Lebensdaten
1746 bis 1813
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
württembergischer Hofbaumeister ; Architekt ; Professor der Zivilbaukunst an der Hohen Karlsschule in Stuttgart
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117509884 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich

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Zitierweise

Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117509884.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. (1695–1753), württ. Hofkammerrat, S d. Rudolf ( 1711), aus Öhringen, Hofmusikus in St.;
    M Barbara, T d. Sigmund Castenbauer (1677–1736), Hofmusikus in St., u. d. Hufschmied-T Maria Barbara Schreiner;
    B Frdr. Christoph Jonathan (1750–97), Prof. d. Staats- u. Lehnrechts, Kulturhist. (s. ADB VII);
    Stuttgart 1773 Juliana Charl. (1753-n. 1806), T d. Frdr. Ferd. Bilfinger ( 1761), Reg.Rat u. Hofger.assessor in St., u. d. Juliane Charl. Vollmann; Schwäger Wendel v. Bilfinger (1758–91), preuß. Geh. Leg.Rat; Schwägerin Christiane Luise ( Joh. Gg. v. Madeweiss, preuß. Gesandter beim Schwäb. Kreis);
    1 S, 4 T, u. a. Ferd. v. F. (württ. Personaladel 1841, 1784-1860), Oberbaurat, Prof. a. d. Polytechn. Schule (jetzige TH), Charl. Jul. Franziska ( 1) [⚮] Phil. Frdr. v. Hetsch, 1758-1838, Prof., Maler, Gal.dir. [s. ADB XII; ThB], 2] Daniel Frdr. v. Volz [württ. Personaladel 1847, * 1764), Kreisarchivar u. Pupillenrat in St.);
    N Karoline ( Chrstn. Gottfr. Elben, 1829, Journalist u. Publizist, s. NDB IV);
    E Wilh. v. F. (württ. Personaladel 1864, 1815-65), Dir. d. württ. Domänen- u. Forstdirektion.

  • Leben

    F. besuchte das Gymnasium illustre zu Stuttgart, kam dann in die Lehre bei dem Bildhauer J. Ch. F. W. Beyer und bei dem württembergischen Hofmaler Nikolaus Guibal. Seine Ausbildung als Baumeister erhielt er bei dem württembergischen Oberbaudirektor Ph. de La Guêpière, der damals die Schlösser Monrepos und Solitude baute. 1770 wurde F. „Kabinetts-Dessinateur“, 1773 Hofarchitekt. 1771-94 war er Lehrer, ab 1795 Professor der Zivilbaukunst und später Dekan der Freien Künste an der Hohen Karlsschule in Stuttgart. 1794 wurde F. Obrist, 1797 Oberbaudirektor. 1802 trat er in den Ruhestand. – Nach 1767 vollendete F. das Lustschloß Solitude und errichtete dort den (1809 abgebrochenen) Festsaalbau sowie die Gartenanlagen. Nach 1774 baute er die Kaserne hinter dem Stuttgarter Residenzschloß in eine Militärakademie um, wobei auch der Speisesaal|der Zöglinge und die prächtige Rotunde („Speisesaal des Herzogs“) neu errichtet wurden (1944 zerstört). Nach 1779 widmete er sich dem Innenausbau des Stuttgarter Neuen Schlosses und vor allem der städtebaulichen Gestaltung des gesamten Stuttgarter Residenzbezirkes. F.s bedeutendste Leistung ist das südlich Stuttgarts gelegene Schloß Hohenheim (1782–96) mit seinen umfangreichen landwirtschaftlichen Nebengebäuden (Musterhof) sowie einer (zerstörten) großartigen Gartenanlage im Stil des englischen Landschaftsparks. Außerdem gehen auf ihn eine stattliche Anzahl von Wohnbauten in Stuttgart (meist zerstört) und vor allem in Calw zurück, von denen das „Vischersche Handelshaus“ (1790-92) das bekannteste und für die vornehm zurückhaltende, aber etwas kühle klassizistische Art des Baumeisters F. bezeichnendste ist.

  • Werke

    Weitere W Stuttgart, Schauspielhaus (f. 1800 Personen), 1779 (abgebrannt);
    Schloß Scharnhausen b. Hohenheim, 1783 f.

  • Literatur

    ADB VII (auch für S Ferd.);
    H. Barth, Gesch. v. Hohenheim, 1897;
    Hzg. Karl Eugen u. s. Zeit, hrsg. v. Württ. Altertumsver., 1909;
    O. Widmann, R. F. H. F., 1746-1812, 1928;
    W. Fleischhauer, J. Baum, S. Kobell, Die schwäb. Kunst im 19. u. 20. Jh., 1952;
    ThB.

  • Portraits

    Ölbild (mit Fam.) v. Ph. F. Hetsch, 1788 (Stuttgart, Staatsgal.); Abb. in: H. Kronberger-Frentzen, Das dt. Fam.bildnis, 1940.

  • Autor/in

    Hans Koepf
  • Empfohlene Zitierweise

    Koepf, Hans, "Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 203 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117509884.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fischer: Reinhard Ferdinand Heinrich F., Architekt, geboren zu Stuttgart den 18. Juni 1746, daselbst als Major und Oberbaudirector den 25. Juni 1813. F. wurde von seinem Vater, einem herzoglichen Hofkammerrathe, nach Ablauf der Gymnasialzeit zur Vorbereitung auf die Baukunst zuerst dem Bildhauer Beyer, dann dem Maler Guibal in die Lehre gegeben, durfte auch daneben die im J. 1761 von Herzog Karl gegründete Académie des Arts benützen. Die Architektur erlernte er bei dem Oberbaudirector P. L. Ph. de la Guepière, mit welchem er einen Hauptantheil an dem Ausbau des neuen Schlosses in Stuttgart nahm. Herzog Karl verwendete den begabten jungen Mann, ohne ihn vorher durch Reisen eine gründlichere Bildung gewinnen zu lassen, sehr bald selbständig, um durch ihn seine architektonischen Ideen, oder besser gesagt, Baulaunen in einer allezeit überhasteten Weise zur Ausführung bringen zu lassen (s. darüber Goethe, Auf einer Reise in der Schweiz etc., wo F. nicht genannt, aber öfters gemeint ist). F. entledigte sich dieser Aufgaben immerhin mit großer Leichtigkeit der Erfindung, viel praktischem Geschick und einer staunenswerthen Arbeitskraft; seinen Stil bildete er sich freilich ganz nach dem mehr auf heitere Pracht als durchgebildete Schönheit gerichteten Geschmacke seines Herzogs. Die meisten der nach seinen Plänen auf der Solitüde, in Stuttgart, zu Hohenheim und sonst ausgeführten Gebäude-, Park- und Gartenanlagen sind längst wieder verschwunden. Unter den noch vorhandenen sind hervorzuheben: das Bärenschlößchen im Solitüdepark, der sogen. Speisesaalflügel des ehemaligen Akademiegebäudes in Stuttgart mit den schönen Sälen der jetzigen königl Handbibliothek, das Lustschloß zu Scharnhausen und die Kirche zu Birkach bei Hohenheim. Auch für andere Herrschaften und Privatleute hat F. in vielen Städten Würtembergs und darüber hinaus manches stattliche und wegen seiner bequemen Einrichtung noch heute geschätzte Haus gebaut. An der hohen Karlsschule entfaltete er seit 1775 als Professor der Baukunst eine anerkennenswerthe Thätigkeit. F. diente auch noch den Nachfolgern Herzog Karls, bis er im J. 1802 in den Ruhestand versetzt wurde. Ein Sohn von ihm, Oberbaurath Ferdinand F., trug als Vorstand und erster Hauptlehrer der polytechnischen Schule in Stuttgart von 1834—52 viel zur Gründung der jetzt blühenden Stuttgarter Architektenschule bei.

    • Literatur

      Vgl. Wagner, Gesch. d. H. Karlsschule, Bd. II. S. 189 ff., und Nicolai, Reise etc., Bd. X. S. 92.

  • Autor/in

    Wintterlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wintterlin, "Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117509884.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA