Lebensdaten
1870 bis 1914
Geburtsort
Schwetzingen
Beruf/Funktion
Musiktheoretiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117231630 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Louis, Rudolf
  • Louis, Johann Rudolf

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Zitierweise

Louis, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117231630.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1833–77), Dr. med., Arzt, S d. Daniel (1798–1848), Dir. d. Höheren Bürgerschule in Heidelberg, u. d. Joh. Marie Louise Kisselbach;
    M Amalie Breyer (1850–90);
    Wien 1895 Marie (* 1868), T d. (Musikers?) Peter Ivanko u. d. Theresia Parfi;
    2 S, u. a. Rudolf (* 1896), Syndikus u. Dir. d. Brandenburg. Jutespinnerei AG Brandenburg/Havel.

  • Leben

    L. studierte Philosophie in Genf und Wien. Dort wurde er 1893 mit der Dissertation „Der Widerspruch in der Musik“ (1893) promoviert. Während dieser Zeit war er auch Schüler des durch Berlioz, Liszt und Wagner beeinflußten Komponisten Friedrich Klose. Die dabei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten erweiterte und vertiefte er durch eine Dirigentenausbildung in Karlsruhe unter dem Wagnerdirigenten Felix Mottl. 1897 zog L. nach zweijähriger Tätigkeit als Theaterkapellmeister in Landshut und Lübeck nach München, wo er sich bald einen Namen als Musikschriftsteller erwarb. Er schrieb seit 1900 in der Nachfolge von Heinrich Porges Konzertkritiken für die „Münchner Neuesten Nachrichten“. Vor allem durch seine Tätigkeit als Kritiker hatte L. bedeutenden Einfluß auf das Münchener Musikleben, insbesondere auf das Konzertwesen. Seine stark subjektiv geprägten Stellungnahmen riefen häufig Widerspruch und heftige Kritik hervor; dennoch bewirkte er aufgrund seiner Persönlichkeit und Position eine deutliche Bevorzugung der Liszt- und Brucknerpflege, während etwa Brahms kaum und Reger über Jahre hinweg keine Beachtung im praktischen Musikleben der Stadt fanden.

    Von seinen Schriften verdienen besonders „Hector Berlioz“ (1904) und „Anton Bruckner“ (1904) Interesse. Allerdings dürfte der von persönlichen Vorlieben stark beeinflußte Inhalt nicht immer einer kritischen Beurteilung standhalten. Ein Kompendium seiner Musikanschauungen schuf er mit „Die deutsche Musik der Gegenwart“ (1909, 31912); auch hier mahnen seine schriftstellerischen Eigenarten trotz guter Darstellung zur Vorsicht in der Bewertung. Bedeutend ist L.s „Harmonielehre“, die er 1907 (101933) gemeinsam mit Ludwig Thuille verfaßte. Dieses Werk, kurz charakterisiert als ein Kompromiß zwischen Hugo Riemanns Funktionstheorie und der Generalbaßbezifferung, gilt heute noch mitsamt dem Aufgabenbuch als Wegweiser in das moderne harmonische Denken und wird häufig als Lehrbuch verwendet. Für den musiktheoretischen Teil dieser Schrift zeichnet allein L. verantwortlich. Als Komponist weckte L. nicht allzu großes Interesse, nur wenige seiner Kompositionen sind bekannt, wie beispielsweise die sinfonische Dichtung für Orchester „Proteus“, die 1903 bei der Tonkünstlerversammlung in Basel uraufgeführt wurde.

  • Werke

    Weitere W Die Weltanschauung Richard Wagners, 1898;
    Franz Liszt, 1900;
    Grundriß d. Harmonielehre, 1908;
    Aufgaben f. d. Unterricht in d. Harmonielehre, 1911;
    Schlüssel f. d. Harmonielehre, 1912.

  • Literatur

    H. Riemann, Eine neue Harmonielehre, in: Süddt. Mhh., April 1907, S. 500 (L.s Erwiderung darauf, ebd., Mai 1907, S. 614);
    E. Istel, in: Die Musik, 15, 5 (1914-15), S. 222;
    MGG VIII (W);
    Riemann;
    The New Grove XI.

  • Autor/in

    Mechthild Albus
  • Empfohlene Zitierweise

    Albus, Mechthild, "Louis, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 258-259 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117231630.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA