Lebensdaten
1895 bis 1975
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Regisseur ; Theaterleiter ; Schauspieler ; Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117402044 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stefani, Ole (Pseudonym)
  • Schweikart, Hans
  • Stefani, Ole (Pseudonym)
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Zitierweise

Schweikart, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117402044.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes, Techniker, Mechaniker in B., aus ostpreuß. Gelehrten- u. Offz.fam. mit hess. Wurzeln;
    S d. Alexander Carl (* 1830), aus Königsberg (Pr.), u. d. Elisabeth Hagen;
    M Anna, T d. Hermann Alfred Stephani (1825–90), aus Nieder Gielgudysko, Apothekenbes. in Lötzen, u. d. Emma Kossobutzki (1838–76) aus Romanowen b. Lyck; UrGvv Ferdinand Karl (1780–1859), aus Erbach, Dr. iur. hess. Jur., seit 1809 Prof. in Gießen, 1821 in Königsberg (s. ADB 33; Altpreuß. Biogr. II);
    1) Berlin 1921 Käthe Nevill, geb. Levin (Lewin) (1892–1972, 2] Erich Noether, 1890–1977, aus Mannheim, Dr. phil., Schriftst., Übers.), aus Breslau, Schausp., debütierte in Münster (Stadttheater, 1912/13), dann über Frankfurt/M. (Schauspielhaus, 1913–17), Bremen (Schauspielhaus, 1917/18), Heidelberg (Stadttheater, 1918/19) u. Berlin (Dt. Theater, 1921/22) mit S. in M. (Kammerspiele, 1923–25), auch als Leiterin e. eigenen Schauspielschule, emigrierte 1933 (?) n. Italien oder Palästina (?), kehrte 1951 in d. BRD zurück (bis 1958), nach Krankheit erneut seit 1961 Schauspiellehrerin (seit 1956/61 stellv. Schulleiterin) an d. Otto-Falckenberg-Schule in M. (s. L), 2) München 1940 1946 Maria (1904–95, 1] Helmut Nicklisch), 1934 Schausp. am Bayer. Staatsschauspiel in M., 1935–91 an d. Kammerspielen ebd. (s. NDB 19; W), T d. Jakob Peter Anton Kraushaar u. d. Elise Eisfeld (1885–1967), 3) München 1950 Carlotta (1921–2000), Schausp. (s. W), T d. Attilio Vetrone (1891–1959), aus Casalbore (Italien), Weinhändler, u. d. Maria Mayr (* 1900), aus Koblenz;
    2 S aus 3) Martin (* 1951), Archivar in M., Andreas Nicolaus Vetrone (* 1952), Publ., Ausst.macher in Sulzburg (Breisgau, Hochschwarzwald).

  • Leben

    S., Sohn taubstummer und mittelloser Eltern, wurde durch Stipendien der Besuch des Schiller-Realgymnasiums in Charlottenburg bei Berlin sowie 1914 der Marie-Seebach-Schule am Kgl. Schauspielhaus ermöglicht. Schon 1915 debütierte er am Wiesbadener Hoftheater in „Der Revisor“ von N. Gogol und gelangte über Görlitz (Stadttheater, 1915/16), Magdeburg (Stadttheater, 1916/17) und Köln (Dt. Theater, 1917–18/19?) 1918 bzw. 1919/20 nach Berlin an Max Reinhardts Deutsches Theater, wo er sich vom jugendlichen Liebhaber zum Darsteller gebrochener Helden entwickelte (Montezuma, in: Der weiße Heiland v. G. Hauptmann, 1920). 1923 holte ihn Otto Falckenberg als Schauspieler und Spielleiter an die Kammerspiele in München (bis 1933; Regie u. a. Die Dreigroschenoper v. B. Brecht, 1929). 1929/30 spielte S. auch am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin; danach arbeitete er bis 1934 am Deutschen Volkstheater in Wien als Regisseur. 1934/35 wurde er Oberspielleiter am Bayer. Staatsschauspiel in München und verpflichtete sich für zwei Spielzeiten dem Staatl. Schauspielhaus in Hamburg als Gastregisseur (Emilia Galotti v. G. E. Lessing, 1935). Künstlerisches Zentrum seines Münchner Engagements bis 1938 (1939?) bildete ein Shakespeare-Zyklus (Der Widerspenstigen Zähmung, Viel Lärm um nichts, Richard II., Richard III., Der Sturm, Ein Sommernachtstraum, König Lear). Darüber hinaus inszenierte er 1937, 1938 und 1940 für die Reichsfestspiele Heidelberg. 1938 (1939?) übernahm S., der in jungen Jahren in expressionistischen Stummfilmen (Das Haus zum Mond, 1920; Die Taifunhexe, 1923) mitgewirkt und 1938 erstmals Filmregie geführt hatte, die künstlerische Leitung der Münchner Bavaria-Filmkunst GmbH. Seit 1942 freischaffend, folgte er 1947 Erich Engel als Intendant der Münchner Kammerspiele nach, die er – als unautoritäre Führungspersönlichkeit dem Ensemble gegenüber – im Geiste Falckenbergs als Schauspielertheater zu internationalem Ansehen führte. Von künstlerischer wie charakterlicher Souveränität, gewann er den remigrierten Fritz Kortner (1892–1970) für sein Haus (12 Inszenierungen 1949–63) und knüpfte mit einer von Brecht inszenierten „Mutter Courage“ (1950, mit Therese Giehse) an die 20er Jahre an. S.s scharfsichtiger Sensibilität entsprach auf der Bühne ein psychologischer Realismus, der besonders bei Büchner (Dantons Tod, 1951; Woyzeck, 1952) und in zeitgenössischen Werken überzeugend zum Tragen kam. Neben Brecht, Erich Kästner, Max Frisch (Andorra, EA 1962), Jean Giraudoux (u. a. Die Irre v. Chaillot, EA 1948), Albert Camus (Der Belagerungszustand, EA 1950), Jean|Anouilh, Eugène Ionesco und Paul Claudel hatten daran starken Anteil engl.-amerikan. Autoren wie Arthur Miller (Der Tod e. Handlungsreisenden, EA 1950; Hexenjagd, 1954), Christopher Fry (Die Dame ist nichts fürs Feuer, EA 1951), Thornton Wilder (Alkestiade, 1957) u. a. Nicht weniger bewies sich S.s Handschrift in Uraufführungen wie Marieluise Fleißers „Der starke Stamm“ (1950, mit Therese Giehse), Carl Orffs „Astutuli“ (1953) und Peter Hacks „Eröffnung des indischen Zeitalters“ (1955), v. a. aber bei dem von S. erst durchgesetzten Friedrich Dürrenmatt (Die Ehe d. Herrn Mississippi, UA 1952; Der Besuch d. alten Dame, EA 1956; Die Physiker, EA 1962).

    1963 konnte S. seinen Schüler August Everding (1928–99) als neuen Intendanten der Kammerspiele installieren und verabschiedete sich zugleich von der Leitung der dem Theater angeschlossenen Otto-Falckenberg-Schule. 1964 übernahm er eine Gastprofessur an der Folkwang-Schule in Essen, blieb aber gleichzeitig bis zuletzt ein gefragter Regisseur. Gastinszenierungen entstanden u. a. in Berlin am Schloßpark-Theater (u. a. Die Heimkehr v. Harold Pinter, EA 1965; Der Menschenfeind v. Molière, 1966) und an der Freien Volksbühne (Soldaten v. Rolf Hochhuth, UA 1967), in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus und am Thalia-Theater (Alte Zeiten v. Pinter, EA 1972), in München an den Kammerspielen (u. a. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? v. Edward Albee, 1963; Musik v. Frank Wedekind, 1965; Magdalena v. Ludwig Thoma, 1967; Der jüngste Tag v. Ödön v. Horváth, 1970; Nathan der Weise v. G. E. Lessing, 1973) und am Bayer. Staatsschauspiel (Don Carlos v. F. Schiller, 1974) sowie in Wien am Burgtheater (u. a. Götz v. Berlichingen v. J. W. v. Goethe, 1974). Auch als Schauspieler war S. bis ins Alter zu erleben, auf der Bühne (Kard. Budapest, in: Der Nachfolger v. Reinhard Raffalt, Kammerspiele München, 1962; Mr. Pringle, in: Wirklich schade um Fred v. James Saunders, ebd., 1966) wie im Fernsehen, u. a. als Gaststar in der ZDF-Serie „Der Kommissar“ und in „Der Monddiamant“ (Dez. 1974). Seine letzte Premiere wurde Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ am Bayer. Staatsschauspiel, München (1975). Nur wenige Wochen später verstarb S. nach einer Kreislaufschwäche in einer Münchner Klinik.

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK (1955); Bayer. Verdienstorden (1961); Goldene Ehrenmedaille d. Stadt München (1963); Mitgl. d. PEN-Zentrums d. BRD (1956); o. Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (1969); – H.-S.-Ges. (seit 2005).

  • Werke

    Ensembletheater – Ideal u. Wirklichkeit, in: Maske u. Kothurn, 3, 1957, S. 111 f.;
    Ich glaube nicht, daß ich viel anders machen würde, H. S. im Gespräch, in: Theater heute 10, 1975, S. 20;
    Romane:
    Der dritte Schuß, Kriminalroman, 1926 (Ps.);
    Acht Tage Skandal, Roman, 1931 (Ps.);
    Zwischenfall vor d. Theater, Kriminalroman, 1934 (Ps.);
    Bühnenstücke:
    Schokolade u. Fliegenklatsche, ein heiteres Kindermärchen in 7 Bildern, 1934;
    Lauter Lügen, Komödie in 3 Akten, 1937;
    Ich brauche dich, Komödie in 3 Akten, 1942;
    Nebel, Stück in 3 Akten, 1947;
    Der Postmeister v. A. Puschkin, Schausp. in 3 Akten, 1959 (mit Gerhard Menzel);
    Filme:
    Einmal werd' ich Dir gefallen (Koautor, 1937, UA 1938);
    Das Mädchen mit d. guten Ruf (Regie, 1938, mit Olga Tschechowa, Attila Hörbiger);
    Befreite Hände (Regie, 1939, mit Brigitte Horney, Olga Tschechowa, Ewald Balser);
    Das Fräulein v. Barnhelm (Regie, 1940, mit Käthe Gold, Ewald Balser, Theo Lingen, Erich Ponto);
    Das Mädchen v. Fanö (Regie, 1940, UA 1941, mit Brigitte Horney, Gustav Knuth);
    Kameraden (Regie, 1941, mit Willy Birgel, Maria Nicklisch);
    Der unendliche Weg (Regie, 1943);
    Ich brauche Dich (Autor, Regie, 1944, mit Marianne Hoppe, Willy Birgel);
    Das Gesetz d. Liebe (Regie, 1944/45, UA 1950);
    Geliebter Lügner (Koautor, Regie, 1949, UA 1950, mit Elfie Mayerhofer, Hans Söhnker, Gustav Knuth, Erich Ponto, Charlotta Vetrone);
    Melodie d. Schicksals (Regie, 1950);
    Das kann jedem passieren (Koautor, 1952);
    Muß man sich gleich scheiden lassen? (Koautor, mit M. Nicklisch, Regie, 1953);
    Glück ins Haus (Koautor, Regie, 1954);
    An d. schönen blauen Donau (Regie, 1954);
    Fernsehspiel:
    Darf ich Sie e. Minute sprechen? (1964);
    Nachlaß:
    Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin (Regie- u. Rollenbücher, Briefe, Druckschrr., Photos);
    Münchner Stadtbibl., Monacensia (12 Photos, 20 Autographe m;
    Beil.).

  • Literatur

    L A. Everding, S. geht – u. bleibt, in: Theater heute, 1963, H. 10, S. 10 f. (P);
    Zum Geb.tag e. Theatermannes, Ein Sonderh. d. Münchner Kammerspiele z. 65. Geb. tag v. H. S., [1960] (P);
    J. Kaiser, Kl. Theatertagebuch, 1965;
    ders., in: SZ v. 1. 10. 1975, S. 9;
    ders., ebd. 2. 12. 1975, S. 21;
    H. Schwarz, in: Regie, Idee u. Praxis moderner Theaterarbeit, 1965, S. 335 f.;
    W. Petzet, Die Münchner Kammerspiele, 1973;
    S. Melchinger, in: FAZ v. 1. 10. 1975, S. 23;
    G. Hl., ebd. 3. 12. 1975, S. 23;
    St. Meuschel, in: Theater heute, 1975, H. 10, S. 16–19 (P);
    A. Eichholz, Kennen Sie Plundersweilern? Münchner Theater-Tagebuch Kammerspiele 1970–1977, 1977;
    F. Luft, Stimme d. Kritik, Theaterereignisse seit 1965, 1979;
    K. J. Seidel, Die ganze Welt ist Bühne, August Everding, 1988;
    A. Bauer (Hg.), Dt. Spielfilm Alm., 1929–1950, 1950, 31965;
    Munzinger;
    Filmlex. degli autori e delle opere, VI, 1964;
    Ch. Trilse, K. Hammer u. R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex., 1983;
    P. S. Ulrich, Theater, Tanz u. Musik im Dt. Bühnenjb., 1985;
    Killy;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Nassau. Biogr.;
    Enc. dello Spettacolo;
    Sucher, Theaterlex.;
    BHdE II;
    zu Käthe Nevill:
    W. Petzet, Die Münchner Kammerspiele, 1973;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Schweikart, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 47-48 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117402044.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA