Lebensdaten
1867 bis 1938
Geburtsort
Heiligengrabe (Ostprignitz)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117299065 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lütgert, Wilhelm
  • Luetgert, Wilhelm
  • Lütgert, W.

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Zitierweise

Lütgert, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117299065.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1828–1902), Lehrer in H., seit 1875 Pfarrer in Techow, S d. Lehrers Heinrich Christoph L. gen. Hagemeyer in Quelle u. d. Christine Margarethe Lütgert;
    M Christine, T d. Gutsbes. Jean Niclas Klein;
    Martha (1878-n. 1946), T d. Rittergutsbes. August Sellschopp in Gr.-Stove b. Rostock u. d. Emilie Strempel; Schwägerin Anna ( Erich Schaeder, 1861–1936, Prof. d. Theol. in Breslau);
    5 S, 2 T.

  • Leben

    Erzogen im Geiste L. v. Rankes, A. Trendelenburgs und F. J. Stahls, studierte L. 1886-89 Theologie in Greifswald, besonders bei H. Cremer, und in Berlin, wo ihn A. Stöcker und H. Treitschke prägten. Ein anonymes Stipendium ermöglichte 1892 Promotion und Habilitation im Fach Neutestamentliche Exegese. 1895 wurde er ao., 1902 o. Professor in Halle als Nachfolger von W. Beyschlag. Seit 1904 gab L. zusammen mit dem Studienfreund aus der Greifswalder Zeit, A. Schlatter, die von beiden 1897 begründeten, 1920 noch um eine Monographienreihe erweiterten (und bis 1966 fortgeführten) „Beiträge zur Förderung christlicher Theologie“ heraus. Als Exeget untersuchte L. vor allem Probleme der neutestamentlichen Eschatologie und Ethik sowie die im Urchristentum erkennbaren enthusiastischen und gnostischen Strömungen. Ohnedies auch theologiegeschichtlich arbeitend, wechselte er 1912 als Nachfolger von M. Kahler auf die systematische Professur in Halle; 1912 wurde er zudem Ephorus des Tholuckschen und des Schles. Konviktes, 1916 Geh. Konsistorialrat. Nach, dem Kriege führte L. seine Studien zum 18. und 19. Jh. in einer Diagnose der religiösen Lage Deutschlands fort. Das zusammenfassende vierbändige Werk über die „Religion des deutschen Idealismus und ihr Ende“ (1923-30, Beil. 1924, teilweise mehrere Auflagen) zeichnet sich nicht nur durch breite Quellenkenntnis aus, sondern auch durch die Absage an gängige „patriotische Legenden“; an die Stelle restaurativer „Zurück“-Parolen tritt die „objektive Kritik der Geschichte“ am idealistischen Denken und an der „erwecklichen Frömmigkeit“ des 19. Jh. 1929 nach Berlin berufen, versuchte L. die Möglichkeit einer neuen Theologie der Natur und damit das Ende des Idealismus zu beweisen. Er setzte sich sowohl von der „naturalistischen“ Auflösung der Theologie durch die Deutschen Christen als auch von der Verdrängung des Themas der Natur in der Theologie der Krisis Karl Barths ab, um sich selbst der Kritizismus-Kritik J. G. Hamanns und dem organologischen Denken F. Baaders und des späten Schelling anzuschließen. Die von diesem übernommenen spekulativen Momente sowie der Umstand, daß L., von theologischer Schulbindung sich frei fühlend, die tatsächliche historische Stellung des von ihm geforderten „biblischen Realismus“ nicht nachdrücklich kenntlich machte, haben seine Nachwirkung zunächst auf seinen Beitrag zur Gnosis-Forschung begrenzt. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung, die in jüngster Zeit die Theologie der Natur im Zusammenhang der Ökologie-Diskussion gewinnt, hat auch L.s Schöpfungstheologie wieder stärkere Beachtung gefunden|.

  • Auszeichnungen

    D. theol.

  • Werke

    Das Reich Gottes nach d. synopt. Evangelien, 1894;
    Die johanneische Christol., 1899, 21916;
    Freiheitspredigt u. Schwarmgeister in Korinth, 1908;
    Der Erlösungsgedanke in d. gegenwärtigen Glaubenslehre, 1929;
    Schöpfung u. Offenbarung, Eine Theol. d. ersten Artikels, 1934, 1985;
    Die theol. Krisis d. Gegenwart u. ihr geistesgeschichtl. Ursprung, 1936;
    Ethik d. Liebe, 1938.

  • Literatur

    P. Althaus, G. Kittel, H. Strathmann, A. Schlatter u. W. L. z. Gedächtnis, in: Btrr. z. Förderung Christl. Theol. 40, 1938, S. 9 ff.;
    RGG2;
    LThK.

  • Portraits

    Phot. in: F. Mildenberger, Gesch. d. dt. ev. Theol. im 19. u. 20. Jh., 1981, S. 271.

  • Autor/in

    Walter Sparn
  • Empfohlene Zitierweise

    Sparn, Walter, "Lütgert, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 479 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117299065.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA