Lebensdaten
1834 bis 1901
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Schloß Rißtissen (Kreis Ehingen, Württemberg)
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117242276 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schenk von Stauffenberg, Franz Ludwig Cajetan Friedrich Carl August Freiherr
  • Schenk von Stauffenberg, Franz Freiherr
  • Schenk von Stauffenberg, Franz Ludwig Cajetan Friedrich Carl August Freiherr

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Zitierweise

Schenk von Stauffenberg, Franz Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117242276.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1806–74), auf Rißtissen, bayer. Kammerherr (s. W), S d. Friedrich (1767–1808), auf Amerdingen, Greiffenstein usw., ksl. Rat, bfl. bamberg. Hofmarschall, Rr.hptm. d. Rr.schaft d. Kt. Gebürg, 1804-06 Präs. d. Reichskammergerichts in Wetzlar, würzburg. Staatsminister (beide s. Einl.), u. d. Charlotte Freiin v. Harff (1777–1853, 2] Friedrich Frhr. Reding zu Biberegg);
    M Klementine (1812–79), T d. Cajetan Gf. Butler v. Clonebough (1777–1827), auf Haimhausen, bayer. Gen.major, u. d. Maria Anna Freiin v. Gaugreben (1783–1844);
    Ov Franz (1801–81, 1874 Gf.), 1849-81 Präs. d. Kammer d. Reichsräte Bayerns (s. Einl.);
    B Karl (1844–87), bayer. Major;
    Würzburg 1860 Ida (1837–87), T d. Ludwig Gf. v. Geldern-Egmond (1808–72), auf Thurnstein, bayer. Kammerherr, u. d. Wilhelmine Freiin v. u. z. Guttenberg (1813–58);
    1 S Franz (1878–1950), auf Rißtissen, Wilflingen u. Geislingen, Oberstlt. d. Res., 1924-28 u. 1930-15 MdR (DNVP bzw. Württ. Bauern- u. Weingärtnerbund bzw. NSDAP), Dr. h. c. (s. Wenzel; Schumacher, M. d. R.; Biogr. Hdb. Württ. LT);
    3 T Elisabeth (1864–1939, Hugo Frhr. v. Linden, 1854–1936, württ. Dipl., Min.dir., Leiter d. Pol. Abt. d. württ. Außenmin., Staatsrat, s. NDB 14 Fam.art.), Olga (1866–1953, Friedrich Gf. v. Otting-Fünfstetten, 1856–1935), Gabriele (1869–1956, Gustav Frhr. v. Habermann, 1854–1919);
    E Hedwig (1883–1944, Otto Frhr. v. Berchem, 1877–1949, Gen.major d. Luftwaffe); Ur-E d. Ov Alexander ( Melitta Schiller, s. 2), Althist., Claus (s. 3).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1851 am Augsburger Benediktiner-Gymnasium St. Stephan studierte S. in Heidelberg (dort Corps Guestphalia) und Würzburg Jura. Seit 1862 als 2. Staatsanwalt in Augsburg, gab er den bayer. Justizdienst 1866 auf, um drei Familiengüter zu bewirtschaften. Zugleich errang er ein Landtagsmandat für die von ihm 1863 mitbegründete bayer. Fortschrittspartei, das er mit Unterbrechungen bis 1898 behielt. Zeitlebens den Idealen Freihandel, Rechtsstaatlichkeit, Bürgerpartizipation verpflichtet, trat er für die Reformgesetze des Kabinetts Hohenlohe ein und engagierte sich für Bildungsfragen wie Volksbüchereien, überkonfessionelle Schule und staatsbürgerlichen Unterricht. 1867 und 1870 scheiterte S.s Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe. Das Amt des Präsidenten der Abgeordnetenkammer seit 1871 verlor er 1875 an die Patriotenpartei, deren konservativ-klerikales Weltbild der aufgeklärte Katholik S. nicht teilte. Als „Vorkämpfer des Reichsgedankens in Bayern“ (E. Eyck) förderte er 1870/71 den Beitritt Bayerns zum Reich und gehörte 1871-93 dem Reichstag an (1874-79 Vizepräs.). Wie seine Freunde Eduard Lasker, Ludwig Bamberger oder Heinrich Rickert zählte S. – trotz gesundheitlicher Probleme – zur Spitzengruppe jener um 1830 geborenen Politikergeneration, die 1866 mit der Nationalliberalen Partei, 1880 in der sog. Sezession, 1884 in der Dt. Freisinnigen Partei die Liberalisierung des Obrigkeitsstaats anstrebte. War S. noch 1877 im Zuge der Minister-Sondierung Bismarcks bei Rudolf v. Bennigsen als Staatssekretär des Reichsschatzamtes erwogen worden, so geriet er seit 1878/79 mit der konservativen Wende|Bismarcks in ohnmächtige Opposition. Obwohl ein gewinnender und schlagfertiger Redner, blieben S. und der Freisinn in Streitfragen vom Schutzzoll über das Sozialistengesetz (das er seit 1884 offen ablehnte) bis zur Militärvorlage 1892/93 stets in der Minderheit. Angesichts von Wahlniederlage und Spaltung des „Freisinns“ 1893 verlor S. den Vorsitz im Zentralwahlkomittee dieser Partei und unterstützte die abgespaltene Freisinnige Vereinigung. S. stellte als Linksliberaler nach 1880 eine Ausnahme im konservativ gesinnten Altadel dar und war als Person über Parteigrenzen geschätzt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Würzburg 1882).

  • Werke

    Die Schenken v. Stauffenberg, Geschichtl. Nachrr. v. diesem Geschl. nach Urkk. zus.gestellt, 1876 (mit Friedrich Schenk v. Stauffenberg);
    Reden in: Stenograph. Berr. d. Verhh. d. Kammer d. Abg. d. Bayer. LT 1866-98 u. Verhh. d. RT 1871–93.

  • Literatur

    T. Barth, Pol. Porträts, 1904, S. 44-48;
    H. Oncken, R. v. Bennigsen, II, 1910;
    P. Wentzcke (Hg.), Dt. Liberalismus im Za. Bismarcks, II, 1926 (P);
    E. Eyck, Bismarcks Leben u. Werk, III, 1944, bes. S. 206;
    H. Steinsdorfer, F. Frhr. S. v. S., Diss. München 1959;
    G. Seeber, Zw. Bebel u. Bismarck, 1965;
    G. Wunder, Die Schenken v. S., Eine Fam.gesch., 1972;
    Art. z. Dt. Freisinnigen Partei u. Freisinniger Vereinigung in: U. Fricke (Hg.), Lex. z. Parteiengesch., II, 1984;
    D. Langewiesche, Liberalismus in Dtld., 1988;
    A. Biefang, Bismarcks RT, 2002 (P);
    S. Günther, in: BJ VI, 1901, S. 221-24;
    Fränkische Lebensbilder II, 1922, S. 437-40;
    Polit. Nachlaß:
    BA Berlin-Lichterfelde (wichtige Qu. z. Linksliberalismus);
    BA Koblenz, Kl. Erw. Nr. 303-3 u. - 4 (Briefabschrr.).

  • Autor/in

    Hartwin Spenkuch
  • Empfohlene Zitierweise

    Spenkuch, Hartwin, "Schenk von Stauffenberg, Franz Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 677-678 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117242276.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA