Lebensdaten
1819 bis 1857
Geburtsort
Michelbach/Bilz bei Schwäbisch Hall
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Theologe ; Philologe ; Althistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119088967 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwegler, Friedrich Karl Franz Albert
  • Schwegler, Albert
  • Schwegler, Friedrich Karl Franz Albert
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schwegler, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119088967.html [14.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthäus Eberhard (1793–1839), Pfarrer in M., S d. Johannes (1751–1824), Chirurg, Richter u. Bgm. in Beutelsbach, u. d. Luise Lösch (1758–1824);
    M Friederike Henriette (1796–1862), T d. Johann Friedrich Pestell (1764–1829), Pfarrer in M. u. Unterweißach, u. d. Sophie Regine Jakobine (1767–1837), T d. N. N. Lu(t)z, Gastwirt in Stuttgart; 8 jüngere Geschw; – ledig.

  • Leben

    S. wurde zunächst von seinem Vater unterrichtet; seit 1828 besuchte er die Lateinschule in Schwäbisch Hall, seit Okt. 1832 das niedere Seminar in Schöntal. 1836 nahm er ein Studium in Tübingen auf, wo der Linkshegelianer Friedrich Theodor Vischer in der Philosophie sowie Ferdinand Christian Baur, Christian Friedrich Schmid und Isaak August Dorner in der Theologie seine maßgeblichen Lehrer waren. 1841 wurde S. mit der Arbeit „De Philopatride Luciano“ (ungedr.) zum Dr. phil. promoviert und gewann mit der Abhandlung „Der Montanismus und die christliche Kirche des zweiten Jh.“ (1841) erstes wissenschaftliches Renommee. Nach erneuter Promotion „Über die Composition des Platonischen Symposions“ wurde er 1843 Privatdozent für Philosophie und Philologie. Aufgrund seiner Ausrichtung an Hegel und seiner politischen Kritikbereitschaft fand S. weder im kirchlichen noch universitären Bereich eine Anstellung. 1843 gründete er mit Eduard Zeller (1814–1908) und Karl Christian Planck (1819–80) die Junghegelianischen „Jahrbücher der Gegenwart“, die mit Arnold Ruges „Hallischen“ bzw.Dt. Jahrbüchern“ rivalisierten. Mit zahlreichen Beiträgen stellte sich der den Idealen des Vormärz verpflichtete S. den wissenschaftspolitischen Kämpfen der Zeit.

    Da Berufungen auf einen Lehrstuhl scheiterten, übernahm S. 1848 in Tübingen eine Stelle als Stiftsbibliothekar und wurde hier noch im selben Jahr ao. Professor für Klassische Philologie. In seinem frühen Hauptwerk „Das nachapostolische Zeitalter in den Hauptmomenten seiner Entwicklung“ (2 Bde., 1846) bündelt er wesentliche Charakteristika des Theoriekonzepts der „Tübinger Schule“ Baurs. S. hält darin die Johannesoffenbarung im Gegensatz zum Johannesevangelium für authentisch und erklärt sie zur „eigentlichen Normalschrift des Urchristenthums“. Mit der „Geschichte der Philosophie im Umriß“ (1847, 171950, niederl. Übers.), der den Entwürfen Barthold Georg Niebuhrs und Theodor Mommsens nahezu gleichrangigen „Röm. Geschichte“ (3 Bde., 1853–58; Bd. 3 postum hg. v. F. F. Baur) sowie einer Übersetzung und Kommentierung der „Metaphysik des Aristoteles“ (4 Bde., 1847/48) profilierte sich S. unter Hegelianischem Vorzeichen bleibend als Philosophiehistoriker und Spezialist für die Dogmenbildung des Frühchristentums in ihrer historischen Einordnung. Seine Person karikierte die Schriftstellerin Wilhelmine Canz mit der Figur des „Dr. Schwäblein“ in ihrem Roman „Eritis sicut Deus“ (3 Bde., 1854).

  • Literatur

    ADB 33;
    E. Zeller, in: ders., Vortrr. u. Abhh., 2. Slg., 1877, S. 329–63;
    Th. Pressel, Worte am Grabe d. Dr. Fr. C. F. A. S., 1857;
    W. S. Teuffel, in: ders., Stud. u. Charakteristiken, 1871, S. 503–15;
    E. Hirsch, Gesch. d. neuern Ev. Theol., V, 1951, 51975, bes. S. 525–37;
    H. Harris, The Tübingen School, 1975;
    F. W. Graf, David Friedrich Strauß u. d. Hallischen Jb., in: AKG 60, 1978, S. 383–430;
    W. Eßbach, Die Junghegelianer, Soziol. e. Intellektuellengruppe, 1988;
    J. Matzerath, A. S., 1993 (Geneal., W, L, P);
    Hist.-krit. Gesch.betrachtung, Ferdinand Christian Baur u. seine Schüler, hg. v. U. Köpf, 1994;
    ders., Tübinger Schulen, in: TRE 34, S. 165–71;
    A. Christophersen, Die „Freiheit d. Kritik“, Zum theol. Rang d. Johannesoffenbarung im Werk Ferdinand Christian Baurs, in: Apokalyptik als Herausforderung neutestamentl. Theol., hg. v. M. Becker u. M. Öhler, 2006, S. 363–81;
    Schwäb. Lb. IV (P);
    BBKL IX (W, L);
    RGG1–4;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Nachlaß:
    Univ.bibl. Tübingen.

  • Portraits

    Totenmaske, Abb. in: Archiv d. Gesichter, S. 364, Nr. 166.

  • Autor/in

    Alf Christophersen
  • Empfohlene Zitierweise

    Christophersen, Alf, "Schwegler, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 38-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119088967.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schwegler: Friedrich Karl Albert S., bekannt besonders als eines der bedeutendsten Mitglieder der Tübinger Theologenschule und als Verfasser einer unvollendet gebliebenen wissenschaftlichen Bearbeitung der römischen Geschichte, war geboren am 10. Februar 1819 zu Michelbach an der Blitz, in der Nähe der ehemaligen Reichsstadt Hall, wo sein Vater ( 1839) Pfarrer war, als ältestes Kind von fünf Geschwistern, aus unbemittelter Familie, daher zur theologischen Laufbahn bestimmt. In allen Lehrgegenständen, außer der Mathematik, jederzeit seine Altersgenossen überragend durchlief S. das niedere Seminar in Schönthal (1832—1836) und das höhere in Tübingen (1836—1840), wo eine gekrönte Preisschrift über den Montanismus (1841) seine vielversprechende Erstlingsarbeit wurde. Auf einer Bildungsreise nach München, Berlin und durch Westdeutschland machte er auch Kunststudien. Vom Juli 1843 bis zu ihrem Aufhören im Jahre 1848 redigirte er die „Jahrbücher der Gegenwart“ und habilitirte sich im Herbst 1843 als Privatdocent der Philosophie und Philologie an der Universität Tübingen mit einer Abhandlung „Ueber die Composition des platonischen Symposions“ (Tübingen 1843). Im folgenden Jahr schloß er seine theologischen Studien ab durch das in unglaublich kurzer Zeit ausgearbeitete zweibändige Werk über das nachapostolische Zeitalter (Tübingen 1845), worin er die Baursche Anschauung vom Urchristenthum als einem Product der Bewegung zwischen den beiden Polen des Judenchristenthums (Ebjonitismus, auch Petrinismus) und des Heidenchristenthums (Paulinismus) mit glänzender Beherrschung des gesammten Stoffes und meisterhafter Darstellung ausführte. Der Uebergang zu einem neuen Arbeitsfelde vermittelte sich S. durch eine fünfmonatliche angestrengte|und entbehrungsreiche Reise nach Italien und Sicilien im Jahre 1846. Zurückgekehrt veröffentlichte er zunächst eine „Geschichte der Philosophie im Umriß“ (Stuttgart 1847; Theil der Franckhschen Encyklopädie der Wissenschaften), welche durch ihre lichtvolle übersichtliche Behandlung des Gegenstandes sich solchen Beifall gewann, daß im Jahre 1870 davon die siebente Auflage nöthig und das Werk ins Englische und Dänische übersetzt wurde. In demselben Verlage erschien (Stuttgart 1847) von S. eine kritische Ausgabe der clementinischen Homilien mit lateinischer Uebersetzung und fast gleichzeitig eine Bearbeitung der aristotelischen Metaphysik (Grundtext, Uebersetzung und Commentar nebst erläuternden Abhandlungen, Tüb. 1847 u. 1848 in vier Theilen). Nun aber begann er mit allem Eifer die Vorstudien zu einer römischen Geschichte, zumal da er durch seine Ernennung zum außerordentlichen Professor für römische Litteratur und Alterthümer (4. Juli 1848) endlich der drückendsten Nahrungssorgen enthoben worden war. Als solcher las er besonders über Geschichte der griechischen Philosophie, welche Vorlesungen aus seinem Nachlaß durch C. Köstlin (Tübingen 1859, zweite, vermehrte Auflage 1870) herausgegeben worden sind; ferner über Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften, die er aber trotz großer Lehrerfolge darin nach 1851 nicht mehr hielt, über Kunstmythologie, Geschichte der römischen Verfassung und römische Privatalterthümer, in seinem letzten Halbjahr auch über römische Kaisergeschichte, über Platon's Protagoras, Republik und Gastmahl, Tacitus' Germania und Agricola, Juvenal's Satiren. Neben seiner akademischen Wirksamkeit aber gingen, nur einmal im Jahre 1852 auf kurze Zeit unterbrochen durch die Herausgabe der Kirchengeschichte des Eusebius (cum brevi adnotatione critica, Tübingen 1852), die Arbeiten an der Römischen Geschichte her, für die er seine ganze riesige Arbeitskraft einsetzte und die er mit seiner kolossalen Energie so rasch förderte, daß im Laufe des Jahres 1853 der erste über 800 Leiten starke Band (enthaltend die Königszeit) erscheinen konnte, welchem schon 1856 vom zweiten die erste (755 S. starke) Hälfte, reichend von der Gründung der Republik bis zum Decemvirat, nachfolgte. Aber freilich rieb diese Tag und Nacht fortgesetzte Anstrengung seine Kräfte, so unerschöpflich sie schienen, vor der Zeit auf: am 6. Januar 1857 erlag er einem Nervenschlag (Hirnlähmung?), und die zweite Hälfte des zweiten Bandes, reichend vom ersten Decemvirat bis zu den licinischen Gesehen, die sich in seinem Nachlasse druckfertig vorfand, mußte durch einen Dritten (Dr. F. F. Baur) herausgegeben werden (Tübingen 1858. 306 S., nebst einem Register zu den drei Bänden). Mit diesem Werke, für das er sein Leben opferte, hat S. aber auch eine Musterarbeit geschaffen, ebenso bewundernswürdig durch die sichere Beherrschung des gewaltigen Stoffes, wie durch die classische Darstellung. Auf dem durch Niebuhr gelegten Boden mit Umsicht weiterbauend, unterscheidet sich Schwegler's Werk von dem gleichzeitigen Mommsen'schen dadurch, daß es nicht bloß mehr oder weniger subjectiv gefärbte Ergebnisse bietet, sondern das Material vor dem Leser ausbreitet und die Untersuchung vor dessen Augen führt. An Schwegler's Arbeit unternahm es der gleichfalls frühverstorbene Oct. Clason die seinige anzuknüpfen, ohne aber an Schärfe der Kritik wie an Darstellungsgabe denselben von weitem zu erreichen. Ueberhaupt war S. ein Mann von ganz ungewöhnlicher Begabung, der überall, wo er eingriff, Bedeutendes leistete und nur durch die Ungunst der Verhältnisse von einem Gebiete zum andern getrieben, von der Theologie zur Philosophie und von dieser zur Geschichte und Philologie, an den Schranken der Individualität anlangte, ehe er das selbstgesteckte hohe Ziel erreicht hatte.

    • Literatur

      E. Zeller's Lebensabriß von S. vor dem dritten Bande von dessen Röm. Geschichte (S. VII—XXXVI). — W. Teuffel in seinen Studien und Charakteristiken (Leipzig 1871) S. 503—515.

  • Autor/in

    W. S. Teuffel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Teuffel, W. S., "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 327-328 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119088967.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA