein eingeschränktes Bürgerrecht. Mit seiner Heirat 1806 erschloß er sich verwandtschaftliche Beziehungen zu den führenden jüd. Familien Londons. Als Napoleons Kontinentalsperre sein Exportgeschäft immer stärker einschränkte, baute er das seit 1805 in London betriebene Bankgeschäft aus und zog 1808 nach London. In der St. Swithin's Lane bezog er 1810 das heute dort noch bestehende Bankhaus „N M Rothschild & Sons“. Eine wichtige Rolle für die Etablierung als Bankier spielte in dieser Zeit die Verwaltung des in England angelegten Vermögens des Kf. Wilhelm von Hessen-Kassel, der, von Napoleon 1806 ins Exil getrieben, nur mit Hilfe der Rothschilds die Kontrolle über sein gewaltiges Privatvermögen behalten konnte.

    Seit 1810 organisierte R. mit seinen Brüdern als Partner auf dem Kontinent den Goldschmuggel zwischen England und dem franz. Machtbereich. 1814 erhielt er von John Charles Herries, dem späteren Schatzkanzler, den Auftrag, Wellingtons Armee mit Geldmitteln zu versorgen. Nach dem erfolgreichen Abschluß dieser Operation übernahmen die Brüder auch den Transfer der engl. Subsidien zu den Verbündeten auf dem Kontinent. Nach dem Tod des Vaters 1812 hatte zwar der älteste Bruder Amschel das Frankfurter Stammhaus übernommen, die eigentliche Führung des Familienunternehmens lag aber in der Hand R.s. Gegen starke Konkurrenz errang er 1815-26 am Londoner Kapitalmarkt eine beherrschende Stellung, stand in enger Verbindung mit der engl. Regierung und belieferte seit 1824 die Bank von England direkt mit Gold.

    Innerhalb der jüd. Gemeinde Londons bekleidete R. wichtige Ehrenämter und unterstützte zahlreiche karitative, soziale und kulturelle Projekte. Für die vollständige rechtliche Gleichstellung der Juden in England setzte er sich mit großem Engagement ein. Er starb überraschend 1836 in Frankfurt, nachdem bei einer großen Familienzusammenkunft der Partnerschaftsvertrag mit den Brüdern erneuert worden war und sein Sohn Lionel die Tochter seines Bruders geheiratet hatte. R. wurde von seinen Zeitgenossen als „Bonaparte der Finanzwelt“ charakterisiert; er war der bedeutendste Bankier in der ersten Hälfte des 19. Jh. und einer der reichsten Männer Englands. Zusammen mit seinen Brüdern begründete er die Weltgeltung der Rothschild-Bank.|

  • Auszeichnungen

    österr. Konsul am engl. Hof (1820).

  • Literatur

    Lord R., The shadow of a great Man, 1982;
    Die Rothschilds, Eine europ. Fam., hg. v. G. Heuberger, 1994, bes. S. 56-62 (P);
    St. ü. Chapman, Die Etablierung d. Rothschilds im engl. Bankgewerbe, ebd., S. 71-87;
    S. Mace, Vom Frankfurter Juden zu Lord R., ebd., S. 185-200;
    The life and times of N M Rothschild 1777-1836, hg. v. V. Gray u. M. Aspev, 1998 (P);
    Oxford DNB.

  • Portraits

    Kupf. v. R. Uighton, 1817;
    Ölgem. v. W. Armfield Hobday, 1821, L. A. Grosclaude, um 1828, u. M. D. Oppenheim, 1836;
    Aquarelle v. R. Dighton, 1826, u. A. Edouart, 1828;
    handkolorierter Druck v. Th. Jones, 1829 (alle N M Rothschild & Sons, London);
    Lith. v. J. Knight, 1836 (Jewish Mus., London).

  • Autor/in

    Fritz Backhaus
  • Empfohlene Zitierweise

    Backhaus, Fritz, "Rothschild, Nathan Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 133-134 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117596841.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA