Lebensdaten
1821 bis 1907
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Berlin-Schöneberg
Beruf/Funktion
Publizist ; Schriftsteller
Konfession
-
Normdaten
GND: 117397032 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweichel, Georg Julius Robert
  • Friedemann, Heinrich (Pseudonym)
  • Schweichel, Robert
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schweichel, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117397032.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig Theodor (1783–1839), Kaufm. in K.;
    M Rosa Fischer;
    4 B u. a. Louis Theodor Ferdinand (* 1811); Kaufm. in K.;
    Königsberg 1855 Elise (1831–1912), Publ., Schriftst., Übers., Aktivistin d. sozialist. Frauenbewegung (s. L), T d. Wilhelm Langer (* um 1798), Kaufm. in K., u. d. Henriette Geßler (* um 1798); kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Königsberg arbeitete S. im väterlichen Geschäft. Als dieses nach dem Tod des Vaters 1839 aufgelöst wurde, besuchte S. das Gymnasium und studierte 1844–48 Rechts- und Kameralwissenschaften in Königsberg, wo er Mitglied der Burschenschaft „Germania“ wurde und sich in der „Bürgergesellschaft“ engagierte. Im Revolutionsjahr 1848 war S. als Korrespondent für die demokratische Zeitung „Die Reform“ in Berlin tätig und Mitgründer, zeitweise auch Vorsitzender des Königsberger Arbeitervereins, für dessen Organ „Dorfzeitung für Preußen“ er 1849/50 als Redakteur fungierte. 1850 verbüßte er eine sechswöchige Haftstrafe wegen Preßvergehens. Da ihm hierdurch eine Anstellung im Staatsdienst unmöglich geworden war, arbeitete er zunächst als Hauslehrer in Masuren, dann als Feuilletonredakteur der liberalen „Hartungschen Zeitung“ in Königsberg; 1853 lebte er arbeitslos in Berlin. 1854 verließ S. Deutschland aus politischen Gründen und war in Lausanne anfangs als Lehrer in privater Anstellung, danach an der Mittelschule, dem Collége und der Akademie tätig, bevor er Direktor der „École pratique“ wurde.

    S.s Karriere als einflußreicher Publizist und Organisator der sozialistischen Bewegung begann 1861 nach der preuß. Amnestie und seiner Rückkehr nach Berlin als Redakteur der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“. Mit seinem Freund Wilhelm Liebknecht (1826–1900) übernahm er 1866 die Redaktion der „Neuen Hannoverschen Anzeigen“ und lebte im selben Jahr kurzzeitig in Leipzig, wo er mit August Bebel (1840–1913) bekannt wurde. Noch 1866 übersiedelte er nach Berlin und entwarf hier das Programm für den Nürnberger Vereinstag des Verbands der Deutschen Arbeitervereine 1868, an dem er selbst teilnahm. Ebenfalls 1868 zählte S.|zu den Gründern der Sozialistischen Arbeiterpartei. 1869–83 war er Feuilletonredakteur von Otto Jankes (1818–87) „Deutscher Roman-Zeitung“ in Berlin und lieferte Beiträge für den „Volksstaat-Kalender“. Seit 1883 lebte S. als freier Schriftsteller in Berlin und war bis 1901 einer der aktivsten Mitarbeiter von Karl Kautskys (1854–1938) „Die Neue Zeit“ sowie 1897–1903 der Romanzeitschrift „In Freien Stunden“. 1878 zählte er zu den Gründern des „Allgemeinen Deutschen Schriftsteller-Verbandes“ und fungierte als Obmann des Berliner „Presse Vereins“; 1887–91 führte er den Vorsitz des „Deutschen Schriftsteller-Verbands“.

    Erste Anerkennung als Schriftsteller erhielt S. für seine häufig das bäuerliche Milieu des Alpenraums darstellenden Novellen, die er seit den 1850er Jahren in Zeitschriften veröffentlichte und später in Sammlungen mit wechselnden Titeln und mehreren Auflagen zusammenfaßte. Die Erzählung „Der Axtschwinger“ (1868, 41894) gilt als Musterbeispiel früher realistisch-sozialistischer Dorfliteratur. Seit den 1870er Jahren schrieb S. v. a. historische Romane (u. a. Der Bildschnitzer vom Achensee, 3 Bde., 1873, 31876; Der Falkner v. St. Vigil, 1881, Nachdrr. 1955 u. 1956). Sein Roman „Um die Freiheit“ (1899, mit e. Vorwort v. F. Koritschoner 1926, weitere Nachdrr. 1925, 1953, 1980) wurde zum Vorbild für spätere literarische Bearbeitungen der Bauernkriege.

  • Werke

    Weitere W In Gebirg u. Thal, 1864;
    Jura u. Genfersee, 1865;
    Im Hochland, Novellen aus d. roman. Schweiz, 1868;
    Aus d. Alpen, 1870, 21872;
    Verloren, Eine Leidensgesch. aus d. Volke, 1891;
    Sein oder Nichtsein, 1894;
    Erzz., 1964 (Einl. v. E. Pick, Biogr., W);
    Qu:
    Berr. über d. Verhh. d. Ver.tages dt. Arbeitervereine 1863 bis 1869, Nachdrr., hg. v. D. Dowe, 1980;
    Nachlaß:
    Stiftung Weimarer Klassik, Weimar;
    Internat. Inst. of Social Hist., Amsterdam;
    Milton S. Eisenhower Library, Johns Hopkins Univ., Baltimore.

  • Literatur

    F. Mehring, Aufss. z. dt. Lit. v. Hebbel bis S., 1896;
    Der Ver. Berliner Presse u. seine Mitgll. 1862–1912, zus.gest. v. P. Schlenther, 1912;
    E. Pick(-Schwarz), R. S., Von d. Schweizer Novellen z. Bauernkriegsroman, Diss. Berlin 1961 (W, L);
    G. Fülberth, Soz.demokrat. Lit.kritik vor 1914, Die Beziehungen v. Soz.demokratie u. bürgerl. ästhet. Kultur in d. lit.theoret. u. -krit. Btrr. d. „Neuen Zeit“ 1883–1914, d. „Sozialist. Mhh.“ 1895 u. 1919 u. b. Franz Mehring 1888–1914, Diss. Marburg 1969;
    G. Schimeyer, Die Neue Zeit (1883–1923), in: H.-D. Fischer (Hg.), Dt. Zss. d. 17. bis 20. Jh., 1973, S. 201–13;
    W. H. McClain u. R.-E. B. Joeres, Three unpublished letters from R. S. to Louise Otto, in: Mhh. f. dt. Unterr., dt. Sprache u. Lit. 72, 1980, S. 39–50;
    U. Münchow, Arbeiterbewegung u. Lit., 1981, S. 220–53;
    H. Feindt, 1830, 1846, 1848, 1863, Poln. Aufstände in drei Romanen v. Freytag, Raabe u. S., in: Stud. z. Kulturgesch. d. dt. Polenbildes, 1848–1939, hg. v. dems., 1995, S. 15–40;
    Ursula Herrmann, R. S., Vom Vors. d. Königsberger Arbeiterver. in d. Rev. 1848/49 z. Schriftst. u. Freund v. Wilhelm Liebknecht u. August Bebel, in: Akteure 1848/49, S. 787–834;
    dies., R. S. u. d. „Demokrat. Wochenbl.“, in: Vom mühseligen Suchen u. glückhaften Finden, Rückblicke u. Erlebnisse v. Marx-Engels-Forschern u. Historikern d. Arbeiterbewegung (Pankower Vortrr. 55,2), 2003, S. 30–34;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Killy;
    Lex. sozialist. Lit. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Biogr. Lex. Burschenschaft (L, P);
    zu Elise:
    Ursula Herrmann, E. S. (1831–1912), Schriftst. u. Soz.demokratin im Ringen um Frauenemanzipation, 2004 (W, L, P);
    Qu:
    Akten d. Preuß. Polizei im Brandenburg. Landeshauptarchiv Potsdam.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Schweichel, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 39-40 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117397032.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA