Lebensdaten
1852 bis 1932
Geburtsort
Pera (Istanbul)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Orientalist ; Diplomat
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117142948 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mordtmann, Johannes Heinrich
  • Mordtmann, Johann Heinrich
  • Mordtmann, Johannes Heinrich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mordtmann, Johann Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117142948.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas David (s. 1);
    1) N. N. ( v. 1932), 2) Emma Mix ( 1932);
    1 T ( v. 1932).

  • Leben

    Zur Schulbildung und zum Studium wurde M. von Istanbul nach Hamburg geschickt, wo er 1861-71 das Johanneum besuchte. An der Univ. Bonn betrieb er die klassischen Studien weiter, wandte sich aber immer mehr der Orientalistik zu. In Leipzig hörte er bei dem Arabisten Heinrich Leberecht Fleischer und bei dem Altertumsforscher Georg Curtius. In Berlin, wo ihn Theodor Mommsen stark beeinflußte, erwarb er 1874 den Doktorgrad mit einer epigraphischen Arbeit, „Marmora Ancyrana“. Das Osmanische Reich, in dem er geboren und aufgewachsen war, wurde Schauplatz seiner beruflichen Karriere als Dragoman, Konsul und Generalkonsul in Thessaloniki, Istanbul und Izmir. Daneben beschäftigte sich M. mit den Denkmälern der Vergangenheit, zunächst mit himjar. und dann mit griech. und byzantin. Inschriften. Immer wieder befaßte er sich auch mit altsüdarab. Themen. Seit 1910 behandelte er vorwiegend türk. Themen und hielt Vorlesungen an der Univ. Istanbul. Das Ende des 1. Weltkriegs zwang ihn zum Verlassen seiner türk. Heimatstadt. Über Schaffhausen, Innsbruck, wo er vorübergehend lehrte, und Würzburg kam er 1920 nach Berlin. Am Orientalischen Seminar der dortigen Universität las er über islam. Realien. Die wissenschaftliche Arbeit seiner letzten Jahre konzentrierte sich auf altsüdarab. Forschungen, ermöglicht und angeregt durch die Inschriften, die Carl Rathjens und Hermann v. Wissmann nach Deutschland gebracht hatten. Als Ergebnis veröffentlichte er gemeinsam mit Eugen Mittwoch die Werke „Sabäische Inschriften“ (1931) und „Himjarische Inschriften in den Staatlichen Museen zu Berlin“ (1932).

    M. zählt zu den Pionieren der Altsüdarabistik. Seine nüchternen, philologisch exakten Studien waren zu seiner Zeit mustergültig und gelten nach wie vor als wissenschaftlich brauchbar. Die turkologischen Arbeiten spiegeln eine umfassende Belesenheit und jahrzehntelange Vertrautheit mit den Verhältnissen im Osmanischen Reich wider. Mit Georg|Jacob und Friedrich v. Kraelitz-Greifenhorst war M. einer der Wegbereiter der osman. Diplomatie. In oft knappen Aufsätzen äußerte er sich auch kompetent zu Einzelfragen der osman. Geschichte, Literatur, Sprache und Gegenwart. Darüber hinaus galt M. als Autorität auf dem Gebiet der osman. Forschung und gab der damals als wissenschaftliche Disziplin entstehenden realienkundlichen Turkologie (Osmanistik) Anregung und Rückhalt. Seine bedeutende Bibliothek wurde von der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek erworben.

  • Werke

    Weitere W Sabäische Denkmäler, 1883 (mit D. H. Müller);
    Himjar. Inschrr. u. Altertümer in d. Kgl. Museen zu Berlin, 1893;
    Btrr. z. Minäischen Epigraphik, 1897;
    Die Kapitulation v. Konstantinopel im J. 1453, in: Byzantin. Zs. 21, 1912, S. 129-14;
    Zwei osman. Paßbriefe aus dem 16. Jh., in: Mitt. z. Osman. Gesch. 1, 1922, S. 177-202;
    Suheil u. Nevbehar, Romant. Gedicht d. Mes ûd b. Ahmed (8. Jh. d. H.), 1925;
    Sunnit.-schiit. Polemik im 17. Jh., in: Mitt. d. Seminars f. Oriental. Sprachen 32, 1929, 2. Abt., Westasiat. Stud., S. 1-38;
    Zur Lebensgesch. d. Kemal Re îs, ebd., S. 39-49, Nachtrag, S. 231 f. – Mehr als 60 Artikel in: Enz. d. Islam (1912–36). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Staats- u. Univ.bibl. Hamburg.

  • Literatur

    F. Babinger, J. H. M., Zum 70. Geb.tag, in: Hamburg. Correspondent 142, Nr. 422 v. 10.9.1922, 1. Beil., S. 2;
    ders., J. H. M. z. Gedächtnis, in: Mitt. d. Seminars f. Oriental. Sprachen 35, 1932, 2. Abt., Westasiat. Stud., S. 1-16 (W-Verz., P, als Einzeldruck 1933);
    ders., in: Münchner Neueste Nachrr. 85, Nr. 182 v. 7.7.1932;
    ders., in: FF 8, 1932, S. 288;
    ders., M.s Bücherei in Hamburg, in: Hamburg. Fremdenbl., 7. Beil. zu Nr. 322 v. 19.11.1932, Literar. Rdsch., S. 29;
    N. Rachmati, in: Ungar. Jbb. 12, 1932, S. 304;
    K. Regling, in: Numismat. Zs. 42, 1932, S. 149-51.

  • Autor/in

    Hans Georg Majer
  • Empfohlene Zitierweise

    Majer, Hans Georg, "Mordtmann, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 93 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117142948.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA