Lebensdaten
1888 bis 1975
Geburtsort
Neisse (Oberschlesien)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 117160164 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schulemann, Werner

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Zitierweise

Schulemann, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117160164.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz ( 1936), Kaufm. in N.;
    M Helene Meyer;
    1) 1915 Louise Lang, 2) 1933 Elisabeth Auguste Klepping;
    1 S aus 1).

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Neisse studierte S. seit 1909 Medizin und Chemie in Freiburg (Br.) und dann in Breslau, wo er 1913 das Chemiestudium mit dem „Verbandsexamen“ und 1914 das Medizinstudium mit dem Staatsexamen abschloß. In Breslau wurde er 1913 von Johannes G. Gadamer (1867–1928) zum Dr. phil. (Unterss. über d. Haftfestigkeit organ. gebundenen Quecksilbers in aromat. Verbindungen) und 1914 in Freiburg von Hermann Küttner (1870–1932) zum Dr. med. (Über Metachromasie b. Vitalfarbstoffen) promoviert. Im 1. Weltkrieg arbeitete S. 1915-18 in verschiedenen Lazaretten als Chirurg. Hier entstanden Arbeiten über Wundinfektionen und über atypische Schußverletzungen sowie grundlegende Studien über die Vitalfärbung mit Benzidinderivaten (Trypanblau). Methodisch leiteten diese über zu seinem späteren Hauptarbeitsgebiet, der Chemotherapie von Infektionen. 1918 trat er in die Forschungsabteilung der „Bayer AG“ in Wuppertal-Elberfeld ein, wo er 1927 Prokurist, 1930 stellvertretender und 1931 Direktor der Abteilung Arzneimittelsynthese wurde.

    Die Untersuchungen Wilhelm Roehls (1881–1929) zur Chemotherapie von Protozoeninfektionen führten bei der Bayer AG 1926 zum Plasmochin (Pamaquin). Diese Arbeiten wurden durch eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Chemiker Fritz Schönhöfer (1892–1965) und August Wingler (1898–1960) sowie S. als Pharmakologen und später Walter Kikuth (1902–1955) als Mikrobiologen auf breiter Basis fortgesetzt. Neben Substanzen auf der Basis des Chinolins wurden auch Acridinderivate synthetisiert und geprüft. Diese umfangreichen Studien bilden den Kern von S.s wissenschaftlichem Werk. Konzept, Versuchsplanung und Durchführung lagen weit über dem zeitüblichen Standard. Die wichtigsten dabei gefundenen Substanzen waren Plasmochin, Atebrin und Resochin. Letzteres wird noch heute in der Malariatherapie und bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt. Die Forschungen zur Chemotherapie der Malaria zählen zu den bedeutenden Ergebnissen der Arzneimittelforschung im 20. Jh. Zwar konnten Millionen von Menschen von der Malaria geheilt werden, die erstrebte Auslöschung der Seuche gelang aber bis heute nicht. Während seiner Tätigkeit bei der Bayer AG war S. auch wesentlich an der Entwicklung anderer Pharmaka beteiligt, so des Schlafmittels Phanodorm, des Desinfektionsmittels Zephirol und des Lokalanästhetikums Tutocain.

    1938 wurde S. auf den Lehrstuhl für Paramakologie und Toxikologie der Univ. Bonn berufen (1958 em.). 1944 wurde sein Institut zerstört, 1945-50 war er wegen seiner Mitgliedschaft in der SA (seit 1933) vom Dienst suspendiert. Danach setzte er seine Arbeiten auf dem Gebiet der Malariaforschung an der Univ. Bonn fort, wobei Fragen der vorbeugenden Bekämpfung mit Untersuchungen in trop. Gebieten im Rahmen von Projekten der WHO im Vordergrund standen. Bedeutende Leistungen erbrachte S. auch bei der Erforschung des tibet. Buddhismus (Lamaismus). Er beschäftigte sich intensiv mit Religion, Philosophie, Sprache, Kunst und Brauchtum zentralasiatischer Völker, und unternahm mehrere Reisen in die Region. Er baute eine bedeutende Sammlung von Kunstgegenständen auf, die sich heute im Museum für Ostasiatische Kunst der Stadt Köln befindet.

  • Auszeichnungen

    Emil Fischer-Medaille d. Ges. Dt. Chemiker (1928); Honorarprof. d. Med. Ak. Düsseldorf (1931); Ehrenmitgl. d. Royal Soc. of Medicine, London (1934) u. d. Soc. de Pathologie Exotique Paris (1936); Mitgl. d. Leopoldina (1938); Mary Kingley-Medal d. Liverpool School of Tropical Medicine (1938); Berhard Nocht-Medaille d. Tropeninst. d. Univ. Hamburg (1940); v. Klebulsburg-Medaille d. Univ. Szeged (1949); Carl-von-Linnéus-Medaille d. Schwed. Ak. d. Wiss. Stockholm (1963); Gr. BVK (1958); Dr. rer. nat. h. c. (TH Braunschweig 1958, Toulouse 1966).

  • Werke

    Theorie u. Praxis pharmakolog. Forschung, 1967;
    Die Kunst Zentralasiens als Ausdrucksform religiösen Denkens, 1953.

  • Literatur

    O. R. Klinner, in: Arzneimittel-Forsch. 8, 1958, S, 305 f. (P);
    R. Domenjoz, in: Jb. d. Rhein.-Westf. Ak. d. Wiss. 1976, S. 30-32 (P);
    W. Mohr. in. Zs. f. Tropenmed. u. Parasitologie 24, 1973, S. 129 f.;
    The Lancet v. 12.7.1975, S. 85 f.;
    U. Toyka-Fuong, Die Kultplastiken d. Slg. W. S. in Köln, 1983;
    O. Wenig (Hg.), Verz. d. Professoren u. Dozenten d. Univ. Bonn 1818-1968, 1968;
    H.-P. Höpfner, Gesch. d. Univ. Bonn im Dritten Reich, 1999, S. 283-85;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1954-70;
    Wi. 1955-71;
    Pogg. VI-VIII.

  • Autor/in

    August W. Holldorf
  • Empfohlene Zitierweise

    Holldorf, August W., "Schulemann, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 675-676 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117160164.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA