Lebensdaten
1885 bis vermutlich 1944
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Auschwitz
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117542563 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mayer, August Liebmann
  • Liebmann-Mayer, August
  • Mayer, A. L.
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Zitierweise

Mayer, August Liebmann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117542563.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingesessener Fam. in Griesheim b. Darmstadt;
    V Jonas (1842–1927), Bürstenfabr., S d. Baruch (1814–94), Kaufm., Eisenhändler in Griesheim, 1852 Bürger in D., u. d. Amalie Marx (1820–1902) aus Nauheim;
    M Bertha (1847–1930), T d. Abraham Liebmann, Kaufm. in Oppenheim, u. d. Babette Marx;
    wohl nach 1909 N. N.;
    1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Neuen Gymnasium in Darmstadt 1904 studierte M. Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie 1904-05 in München und 1905-07 in Berlin, wo er bei Heinrich Wölfflin mit einer Arbeit über den span. Maler Jusepe de Ribera (1908, 21923) promovierte. Nach Studienreisen in Belgien, Holland, England, Ungarn, Italien und vor allem in Spanien (1906/07, 1909) arbeitete er seit 1909 an der Alten Pinakothek in München als unbesoldete wissenschaftliche Hilfskraft. 1914 wurde er dort zum Kustos, 1920 zum Hauptkonservator ernannt. Seither lehrte M. als ao. Professor an der Univ. München. 1931 schied er wegen dienstrechtlicher Konflikte um seine Tätigkeit als Gutachter für den Kunsthandel aus dem bayer. Staatsdienst aus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte M. nach Frankreich, wo er als freier Schriftsteller bis 1940 in Paris und danach in Cannes lebte. 1943 wurde er vermutlich in Paris von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er wahrscheinlich 1944 umkam.

    M. war zu seiner Zeit wohl der bedeutendste deutschsprachige Kenner span. Malerei des 16.-18. Jh. Sein internationaler Ruf beruhte auf der von ihm erstellten regionalen Klassifizierung und chronologischen Ordnung der wichtigsten Phasen neuzeitlicher span. Malerei, vor allem aber auf den OEuvre-Katalogen, die er zu den bedeutendsten span. Malern erarbeitet hatte. Bei der Erforschung span. Handzeichnungen leistete. M. ebenfalls Pionierarbeit. Zur span. Kunst und Kultur verfaßte er zahlreiche populärwissenschaftliche Darstellungen; auch zur deutschen und ital. Kunst hat er verschiedene Beiträge publiziert. Er war einer der Mitherausgeber der Faksimile-Ausgabe der berühmten Darmstädter Haggada (Bruno Italiener u. a., Die Darmstädter Pessachhaggada, 1927/28). Bis 1933 gab er die Kunstzeitschrift „Pantheon“ heraus. In seiner kunsttheoretischen Methode war M. vor allem der formalen Stilanalyse seines Lehrers Wölfflin verpflichtet.

    M. stand auch im Bann der zeitgenössischen Kunst, insbesondere des deutschen Expressionismus, dessen Ausdrucksintensität und Naturferne er in den verschiedensten Epochen und Werken der alten Kunst wiederzuerkennen glaubte, so in der mittelalterlichen Buchmalerei und in der ital. Barock-Architektur, aber auch in den Werken Grünewalds, Grecos und Goyas. Gelegentlich trat er als Herausgeber und Übersetzer literarischer Texte hervor.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Real Ac. de Bellas Artes, Madrid, d. Real Ac. de Buenas Letras, Sevilla, u. d. Hispanic Society of America, New York.

  • Werke

    Weitere W Die Meisterlieder d. Hans Folz, 1908, Neudr. 1970 (Hrsg.);
    Toledo, 1910;
    Die Sevillaner Malerschule, 1911;
    El Greco, 1911, 21916 (ital. 1926);
    Gesch. d. Span. Malerei, 2 Bde., 1913, 21922 (span. 1928, zuletzt 1949);
    Murillo, 1913, 21923;
    Kleine Velázquez-Stud., 1913;
    Segovia, Avila u. El Escorial, 1913;
    Fünf Aufsätze, 1914;
    Expressionist. Miniaturen d. dt. MA, 1918, 21919;
    Grünewald, 1918;
    Handzeichnungen span. Meister, 1920 (span. 1920);
    Murillo, 1921 (engl. 1921);
    Alt-Spanien, 1921, 21922;
    Mittelalterl. Plastik in Spanien, 1922;
    Der span. Nat.stil d. MA: Der Mudejarstil, 1922;
    Got. Portalskulpturen in Spanien, 1922;
    Meisterwerke d. Gemäldeslg. d. Prado in Madrid, 1922;
    Francisco de Goya, 1923 (engl. 1924, span. 1925);
    Tintoretto (mit E. v. d. Bercken), 2 Bde., 1923;
    Mittelalterl. Plastik in Italien, 1923;
    Anthonis van Dyck, 1923;
    Span. Barock-Plastik, 1923;
    Diego Velázquez, 1924;
    Francisco Goya, Ausgew. Handzeichnungen, o. J. (1924);
    Domenico Theotocopuli El Greco, Krit. Kat., 1926;
    Manual de la pintura española, 1926;
    Gotik in Spanien, 1928 (span. 1929, 21943);
    Slg. Fritz August v. Kaulbach, 1929;
    Gli antichi pittori spagnoli della collezione Contini-Bonacossi (mit R. Longhi), 1930;
    Manual de la pintura alemana, 1930;
    El Greco, 1931;
    Velázquez, A Catalogue Raisonné of the Fictures and Drawings, 1936;
    Velázquez, 1940. – Übers.: Tirso da Molina, Don Gil v. d. grünen Hosen (mit J. v. Guenther), 1918, 21924.

  • Literatur

    H. Kehrer, Dtld. in Spanien, 1953, S. 238, 240 f.;
    P. K. Klein, in: H. Wentzlaff-Eggebert (Hrsg.), Ramón del Valle-Inclán (1866–1936), Akten d. Bamberger Kolloquiums, 1988, S. 19-61;
    The Universal Jewish Encyclopedia, 1943.

  • Autor/in

    Peter K. Klein
  • Empfohlene Zitierweise

    Klein, Peter K., "Mayer, August Liebmann" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 534 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117542563.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA