Lebensdaten
1835 bis 1897
Geburtsort
Dillingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Laryngologe ; Arzt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117106259 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oertel, Max Joseph

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Zitierweise

Oertel, Max Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106259.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., kgl. Rgt.quartiermeister;
    M N. N.;
    1867 Ida Lange;
    2 T.

  • Leben

    Nach Abschluß der Gymnasialzeit in München begann O. hier ein Studium der Naturwissenschaften und der Medizin, das er 1863 mit dem Staatsexamen und der Promotion beendete. Als Assistent (1859–63) an der Münchener Klinik von Karl v. Pfeufer (1806–69) beschäftigte er sich mit der Laryngologie, die er bei mehreren Begegnungen mit dem Begründer der Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) Johann Nepomuk Czermak (1828–73) in München kennengelernt hatte. Außerdem war er Schüler des bekannten deutschen Hygienikers Max v. Pettenkofer (1818–1901) und des Physiologen Carl v. Voit (1831–1908), die beide in München wirkten. 1867 habilitierte sich O. für die Fächer Laryngologie und Rhinologie und führte diese neue Spezialdisziplin in Süddeutschland ein. 1867 erhielt er eine ao. Professur für Laryngologie an der Univ. München, die er bis zu seinem Lebensende innehatte. Darüber hinaus arbeitete er als praktischer Arzt in München, als Hausarzt und Spezialarzt für Halserkrankungen.

    1878 beschrieb O. erstmals ein Stroboskop zur Untersuchung des Stimmbildungsapparats am lebenden Menschen. Das von ihm erfundene elektroakustische Laryngostroboskop wurde 1895 in seiner endgültigen Form vorgestellt. Mit diesem Instrument konnten die Mechanismen der Registerbildung der menschlichen Stimme (Brust- und Falsettstimme) und die Vibrationen der Stimmlippen bei Halserkrankungen beobachtet werden. O.s Arbeiten über Diphtherie (1868) gingen bereits von der Annahme aus, daß diese ansteckende bakterielle Infektionskrankheit durch Mikroorganismen oder spezifische Krankheitserreger („Spaltpilzbildung“) im Rachen verursacht wird. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt bezog sich auf die Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen. Auf Grund eines Unfalls in der Kindheit litt O. zunehmend an Atem- und Kreislaufbeschwerden, die auf eine starke Verkrümmung der Brustwirbelsäule zurückgingen. Der eigene Leidensdruck und wissenschaftliches Erkenntnisinteresse veranlaßten O., eine spezielle Behandlungsform für allgemeine Kreislaufbeschwerden zu entwickeln, die als „physikalisch-diätetische Therapie“ einige Popularität erlangte. Diese Therapie kombinierte ernährungs-, bäder- und bewegungstherapeutische Elemente. Die Leistung des geschwächten Herzmuskels (Herzinsuffizienz) sollte durch verminderte Flüssigkeitsaufnahme und Stoffwechselanregung (Diät, Bädertherapie) sowie dosiertes körperliches Training („Terrainkur“) verbessert werden. Dieses zukunftsweisende Therapiekonzept kann heute als „moderner“ und fortschrittlicher Behandlungsansatz für kardiovaskuläre Erkrankungen gelten, wurde damals jedoch kontrovers beurteilt.

  • Werke

    Über d. Anslg. v. Harnbestandtheilen im Blute, 1862;
    Über Gewächse im Kehlkopf u. deren Operation auf endolaryngealem Wege, Habil.schr., in: Bayer, ärztl. Intelligenzbl., 1868;
    Über Diphtherie, ebd. 1868;
    Üb. e. neue laryngostroboskop. Unters.-methode d. Kehlkopfs, in: Zbl. f. Med. Wiss., 1878, S. 81 f.;
    Über d. Mechanismus d. Brust- u. Falsettregisters, 1882;
    Therapie d. Kreislaufstörungen, Kraftabnahme d. Herzmuskels, ungenügender Compensationen bei Herzfehlern, Fettherz u. Fettsucht, Veränderungen im Lungenkreislauf, in: H. v. Ziemssen, Hdb. d. allg. Therapie, Bd. 4, 1884, 41891;
    Über Terrain-Curorte z. Behandlung v. Kranken mit Kreislaufstörungen, 1886, 21904;
    Die diätet.-mechan. Behandlung d. chron. Herzmuskelerkrankungen, 1889.

  • Literatur

    ADB 52;
    J. Bauer, in: Münchner Med. Wschr. 44, 1897, S. 919-21 (P);
    J. Pagel, in: BJ II, 1898, S. 97 f.;
    Pagel (P);
    BLÄ;
    G. Habermann, History Committee Page, Folia Phoniatrica 35, 1983, S. 91 (P).

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Oertel, Max Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 450 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106259.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oertel: Max Joseph Oe., Laryngolog in München und Urheber einer bekannten diätetischen Curmethode, geboren am 20. März 1835 zu Dillingen|in Baiern, studirte in München bis 1863, dem Jahre seiner Promotion, und assistirte schon während der Studienzeit vier Jahre auf Pfeuffer's Klinik. Dann bildete er sich bei Czermak für Laryngologie aus und ertheilte als erster in Süddeutschland laryngoscopischen Unterricht. Für dieses Fach habilitirte er sich 1867 und erhielt die Professur der Disciplin (Extraordinariat) 1876, die er bis zu seinem am 19. Juli 1897 erfolgten Lebensende bekleidete. O. war ein außerordentlich fruchtbarer Schriftsteller und hat zum Ausbau seines Specialfaches sowol als Lehrer wie durch zahlreiche litterarische Publicationen beigetragen. Unter seinen Arbeiten sind die bedeutendsten: „Ueber die Ansammlung von Harnbestandtheilen im Blute u. s. w." (Preisschrift, 1862), „Ueber Geschwülste im Kehlkopf u. s. w." (Habilitationsschrift; zuerst im Bayr. ärztl. Int.-Bl., 1868; D. Arch. f. kl. Med., 1875); dann folgen die Studien „Ueber Diphtherie“ (Aerztl. Int.-Blatt., 1868; D. Arch. f. kl. Med. VIII; v. Ziemssen's Handbuch, II), deren Resultat schon damals die Zurückführung der Krankheit auf Spaltpilzbildungen war. Ferner: „Ueber den laryngologischen Unterricht“ (Leipzig 1878, mit 5 Tafeln), „Handbuch der respiratorischen Therapie“ (v. Ziemssen's Handb. der allgem. Therapie). Einen besonderen Ruf erlangte O. durch die im hohen Grade Aufsehen erregende „Therapie der Kreislaufstörungen u. s. w." (1864), worin zum ersten Male die bekannte Entziehungs- und Erziehungscur bei Verfettungszuständen und anderen Affectionen des Herzens in wissenschaftlicher Weise systematisch dargelegt und begründet wird. Diese, in einer kleinen Schrift „Terraincurorte“ später auch populär vorgetragene Lehre wurde epochemachend und gab zugleich den eigentlichen Anlaß, daß in allerjüngster Zeit die sogenannte „physikalisch-diätetische Therapie“ wieder in den Vordergrund des klinischen Interesses getreten ist.

    • Literatur

      Vgl. Pagel's Biogr. Lex. S. 1222.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Oertel, Max Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 713-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106259.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA