Lebensdaten
1862 bis 1930
Geburtsort
Konstantinopel (Istanbul)
Sterbeort
Hollywood bei Los Angeles (USA)
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117265861 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schildkraut, Rudolph Maximilian
  • Schildkraut, Rudolf
  • Schildkraut, Rudolph Maximilian
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Zitierweise

Schildkraut, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117265861.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Hotelier, bereits vor S.s Geburt oder bald danach verstorben;
    M N. N. ( 2] N. N., Gastwirt, Hotelier in Braila, Rumänien), vermutl. vor 1900 nach Buenos Aires (Argentinien) ausgewandert;
    1894/95 (?) Erna Weinstein ( 1940), T e. Rabbiners in Verbo (?) (Ungarn);
    1 S Joseph (1895–1964), aus Wien, Schausp., 1912/13 Ausbildung an d. American Ac. of Dramatic Arts, New York, 1913 Debüt am Irving Place Theatre, ebd., seit Okt. 1913 b. Max Reinhardt, dann b. Victor Barnowsky (Lessing-Theater, Berlin), 1916 Volksbühne Wien, 1918 Dt. Volkstheater Wien, 1920 Auswanderung in d. USA, gemeinsame Theater- u. Filmauftritte mit S.,|zweimal Oscar-Preisträger (s. Kosch, Theater-Lex.; Sucher, Theater-Lexikon; W, L).

  • Leben

    Kindheit und erste Schuljahre verbrachte S. in Braila (Rumänien). Gegen 1875/76 kam er in einem Internat in Hermannstadt erstmals in Kontakt mit der dt. Sprache. Mit etwa 15 Jahren soll er sich – der Darstellung seines Sohnes zufolge – einer Theatertruppe angeschlossen haben. S. selbst behauptete stets, bei Friedrich Mitterwurzer (1842–97) als einziger Schüler ausgebildet worden zu sein; danach habe er etwa acht Jahre lang die österr.-ungar. Bühnenprovinz (u. a. Teplitz, Preßburg) durchwandert (jugendl. Charakterfach, Liebhaber, Bonvivants). In seinem ersten wichtigen Engagement am Wiener Raimund-Theater 1893 wurde S. in Rollen des klassischen Repertoires bekannt (Wurm, in: Kabale u. Liebe v. F. Schiller), v. a. aber in solchen des Volkstheaters und der Operette (Frosch, in: Die Fledermaus v. J. Strauß, Kálmán Zsupán, in: Der Zigeunerbaron v. J. Strauß), wodurch ihm 1898 der Wechsel ans Carl-Theater gelang. 1900 holte ihn Alfred Frhr. v. Berger (1853–1912) an sein Dt. Schauspielhaus in Hamburg (Debüt: Egon Wolf, in: Jugend von heute v. O. Ernst). Hier entwickelte sich S. zum herausragenden Charakterdarsteller. Namentlich sein Lear (1901) verbreitete seinen Ruhm wie er überhaupt mit seinen Vaterfiguren zu ergreifen wußte. Von Hamburg ließ sich S. 1905 von Max Reinhardt (1873–1943) ans Dt. Theater nach Berlin abwerben, was ein gerichtliches Nachspiel zur Folge hatte.

    S.s Stärke beruhte auf seiner überlegenen Präsenz, seiner meisterlichen Beherrschung der Maske, seiner Wandlungsfähigkeit und seinem Vermögen, seine Figuren psychologisch präzise in ihrer Ambivalenz zu formen. In der Zeit seiner Zugehörigkeit zum Reinhardt-Ensemble erspielte er sich mit dem Shylock (Der Kaufmann v. Venedig v. W. Shakespeare, 1905 u. 1913) seine bedeutendste Leistung: S. interpretierte ihn als Dulder, der seinen Handel ohne rächendes Kalkül tätigt und den Prozeßausgang zwar als Vernichtung erlebt, dessen Schicksal aber nicht die Leichtigkeit des fünften Akts überschattete. Auch seinen übrigen jüd. Figuren (u. a. Jankel Schepskowitsch, in: Der Gott d. Rache v. Sholem Asch) wurde besondere Authentizität zuerkannt.

    1910/11 ermöglichte ein sechsmonatiger Urlaub S. eine Tournee im Variété-Rahmen, die ihn über Berlin, Hamburg, Stuttgart und Wien zuletzt auch an die führende dt.sprachige Bühne Amerikas führte (Irving Place Theatre, New York). Da sein Vertrag bei Reinhardt danach aus nicht ganz geklärten Gründen ein abruptes Ende fand, versuchte er zunächst, über das jiddischsprachige People's Theatre in New York Fuß zu fassen (1911-13). Die nochmalige Rückkehr nach Europa i (Mai 1913) ermöglichte ihm nicht nur eine Karriere beim Berliner und Wiener Film (Debüt: Der Shylock v. Krakau, 1913), auch sein Vertrag mit Reinhardt wurde erneuert (1913-20). 1920 emigrierte S. endgültig in die Vereinigten Staaten, um an verschiedenen jiddischen Theatern in New York aufzutreten (u. a. 1920/21 am Jewish Art Theatre). Im Dez. 1922 spielte er auch erstmals auf Englisch (The God of Vengeance v. S. Asch). 1925 gründete er mit seinem Sohn und dem Schriftsteller Ossip Dymow in der Bronx ein jiddisches Kammerspieltheater (Eröffnung mit Bronx Express, Komödie v. O. Dymow). Während ihm der Sprung an den Broadway nicht gelang, nahmen ihn der „Vater Hollywoods“ Cecil B. de Mille und Metro-Goldwyn-Meyer unter Vertrag. 1929 machte sich ein Herzleiden bemerkbar, an dem S. im Jahr darauf verstarb.

  • Werke

    15 Filme in Dtld. u. Österr. bis 1920, u. a. Dämon u. Mensch, 1914/15;
    Lache, Bajazzo, 1914/15;
    Schlemihl, 1915;
    Der Glücksschneider, 1916;
    Theodor Herzl, der Bannerträger d. jüd. Volkes, 1920;
    Filme in d. USA u. a. His People, 1925;
    The Country Doctor, 1927;
    The King of Kings, 1927;
    Christina, 1929;
    zu Joseph:
    Otto Frank, in: The Diary of Anne Frank, v. F. Goodrich u. A. Hackett (Cort Theatre, New York), 1955 u. 1959 (Filmversion).

  • Literatur

    S. P. Raché, in: Bühne u. Well V, Nr. 20, 1903, S. 867-70;
    A. Lindner, S. auf der Virtuosenwalze, ebd. XIII, Nr. 10, 1911, S. 421-25;
    Joseph Schildkraut, My father and I, as told to Leo Lania, 1959;
    Eisenberg;
    Wininger;
    Dt. Bühnen-Jb. 42, 1931, S. 118;
    Juden im dt. Kulturbereich, hg. v. S. Kaznelson, 21959;
    A. Kerr, Mit Schleuder u. Harfe, 1985;
    Enc. dello Spettacolo VIII, 1961;
    Enc. Jud. 1971 (P);
    ÖBL;
    K. Weniger, Das gr. Personenlex. d. Films, 2001;
    Kosch, Theaterlex.;
    Sucher, Theater-Lex.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Schildkraut, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 757-758 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117265861.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA