Lebensdaten
1882 bis 1947
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Fürth
Beruf/Funktion
Führer des "Stahlhelm" ; Reichsarbeitsminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117473847 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seldte, Franz

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Zitierweise

Seldte, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117473847.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Bes. e. Fabrik f. chem. Produkte (Likör, Sodawasser u. a.);
    M Emma N. N., Ehrenvors. d. Stahlhelm-Frauenbundes f. Groß-Berlin;
    N. N.;
    1 T Hilde (⚭ Walter Korn, RA in Aachen).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Wilhelm-Raabe-Realgymnasiums in Magdeburg absolvierte S. eine kaufmännische Lehre und studierte anschließend Chemie an der TH Braunschweig; dort wurde er Mitglied des völkisch-konservativen Corps „Teutonia Herkynia“ (Weinheimer S. C.). 1906/07 diente er als Einjährig-Freiwilliger in Magdeburg. 1908 übernahm S. die väterliche Chemie-Fabrik. Politisch stand er vor dem 1. Weltkrieg den Nationalliberalen nahe. Im Aug. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und stieg zum Hauptmann auf. Während der Somme-Schlacht 1916 schwer verwundet (Verlust eines Armes), wurde er in der Folgezeit als hochdekorierter, auf Bild und Film spezialisierter Frontberichterstatter tätig. Von Juni bis Nov. 1918 war er Abteilungschef der Auslandsstelle des Bild- und Filmamtes im Auswärtigen Amt. Am 13.11.1918 gründete S. mit einigen Offizieren in Reaktion auf die Novemberrevolution den „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“. Auf dem Gründungskongreß am 25.12.1918 in Magdeburg wurde er zum Ersten Bundesvorsitzenden gewählt; diese Position behielt er bis zur Auflösung des „Stahlhelm“ 1935. Der völkisch-rechtskonservativ orientierte „Stahlhelm“ verstand sich zunächst als Interessenverband demobilisierter Soldaten und sollte diesen den Wiedereintritt in ein ziviles Erwerbsleben erleichtern. Zunehmend traten politische Ziele in den Vordergrund, namentlich die Revision des Versailler Vertrags und die Beseitigung der Weimarer Demokratie als Resultat der „Schweinerei von Revolution“ (S. Ende 1918) mit dem Ziel der Errichtung eines monarchisch-autoritären Staates. Dezidiert antirepublikanisch und antimarxistisch, entwickelte sich der „Stahlhelm“ mit zunächst 100 000 (1920) und schließlich 340 000 Mitgliedern zur größten rechtsextremistischen Miliz der Weimarer Republik. Als Bundesvorsitzender des „Stahlhelm“ bildete S., der von Ende 1918 bis Dez. 1927 auch der DVP angehörte, im Juli 1929 mit Hugenberg, Hitler u. a. den „Reichsausschuß für das Volksbegehren gegen den Young-Plan“. Am 11./12.10.1931 gehörten S. und der „Stahlhelm“ zum konservativ-faschistischen Bündnis der „Harzburger-Front“, das der NSDAP zu politischer Reputation verhalf. Allerdings war das Verhältnis zur NS-Bewegung nicht spannungsfrei, da mit der (jugendlicheren) SA dem „Stahlhelm“ ein gefährlicher Konkurrent erwuchs. Als führendes Mitglied des (Dt.) Herrenklubs (der politischen Stütze des Präsidialkabinetts Papen), des Dt. Offiziersbundes und der DNVP besaß S. von Ende 1930 bis Anfang 1933 beträchtlichen politischen Einfluß. In seinen Schriften idealisierte er die „Frontkameradschaft“ des 1. Weltkriegs. Politisch sympathisierte er seit Ende der 20er Jahre mit dem ital. Faschismus; für Deutschland strebte S. den Aufbau eines autoritären Ständestaates an. Seit Mitte Jan. 1933 setzte er sich vorbehaltlos für die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ein. Bei den Märzwahlen 1933 fungierte S. neben Alfred Hugenberg (1865–1951) und Franz v. Papen (1879–1959) als einer der Spitzenkandidaten der „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“.|Belohnt wurde S. für das politische Bündnis des „Stahlhelm“ mit der NS-Bewegung am 30.1.1933 durch die Ernennung zum Reichsarbeitsminister (RAM; seit 11.3.1935 auch Preuß. Arbeitsminister). Damit sollte auch der „Stahlhelm“ als Organisation an das NS-Regime gebunden werden. S. selbst trat am 27.4.1933 der NSDAP bei und gehörte seitdem der NSDAP-Reichstagsfraktion an. Von März 1933 bis Juli 1934 fungierte er als Reichskommissar für den „Freiwilligen Arbeitsdienst“, seit April 1933 als Vorsitzender des „Kuratoriums für Jugendertüchtigung“. Am 27.4.1933 erklärte er namens des „Stahlhelm“, daß dieser sich „als geschlossene soldatische Einheit dem Führer Adolf Hitler“ unterstelle. Entscheidenden politischen Einfluß konnte S. nach der Selbstgleichschaltung seines Verbandes und der Umbenennung in „Nationalsozialistischer Dt. Frontkämpferbund (Stahlhelm)“ einen Tag später sowie der endgültigen Auflösung der Organisation am 7.11.1935 durch Eingliederung in die SA, der er bereits im Juli 1933 beigetreten war, jedoch nicht mehr gewinnen.

    S. blieb zwar bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes Reichsarbeitsminister. Bedrängt von Rivalen (u. a. von Robert Ley als Chef d. Dt. Arbeitsfront u. Göring als Generalbevollmächtigten f. d. Vierjahresplan), begann sich S. jedoch seit Mitte der 30er Jahre aus der Arbeit seines Ministeriums zurückzuziehen. Trotz effizienter Ministerialbeamter (Johannes Krohn, Friedrich Syrup, Werner Mansfeld, Karl Durst) wurden dem Reichsarbeitsministerium sukzessive zentrale Kompetenzen entzogen. Mit der Ernennung Fritz Sauckels (1894–1946) zum „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ (GBA) am 21.3.1942 und der Unterstellung der Reichstreuhänder der Arbeit sowie der Landesarbeitsämter unter den GBA, außerdem der Übernahme einiger Abteilungen des RAM durch Sauckel, ferner der Ernennung Robert Leys (1890–1945) zum Reichswohnungskommissar am 23.10.1942 wurde das Reichsarbeitsministerium bedeutungslos. In Nürnberg als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt, starb S. vor Prozeßbeginn in amerik. Haft.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. f. Dt. Recht (1933); preuß. Staatsrat (1938–45).

  • Werke

    Der Vater aller Dinge, Kriegstrilogie, I: M.-G.-K. [Maschinen-Gewehr-Kompagnie], 1929, II: Dauerfeuer, 1930, III: Vor u. hinter d. Kulissen, 1931;
    Der Stahlhelm, Erinnerung u. Bild, 1932/33;
    Fronterlebnis, 1933;
    Die Sommeschlacht, 1934 (Schausp.);
    Soz.pol. im Dritten Reich, 1939;
    zahlr. Aufss. z. NS-Soz.pol.

  • Literatur

    | A. Klotzbücher, Der pol. Weg d. Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, in d. Weimarer Rep., Ein Btr. z. Gesch. d. „Nat. Opposition“ 1918–1933, 1965;
    V. R. Berghahn, Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten 1918–1935, 1966;
    B. Mahlke, Stahlhelm-Bund der Frontsoldaten (Stahlhelm) 1918–1933, in: Lex. z. Parteiengesch. IV, S. 145–58;
    Rhdb. (P);
    Wi. 1935;
    Dt. Führerlex. (P);
    Wistrich (P);
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Kosch, Lit.Lex.3;
    Biogr. Lex. Magdeburg (P);
    Lilla, MdR.

  • Autor/in

    Rüdiger Hachtmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hachtmann, Rüdiger, "Seldte, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 215-216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117473847.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA