Lebensdaten
1894 bis 1973
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117143359 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morel, Willy

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Zitierweise

Morel, Willy, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117143359.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard ( v. 1907);
    M Blanca Schnapper ( 1945), emigrierte im Juni 1938 v. F. nach Weybridge (England);
    B Max (1888–1966), Bankier, emigrierte 1935 nach Großbritannien;
    Schw Adela (1896–1975, Dr. Otto Eberstadt (1885-1975), aus Frankfurt/Main, Dr.), emigrierte 1938 nach Großbritannien, Doz. an d. Univ. Durham; – ledig;
    N David E. Eversley (* 1921, bis 1943 Ernst Carl Eduard Eberstadt), Prof. f. Demographie u. Regionalstud. an d. Univ. Sussex u. Berkeley (Kalifornien), seit 1973 korr. Mitgl. d. Dt. Ak. f. Städtebau u. Landesplanung (s. BHdE II), John Eversley (* 1908, bis 1945 Hans Walter Eberstadt), Doz. an d. Univ. Durham, Betriebsleiter in Cottered (Hertshire, England).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Frankfurter Goethe-Gymnasium (1913) widmete sich M., im Weltkrieg zweimal verwundet, in Freiburg (Breisgau), Straßburg und Frankfurt dem Studium der klassischen Philologie, das er in seiner Heimatstadt 1920 mit der Promotion bei Hans v. Arnim und Walter F. Otto aufgrund der Dissertation über „De Euripidis Hypsipyla“ sowie 1921 mit dem Ersten Staatsexamen abschloß. Seine finanziellen Mittel erlaubten es ihm, ohne permanente Lehr- oder Publikationspflichten als Privatgelehrter zu leben. Er konnte sich auf einzelne Vorhaben konzentrieren, die neben zahlreichen kleinen Aufsätzen und Miszellen vor allem in zwei Editionen sowie seinen beiden Forschungsberichten über Aischylos (1932/33) und Euripides (1938) ihren Niederschlag fanden. Selbst nach 1933 konnte M., obwohl jüdischer Herkunft, zunächst relativ unbelästigt weiterarbeiten und publizieren. 1931-40 erschienen Beiträge M.s für die Realenzyklopädie von Pauly-Wissowa, 1941 ein Aufsatz in der niederländ. Zeitschrift Mnemosyne. Nach dem November-Pogrom 1938 wurde M. jedoch in ein Konzentrationslager verschleppt. 1939 konnte er nach Großbritannien emigrieren, wo er für die Dauer von fünf Jahren an der Heath Grammar School in Halifax unterrichtete. Seit Februar 1949 war M. brit. Staatsbürger. Nach 1955 erschienen nur noch kleinere Aufsätze und Miszellen, teils in engl., teils in deutscher Sprache. Insbesondere übersetzte er Menanders „Samia“ ins Deutsche (Gymnasium 65, 1958 u. 77, 1970).

    M.s wichtigste Leistung bildet die Edition der „Fragmenta poetarum latinorum epicorum et lyricorum praeter Ennium et Lucilium“ (FPL, 1927, unveränderter Nachdr. o. J., 1963, hierzu Index Morelianus, hrsg. v. M. Bini, 1980, und Supplementum Morelianum, hrsg. v. A. Traina u. M. Bini, 21990). Trotz nennenswerter Einwände, formuliert u. a. in den Rezensionen von U. Knoche (Gnomon 4, 1928) und A. E. Housman (Classical Review 42, 1928), konnten die FPL jahrzehntelang nicht wirklich ersetzt werden, da auch die Nachfolge-Edition von K. Büchner (1982) viele Wünsche offenließ und E. Courtneys „The Fragmentary Latin Poets“ (1993) nicht alle von M. publizierten Texte bietet. 1995 erschien die dritte Auflage der FPL (Post M.-Büchner ed. Blänsdorf). Bei der diffizilen Interpretation der oft nur aus wenigen Worten bestehenden Fragmente war für mindestens 55 Jahre die Auseinandersetzung mit M.s Sammlung unumgänglich.

  • Werke

    Weitere W u. a. Appendix Vergiliana (31935).

  • Literatur

    A. Traina u. M. Bini, Dal M. al Büchner, In margine alla nuova edizione dei FPL, in: Rivista di filologia e di istruzione classica 113, 1985, S. 96-119;
    E. Mensching, Ein Nachruf auf W. M., in: Latein u. Griech. in Berlin, 33, 1989, S. 110-24, wieder in: ders., Nugae z. Philologie-Gesch. III, 1990, S. 48-63 (W-Verz., P).

  • Autor/in

    Eckart Mensching
  • Empfohlene Zitierweise

    Mensching, Eckart, "Morel, Willy" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 97 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117143359.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA