Lebensdaten
1819 bis 1872
Geburtsort
Saarlouis
Sterbeort
Montreux (Kanton Waadt)
Beruf/Funktion
Revolutionär ; Bankier ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117393991 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Simon, Ludwig Gerhard Gustav
  • Simon von Trier, Ludwig ( ADB)
  • Simon, Ludwig
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Zitierweise

Simon, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117393991.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Thomas (1794–1869), seit 1822 Gymn.prof. in Trier, S d. Johann Peter ( 1806), Kaufm.;
    M Auguste Wilhelmine Susanne (1788–1863), T d. Philipp Jakob Walther (ev.) aus Meisenheim, Lehrer;
    1 B Carl August (1817–87), preuß. Gen.major (s. Priesdorff X, S. 171, Nr. 2807), 1 Schw Friederike (1817–38 Freitod);
    – ⚭ Menton (Côte d’Azur) 1870 Marie (* 1850), T d. Eduard Schmidlin (1808–90), Gärtner an d. Hofgärtnerei in Stuttgart, Landschaftsgestalter, nach Teilnahme am „Frankfurter Wachensturm“ zeitweise auf d. Hohenasperg inhaftiert, emigrierte 1857 aus Württ. in d. Schweiz, 1858 Dir. e. Hotels in Giessbach (Kt. Bern), 1868 Bürger v. Brienz (Kt. Bern), zuletzt Privatier in Dresden, Vf. v. „Die bürgerl. Gartenkunst“, 1843, 21852, Nachdr. 2001, sowie v. botan. Büchern (s. Biogr. Lex. Burschenschaft), u. d. Anna Waldraff;
    1 T Frédérique (|1871-93).

  • Leben

    Der hochbegabte S. wurde durch die Atmosphäre in seinem Elternhaus, durch das Trierer Gymnasium, das auch Karl Marx besuchte, und durch die allgemeine Stimmung in Trier – einer Hochburg von Demokratie und Sozialismus – früh politisiert. Während seines Jura- und Kameralistikstudiums (1837–41) schloß er sich zunächst in Bonn der Burschenschaft „Ruländer“ an und gründete dort 1838 das Corps Palatia. 1842–47 war S. Referendar am Landgericht Trier. Nebenbei schrieb er für das oppositionelle „Trierer Volksblatt“ und engagierte sich im Trierer Vereinsleben. Im Febr. 1848 legte er sein Assessorenexamen ab und wurde als Advokat zugelassen.

    Im Mai 1848 wurde der charismatische Redner und „Volksmann“ S. in Trier in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, der er bis zum letzten Tag des Rumpfparlaments angehörte, zunächst als Mitglied der demokratischen Fraktion „Deutscher Hof“, seit Ende Juni 1848 der radikaleren Abspaltung „Donnersberg“, zu deren populärsten Köpfen er zählte. Wegen seines unbeirrten Glaubens an die Überzeugungskraft des Arguments und an demokratische Verfahren akzeptierten selbst politische Gegner wie Robert v. Mohl S. als „den fanatischsten, aber auch ehrlichsten Apostel der Demokratie“ in der Paulskirche. Der für die Unterschichten engagierte, stark von christlichen Werten und vom freiheitlichen Sozialismus der „Trier'schen Zeitung“ (Moses Heß, Karl Grün) geprägte Demokrat S. stieg durch die Revolution in eine politische Führungsrolle auf und fungierte immer wieder als Vermittler zwischen dem außerparlamentarischen Radikalismus und der Nationalversammlung.

    1849 nahm S. am dritten bad. Aufstand teil, wurde zum Reichskommissar für den Schwarzwald ernannt und mußte nach der Niederlage in die Schweiz emigrieren, wo er als Journalist und politischer Publizist tätig war. In Abwesenheit wurde er 1851 in Trier zum Tode verurteilt, sein Erbteil beschlagnahmt. Nach seiner Ausweisung aus der Schweiz 1855 reiste er durch Italien und Frankreich, wo er das politisch einflußreiche Sammelwerk „Reden und Trinksprüche Kg. Friedrich Wilhelms v. Preußen“ (1856, 21861 u. d. T. So sprach d. Kg.) anonym edierte, um die Legitimation der Monarchie zu untergraben. Nach dem Scheitern der Hoffnungen auf ein Wiederaufflammen der europ. Revolutionen vermittelte sein Freund Ludwig Bamberger (1823–99) S. als Angestellten an das Pariser Bankhaus L. Königswarter, für das er 1855–66 arbeitete. Danach machte er sich als Bankier in Paris selbständig. Im Vorfeld des preuß.-franz. Kriegs drohte ihm die Ausweisung, so daß S. sein rentables Bankgeschäft verkaufte und seit 1870 als Rentier in Montreux lebte. Politisch blieb S. immer Demokrat und Föderalist. Er gehörte zu den wenigen „48ern“, deren Amnestierung die preuß. Regierung dauerhaft verweigerte.

  • Werke

    u. a. Aus d. Exil, 2 Bde., 1855 (Autobiogr.);
    Pol. u. internat. Recht, Die elsäss.-lothr. Frage, 1871;
    10 Briefe (1850–1853), in: Ch. Jansen (Hg.), Nach d. Rev. 1848/49, 2004;
    Nachlaß:
    u. a. BA u. Staatsbibl. Berlin.

  • Literatur

    ADB 24 (fehlerhaft);
    R. v. Mohl, Lebenserinnerungen, II, 1902, S. 49 f.;
    H.-G. Böse, L. S. v. Trier (1819–1872), Leben u. Anschauungen e. rhein. 48ers., Diss. Mainz 1950;
    ders., in: E. Dühr (Hg.), „Der schlimmste Punkt in d. Prov.“, Demokrat. Rev. 1848/49 in Trier u. Umgebung, 1998, S. 142–57 (P);
    G. Hildebrandt, in: Männer d. Rev. v. 1848, hg. v. Arb.kr. Vorgesch. u. Gesch. d. Rev. v. 1848/49, 1970, S. 329–43;
    Ch. Jansen u. Th. Mergel (Hg.), Die Rev. v. 1848/49, 1998, S. 225–46;
    Ch. Jansen, in: G. Müller (Hg.), Aachen, die westl. Rheinlande u. d. Rev. v. 1848/49, 2000, S. 279–308;
    ders., Einheit, Macht u. Freiheit, Die Paulskirchenlinke u. d. dt. Pol. in d. nachrevolutionären Epoche, 22005 (P);
    Biogr. Hdb. Frankfurter NV;
    Biogr. Lex. Burschenschaft;
    Reinalter II/1.

  • Portraits

    Daguerreotypie v. J. Seib, 1848 (Hist. Mus. Frankfurt/M.);
    Lith. v. V. Schertle, 1849, nach Biows Lichtbild (UB Bonn), beide Abb. in: E. Dühr, 1998, S. 142 f., u. in Ch. Jansen, 2005 (s. L).

  • Autor/in

    Christian Jansen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jansen, Christian, "Simon, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117393991.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Simon: Ludwig S. aus Trier, Advocat und Mitglied der ersten deutschen Nationalversammlung, geb. zu Trier 1810, zu Montreux am Genfer See am 2. Febr. 1872. S., der Sohn eines Gymnasiallehrers (?) zu Trier, besuchte die Universität Bonn, wo er, beliebt bei seinen Commilitonen als Rechtscandidat ein heiteres Studentenleben führte, trat ums Jahr 1839 in die Anwaltspraxis, und wurde in seiner Vaterstadt Advocat. Im März 1848 vom zweiten rheinischen Bezirke in die deutsche Nationalversammlung nach Frankfurt a. M. gewählt, nahm er dort auf der äußersten Linken Platz, welche im Donnersberge zu berathen pflegte. Reichbegabt, von einem glücklichen Gedächtnisse unterstützt, voll jugendlichen Ungestüms für eine demokratische Gestaltung Deutschlands, gehörte S. zu den namhaftesten Mitgliedern dieser kleinen aber äußerst rührigen Partei und zollten ihm auch die übrigen Fractionen eine gewisse Achtung, deren sich nicht alle Genossen der äußersten Linken erfreuten. Zugleich war er einer der gewandtesten und besten Redner des Hauses; seine mit volltönender Stimme gesprochenen Reden, die sich durch juristischen Scharfsinn und strenglogische Beweisführung kennzeichneten, hatten etwas Packendes. Als er gelegentlich des Malmöer Waffenstillstandes gegen Ende einer zündenden Rede ausrief: Auch wir verweilen mit Wohlgefallen auf den Bildnissen des Großen Kurfürsten und Friedrich des Großen; aber diese würden sich im Grabe herumdrehen, wenn sie vernehmen könnten, wie ihr Andenken dazu mißbraucht wird, um Deutschland von Dänemark in den Staub treten zu lassen, da erscholl (wie Wichmann in seinen Denkwürdigkeiten aus der Paulskirche berichtet,) von den verschiedensten Seiten ungetheilter stürmischer Zuruf, der nur noch überboten wurde, als er zum entschlossenen Handeln auffordernd, mit Goethe's Worten schloß:

    „Säume nicht, dich zu erdreisten, Wenn die Menge zaudernd schweift; Alles kann der Edle leisten, Der versteht, — und rasch ergreift.“

    Als der Rest des Parlamentes (das sog. Rumpfparlament) Anfang Juni 1849 nach Stuttgart übersiedelte, war S. bei dem Reste. Er blieb bis zur Sprengung der Versammlung und flüchtete dann im Juli in die Schweiz (nach Horn und Appenzell), wo er ein ziemlich unstätes Leben führte. Mittlerweile wurde er in Trier in contumaciam zum Tode verurtheilt. Die später erlassene Amnestie fand auf S. als früheren preußischen Landwehrofficier keine Anwendung. In der ersten Zeit lebte er in der Ostschweiz, theilweise in den Urkantonen; vom Herbst 1850 bis dahin 1851 vertauschte er seinen Aufenthalt mit dem in Waadt, während er die Jahre 1852 und 53 in Genf und Bern verlebte. Von da unternahm er mancherlei Ausflüge ins Berner Oberland und nach Chamouny. Vom Herbste 1853 bis Sommer 1855 finden wir den unsteten Wanderer in Oberitalien (meist an der Riviera), zuletzt in Nizza, wo er die Vorrede zu seinem zweibändigen Werke „Aus dem Exil“ (Gießen 1855, I. 262, II. 356) schrieb. Das Werk schildert seine Erlebnisse und Fahrten vom Rumpfparlamente bis zu seiner Uebersiedlung nach Paris (Juni 1849 bis Juli 1855). Es enthält jedoch nicht bloße Memoiren; es sind ihnen (wie die Vorrede selbst sagt) „häufig Naturbeschreibungen, andre Mittheilungen und manches Wissenswerthe beigefügt“. Da S. in der Schweiz trotz wiederholter Versuche keine ihm zusagende Stellung fand, ging er nach Paris und trat dort (1855) als Commis in ein Bankhaus; 1866 gründete er ein eigenes Geschäft, das er nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges (gegen Ende 1870) auflöste. Er verließ Frankreich und nahm seinen Wohnsitz zu Montreux am Genfer See, wo er nach verhältnißmäßig kurzem Aufenthalte — in der Heimath vergessen und verschollen — am 2. Februar 1872 mit Tod abging. Zum Unterschiede von Max Simon aus Wohlau in Schlesien und Heinrich Simon aus Breslau, welch' Letzterer mit unserem S. auf der äußersten Linken in der Paulskirche saß, und sich gleichfalls am Rumpfparlamente betheiligte, führte S. den Namen „Simon von Trier“.

    • Literatur

      Siehe die kurzen, gleichlautenden Artikel der Convers.-Lexc. — H. Laube,|Das erste deutsche Parlament Bd. I—III, besonders III, 121. 363. — W. Wichmann, Denkwürdigkeiten aus der Paulskirche. S. 96. 238. 355. 406. 411. — Mündliche Mittheilungen von Altersgenossen.

  • Autor/in

    v. Eisenhart.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenhart, August Ritter von, "Simon, Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 377-379 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117393991.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA