Lebensdaten
1830 bis 1899
Geburtsort
Ladenburg/Neckar (Baden)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
-
Normdaten
GND: 117360384 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siegel, Heinrich Joseph
  • Siegel, Heinrich
  • Siegel, Heinrich Joseph

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Zitierweise

Siegel, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117360384.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Pfälzer Fam.;
    V Joseph (1789/90–1870), Dr. med., ghzgl. bad. Gen.stabsarzt, HR (s. Bad. Biogrr. IV), S d. Bernhard (1751–1833), Dr. iur., bad. Hofrichter, Kreisdir. in Mannheim, Staatsrat;
    M Magdalena Heiligenthal (1807–80);
    2 B Adolf Bernhard (1828–1905), Dr. med., 1862 Badearzt in Badenweiler (s. Bad. Biogrr. VI), Karl (1832–96), Jur., Stadtdir., 1887 bad. Landeskommissar f. d. Kr. Freiburg, Lörrach u. Offenburg, Sammler v. Kupferstichen, Medaillen, Münzen u. Uhren, Geh. Oberreg.rat (s. Bad. Biogrr. V);
    1864 Rosa (1844–1921), T d. Ludwig Edler v. Löhner (Ps. Ludwig Rohland, L. v. Morayn) (1812–52), Dr. med., Arzt, Pol. in W., Schriftst., Gründer d. Dt. Ver. f. Böhmen, Mähren u. Schlesien in W., Abg. d. österr. RT (s. ADB 19), u. d. Natalie Mayer v. Alsó-Rußbach (1821–99);
    2 S u. a. Carl, Gymn.lehrer, 2 T u. a. Marie (* 1868, ⚭ Franz Gaess, * 1853, Dr. phil., Chemiker, 1878–88 in d. Industrie tätig, dann Privatier, Gutsbes., entdeckte d. Dehydrothiotoluidin, Patent d. Fa. Dahl & Co., Barmen, f. e. „Verfahren z. Darst. e. neuen Thioparatoluidins, sowie v. Azofarbstoffen mittelst desselben“, DRP 35790, Mitgl. d. Naturforschenden Ges. in Freiburg, Br., Orden v. Zähringer Löwen, s. Pogg. IV);
    E Margarete Gaess (* 1898, ⚭ Leopold Löhner, 1884–1958, Prof. d. Physiol. in Graz, s. BLÄ; Teichl; Pogg. VII a–VIII).

  • Leben

    S. wuchs in Bruchsal auf, schloß 1847 das dortige Gymnasium ab und besuchte das Lyceum in Heidelberg. Seit 1849 studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg, Bonn und Gießen. 1851 gewann sein lat. Beitrag über das dt. Erbrecht nach Sachsen- und Schwabenspiegel einen Preis der Heidelberger Juristenfakultät. S. baute diese Arbeit zu einer Dissertation an der Gießener Fakultät aus (1852). Diese verlieh ihm 1853 für eine Arbeit über die „German. Verwandtschaftsberechnung“ die Venia legendi für Dt. Recht. Nach einigen Jahren als Privatdozent in Gießen wurde S. im Zuge der Reform der Juristenausbildung 1858 nach Wien als ao. Professor für Dt. Reichs- und Rechtsgeschichte|und Dt. Privatrecht berufen. 1862 lehnte er einen Ruf nach Tübingen ab und erhielt eine o. Professur (Rektor 1878/79); er las u. a. Dt. Rechtsgeschichte, Dt. Privatrecht sowie Geschichte des Strafrechts und hielt seit 1871 das Seminar „Germanistische Gesellschaft“ ab. 1898 schied er aus dem Dienst aus.

    S. gilt als Begründer der Wiener Schule der Rechtsgeschichte. Er widmete sich v. a. dem mittelalterlichen dt. Recht. So arbeitete er über das mittelalterliche Erbrecht sowie das eheliche Güterrecht in Deutschland und Österreich. Das dt. Erbrecht begriff er im Gegensatz zum römischen als Wartrecht des Erben, als Teilhabe des Erben am Erbe schon zu Lebzeiten des Erblassers. S. verfaßte eine (unvollständig gebliebene) „Geschichte des dt. Gerichtsverfahrens“ (1857) und betonte mit der „Erholung und Wandelung“ sowie der „Gefahr vor Gericht“ die Förmlichkeit des mittelalterlichen Gerichtsverfahrens. Als sein „wissenschaftliches Meisterwerk“ (Luschin v. Ebengreuth) galt seinen Zeitgenossen die historisch-dogmatische Studie über das „Versprechen als Verpflichtungsgrund“, in der er darlegte, daß anders als im röm. Recht im dt. Recht das Versprechen eines Schuldners als einseitige Willenserklärung Grund einer Verpflichtung sein könne. Darüber hinaus veröffentlichte er Skizzen zum österr. Landrecht sowie zum kanon. und langobard. Recht. Als Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften förderte er die Herausgabe mittelalterlicher Quellen. Auf seine Initiative geht die Edition österr. Weistümer zurück (1864). Zudem regte er eine Edition des Schwabenspiegels (1872, L. Rockinger) sowie der Glosse zum Sachsenspiegel (1877, E. Steffenhagen) aus Mitteln der Savigny-Stiftung an; beide Editionen blieben jedoch unvollendet. Seine Schüler waren u. a. Arnold Luschin v. Ebengreuth, Heinrich M. Schuster sowie Ernst v. Schwind.

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Gelehrtenausschusses d. German. Mus. Nürnberg (1861); Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1862, wirkl. 1863, Gen.sekr. u. Vizepräs. 1898/99) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1873, ausw. 1886); Ehrenmitgl. d. Royal Hist. Soc., London (1877); HR (1879); ausw. Mitgl. d. Böhm. Ges. d. Wiss., Prag (1879); Rr.kreuz d. Leopoldordens (1890); Mitgl. d. Herrenhauses (1891); Komturkreuz d. Franz-Joseph-Ordens mit Stern (1898).

  • Werke

    Weitere W Das dt. Erbrecht nach d. Rechtsqu. d. MA in seinem inneren Zusammenhange dargest., 1853 (Diss.);
    Die german. Verwandtschaftsberechnung mit bes. Beziehung auf d. Erbenfolge, 1853 (Habil.schr.);
    Gesch. d. dt. Ger.verfahrens, 1857 (nur ein Bd. ersch.);
    Die salzburg. Taidinge, 1870 (Hg. mit K. Tomaschek);
    Das Versprechen als Verpflichtungsgrund im heutigen Recht, 1873;
    Dt. Rechtsgesch., 1886, 31895;
    Die beiden Denkmäler d. österr. Landesrechts u. ihre Entstehung, in: SB d. Ak. d. Wiss., Wien, phil.-hist. Kl. 35, 1861;
    Die Lombarda-Commentare, ebd. 40, 1862;
    Die Erholung u. Wandelung im gerichtl. Verfahren, ebd. 42, 1863;
    Die Gefahr vor Ger. u. im Rechtsgang, ebd. 51, 1866;
    Über e. neuen Versuch, d. Charakter u. d. Entstehungszeit d. ältesten österr. Landrechtes festzustellen, ebd. 55, 1867;
    Über d. ordo iudiciarius d. Eilbert v. Bremen mit Berücksichtigung d. ecclesiastica rhetorica, ebd.;
    Das Güterrecht der Ehegatten im Stiftslande Salzburg, ebd. 99, 1882;
    Die rechtl. Stellung der Dienstmannen in Österr. im zwölften u. dreizehnten Jh., ebd. 102, 1883;
    Das pflichtgemäße Rügen auf d. Jahrdingen u. sein Verfahren, ebd. 125, 1891;
    Das erzwungene Versprechen u. seine Behandlung im dt. Rechtsleben, ebd. 128, 1893;
    Der Handschlag u. Eid nebst d. verwandten Sicherheiten f. e. Versprechen im dt. Rechtsleben, ebd. 130, 1894;
    Die dt. Rechtsbücher u. d. Kaiser Karls-Sage, ebd. 140, 1899.

  • Literatur

    A. Hinrichsen, in: Das literar. Dtld., 21891;
    A. Luschin v. Ebengreuth, in: ZSRGG 20, 1899, S. VII ff.;
    H. Schuster, H. S., Eine Gedenkrede, 1899;
    J. Karabacek in: Alm. d. Ak. d. Wiss. zu Wien 50, 1900, S. 362 ff. (P);
    A. v. Wretschko, H. S., Ein Bild seines Lebens u. Wirkens, 1900 (W-Verz., P);
    F. v. Weech u. A. Krieger, in: Bad. Biogrr. V, 1906, S. 726–29;
    J. F. v. Schulte, Lebenserinnerungen I, 21908, S. 87 f.;
    Stintzing-Landsberg III/2, S. 895 ff.;
    R. Meister, Gesch. d. Ak. d. Wiss. in Wien 1847–1947, 1947, S. 82, 87, 91 f., 110, 132 f., 257, 313 f., Tafel 29 (P);
    H. Lentze, Die germanist. Fächer an d. jurid. Fak. d. Univ. Wien, in: Studien z. Gesch. d. Univ. Wien II, 1965, S. 66 ff.;
    A. Teichmann, in: BJ IV, S. 91–94 u. Tl.;
    H. P. Glöckner, in: HRG;
    Wurzbach;
    Hist. Lex. Wien;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    ÖBL.

  • Portraits

    Ölgem. v. Julius Schmid, 1894;
    Stich v. A. Steininger (o. J.);
    Lith. v. Boepple (o. J.) (alle Wien, Univ.archiv);
    Büste v. M. Horsetzky Edle v. Hornthal, 1902 (Wien, Univ.).

  • Autor/in

    Stephan Dusil
  • Empfohlene Zitierweise

    Dusil, Stephan, "Siegel, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 338-339 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117360384.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA