Lebensdaten
1874 bis 1949
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Gynäkologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117571318 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Labhardt, Alfred

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Labhardt, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117571318.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Jakob (1847–1919), Kaufm., Inh. e. Glasfabrik, S d. Joh. Caspar u. d. Elisabeth Sophia Labhardt;
    M Eugenie (1852–76), T d. Kaufm. Friedrich Gustav v. Stetten in Mülhauson (Elsaß) u. d. Eugenia Heilmann;
    Basel 1908 Elisabeth Eugenia (1886–1946), T d. Weinhändlers Martin Alfred Hofer in B. u. d. Elisabeth Walter;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach der z. T. in Mülhausen (Elsaß) beim Großvater mütterlicherseits verbrachten Jugend besuchte L. das humanistische Gymnasium in Basel, studierte daselbst und in Tübingen Medizin, mit besonderem Interesse für die Chirurgie und für soziale Fragen. Er war Assistenzarzt im Kantonsspital Aarau bei H. Bircher, in der Chirurgischen Klinik Königsberg bei C. Garrè und seit 1902 am Frauenspital Basel bei O. v. Herff, von 1904 an in der Stellung des Oberarztes. 1906 habilitierte sich L., eröffnete bald eine Konsultativpraxis und 1912 eine Privatpraxis mit Operationsmöglichkeit. 1916 wurde L. zum Ordinarius und Direktor der Frauenklinik ernannt. Um deren bauliche Erweiterung hat er sich durch die Angliederung eines Verwaltungstrakts, eines Isolierpavillons und einer eigenen gynäkologischen Abteilung (1930) große Verdienste erworben. 1934 war L. Rektor der Universität.

    L.s Bedeutung als Vertreter der praktischen Frauenheilkunde liegt in der definitiven Etablierung einer optimalen Aseptik in Gynäkologie und Geburtshilfe, die er den Studenten in geschickter Didaktik zu demonstrieren wußte. Damit ging einher L.s Bestreben, anstelle der Geburt im Privathaus die klinische Entbindung zu propagieren. Diese Empfehlung geht Hand in Hand mit der Erweiterung der Indikation für die Sectio caesarea, die schon 1935 in der Basler Klinik 2,19 % ausmachte. Unter den von L. eingeführten gynäkologischen Operationen sind eine schonende Art der Tubensterilisation und eine bestimmte Methode der Prolaps-Operation bei alten Frauen (Colpoperineocleisis subtotalis, die nach ihm benannt ist) hervorzuheben. Als Wissenschaftler widmete sich L. vor allem der biologisch-klinischen Grundlagenforschung, wo immer mehr die Endokrinologie vor allem des Ovars in den Vordergrund trat. In öffentlichen Auseinandersetzungen zur Schwangerschaftsunterbrechung wandte sich L. mit Nachdruck gegen eine soziale Indikation. Er versicherte sich dabei auch der Mithilfe der Juristen. Diese Aktivitäten waren im Hinblick auf das 1942 in Kraft tretende gesamtschweizer. Strafgesetzbuch von größter Bedeutung. Auch für das heute als „Familienplanung“ bezeichnete Gebiet kam L. die Rolle eines Pioniers zu. Außerhalb der eigentlichen Medizin engagierte sich L. stark in Fragen der Rechtsmedizin, der Gesamt-Universität (Neubau des Kollegienhauses 1939, u. a.) und in historisch-biographischen Studien.

  • Werke

    Ueber traumat. Tuberculosen in d. Chirurgie, Diss. Basel 1899;
    Zur Frage d. Dauerheilung d. Krebses, in: Bruns' Btrr. klin. Chirurgie 33, 1902;
    Das Verhalten d. Nerven in d. Substanz d. Uterus, in: Archiv f. Gynäkol. 80, 1906;
    Der Kampf gegen d. Krebs, in: Basler Nachrr. Nr. 318-22, 1906;
    Eine einfache Methode d. Tubensterilisation, in: Zbl. f. Gynäkol. 35, 1911;
    Die geburtshilfl.-gynäkolog. Klinik in Basel in d. 50 ersten J. ihres Bestehens (1868–1918), in: Corr.bl. f. Schweizer Aerzte 48, 1918;
    Straflose Abtreibung im Kt. Basel-Stadt?, in: Zs. f. Sexualwiss. 6, 1919;
    Die Erkrankungen d. Scheide, in: Hdb. d. Biol. u. Pathol. d. Weibes III, 1924;
    Die Stellungnahme des Arztes z. Frage d. Konzeptions-Verhütung, in: Schweizer med. Wschr. 54, 1924;
    Die Berechnung d. Konzeptionstermines aus d. Kindeslänge in Vaterschaftsprozessen, ebd. 74, 1944;
    Die Abtreibungsfrage, in: Schweizer. Zs. f. Gemeinnützigkeit 65, 1926;
    Geburtenrückgang, Geburtenregelung, Vortrag vor d. Frauenzentrale beider Basel, 1930;
    Die natürl. Rolle d. Frau im Menschheitsproblem u. ihre Beeinflußung durch die Kultur, Rektoratsrede 1934, 1935;
    Die Univ. Basel, 1937;
    Die Erkrankungen d. äußeren Geschlechtsorgane, in: Biol. u. Pathol. d. Weibes IV, 21944. -
    Hrsg. (mit G. Rossier, H. Guggisberg u. P. Jung): Schweizer. Hebammenlehrb., 1920.

  • Literatur

    H. Buess, in: 1868-1968, 100 J. Geburtshilfe u. Gynäkol. in Basel, 1970, S. 216-64 (P);
    F. Rintelen, Gesch. d. Med. Fak. in Basel 1900–45, 1980, S. 220-29.

  • Autor/in

    Heinrich Buess
  • Empfohlene Zitierweise

    Buess, Heinrich, "Labhardt, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 364 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117571318.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA