Lebensdaten
1846 bis 1926
Geburtsort
Pankow bei Berlin
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 117569135 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Richard

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Zitierweise

Meyer, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117569135.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacques (1816–92), Kattunfabr. in Berlin;
    M Bertha geb. Meyer (1822–95);
    B Victor (s. 2);
    Schw Clara ( Johannes Pfuhl, 1846–1914, Bildhauer, s. ThB);
    Berlin 1871 Johanna (* um 1851-n. 1926), T d. Aaron Bernstein (1812–84), Publizist (s. NDB II), u. d. Karoline N. N.;
    1 S, 1 T, u. a. Erich (* 1874), Prof. d. Med. an d. Univ. Straßburg, Dir. d. med. Klinik in Göttingen (s, Fischer; Kürschner, Gel.-Kal. 1926).

  • Leben

    M. begann 1864 in Berlin das Chemiestudium, wo er die Vorlesungen von H. Rose, G. Magnus und F. L. Sonnenschein besuchte und im privaten Laboratorium des letzteren ersten Experimentalunterricht erhielt, ging im Sommer 1865 zu R. Bunsen nach Heidelberg und besuchte gemeinsam mit seinem Bruder Victor, der ihm ein Semester später nach Heidelberg gefolgt war, die Vorlesungen von G. Kirchhoff, H. Kopp und H. Helmholtz. Danach studierte M. wieder in Berlin und dann bei F. Wöhler in Göttingen, wo er mit einer von H. Hübner angeregten Dissertation über das Indium 1868 promoviert wurde. Nach dem Militärdienst trat M. zum Erlernen der praktischen Färberei für einige Zeit in eine Kattundruckerei im elsäss. Mühlhausen ein, um mit entsprechenden Kenntnissen später die väterliche Kattuniarberei und -druckerei übernehmen zu können. Der Aufenthalt im Elsaß wurde durch den Beginn des deutsch-franz. Krieges beendet, an dem der nicht voll diensttaugliche M. im Lazarett-, Wach- und Ausbildungsdienst teilnahm. 1871 nahm er die Arbeit in der väterlichen Fabrik auf, die 1873 wegen der schlechten Wirtschaftslage in diesem Bereich den Betrieb einstellte. Ein Versuch, sich mit einer eigenen chemischen Fabrik selbständig zu machen, schlug fehl. Deshalb entschloß er sich, die Hochschullaufbahn einzuschlagen und sich bei dem der Familie gut bekannten A. v. Baeyer in München zu habilitieren. Bevor es dazu kam, griff er ein Angebot seines Bruders Victor auf, zog 1876 nach Chur und übernahm die Lehrerstelle für Physik und Chemie an der Bündner Kantonschule – eine Art höherer Realschule. In Chur konnte M. auch wissenschaftlich arbeiten, gelegentlich führten junge Chemiker bei ihm die Doktorarbeit aus, mit der sie dann in Zürich promoviert wurden. Im wesentlichen bis dahin Anorganiker, arbeitete er sich nun intensiv in die organische Chemie ein. In diesem Zusammenhang entstanden seine Beiträge zum Handbuch der chemischen Technologie von P. A. Bolley und zum Lehrbuch der organischen Chemie von E. Erlenmeyer. Zu den Aufgaben M.s in Chur gehörten auch die Untersuchung von Mineralwässern und die Erstellung von Gutachten für Behörden und Privatpersonen. Diese Tätigkeit nahm einen immer größeren Umfang an, als in den 80er Jahren der Kanton die amtliche Lebensmittelkontrolle einführte. Auf Kosten seiner wissenschaftlichen Arbeit hätte M. sich weitgehend der Nahrungsmittelchemie zuwenden müssen. Dies und der Weggang seines Bruders von Zürich nach Göttingen veranlaßten ihn, eine seinen Neigungen besser entsprechende Stelle zu suchen. Nach kurzer Tätigkeit bei den Höchster Farbwerken habilitierte er sich 1886 bei Baeyer in München. 1887 nahm er die Professur für chemische Technologie an der Staatsgewerbeschule in Reichenberg (Böhmen) an. 1889 erfolgte seine Berufung an die TH Braunschweig als Nachfolger des Technologen Friedrich Knapp. Laboratorium und Bibliothek mußten für seine Bedürfnisse umgestaltet und modernisiert werden. Die wissenschaftliche Arbeit stagnierte dennoch in den ersten Jahren seiner Tätigkeit, da wegen des noch fehlenden Promotionsrechts der Technischen Hochschulen nur wenige Mitarbeiter zu ihm kamen. Erst nach 1900 entwickelte sich ein reges Laboratoriumsleben. 1899 übernahm M. nach dem|Rücktritt Robert Ottos die Professur für Chemie, von der chemischen Technologie behielt er die Technologie der Farbstoffe und Fasern. 1918 trat er in den Ruhestand, hielt aber noch Vorlesungen über die Geschichte der Chemie sowie populärwissenschaftliche Vorträge über Chemie. Im Braunschweiger Verein für Naturwissenschaften, dessen Vorsitzender M. mehrmals war, setzte er sich für die Popularisierung der Naturwissenschaften ein.

    M.s Untersuchungen betrafen anfangs nähere Abkömmlinge des Benzols. Seine Dienststellung in Chur veranlaßte ihn zudem zu mehreren analytischen Arbeiten. Danach befaßte er sich viele Jahre mit der Konstitution der Phthaleine, der Fluorescein-Gruppe und weitete seine Untersuchungen aus auf das Problem, welche Konstitutionsmerkmale mit dem Fluoreszenzvermögen verknüpft sind. Gemeinsam mit dem Physiker Johannes Stark erkannte er die Bedeutung der UV-Absorption für die Fluoreszenz. Von seinen späteren Arbeiten sind die über pyrogene Acetylen-Kondensationen zu erwähnen, in denen die bei der Einwirkung von Wasserstoff auf Acetylen bei hohen Temperaturen entstehenden Ringverbindungen untersucht werden. Eine Reihe von Arbeiten behandelt spezielle, nicht miteinander in Verbindung stehende Themen. M. war ein sehr guter und begeisterter Lehrer, der es verstand, seinen Hörern auch schwierige Sachverhalte gut verständlich zu machen. Besondere Verdienste hat er sich als Herausgeber des Jahrbuchs für Chemie (1891–1918) um die Vermittlung der neuesten chemischen Erkenntnisse erworben.|

  • Auszeichnungen

    GHR; Mitgl. d. Leopoldina.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über Bestrebungen u. Ziele d. wiss. Chemie, 1880;
    Einl. in d. Studium d. aromat. Verbindungen, 1882;
    Die Industrie d. Theerfarbstoffe, 1881;
    Die künstl. erzeugten organ. Farbstoffe, Chem. Verarbeitung d. Pflanzen- u. Thierfaser, Die neuere Entwicklung d. Theerfarbenindustrie, in: P. A. Bolleys Hdb. d. chem. Technol., 61880-97;
    Das Färben u. Bedrucken d. Gewebe, 1891;
    Über Ziele u. Aufgaben d. Elektrochemie, 1895;
    Die chem. Synthese, Ihre Bedeutung f. d. Wissenschaft u. d. Leben, 1896;
    Probleme d. organ. Chemie, 1901;
    Victor Meyer, Leben u. Wirken e. dt. Chemikers u. Naturforschers, 1917;
    Vorlesungen üb. d. Gesch. d. Chemie, 1922;
    Chemie in Natur u. Kultur, Volkstüml. Vorträge, 1925. – Bearb.: Michael Faraday, Naturgesch. e. Kerze, 21884. – Hrsg.: Jb. d. Chemie, 1891-1918.

  • Literatur

    Berr. d. Dt. Chem. Ges. 59 A, 1926, S. 118;
    ebd. 60 A, 1927, S. 38;
    H. Freundlich, ebd. S. 65-70 (P);
    O. Spengler, R. M. z. 80. Geb.tage, in: Zs. f. angew. Chemie 39, 1926, S. 841 f.;
    ders., ebd. 40, 1927, S. 421 f. (P);
    Pogg. III-VI.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Meyer, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 312-313 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117569135.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA