Lebensdaten
1890 bis 1960
Geburtsort
Osterfeld (Thüringen)
Beruf/Funktion
Regisseur ; Kameramann ; Funktionär
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117106232 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oertel, Curt

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Zitierweise

Oertel, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106232.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1854–1934), Photograph u. Verl. v. Kunstdrucken;
    M Anna Roßberg (1864–1951);
    B Franz (1891–1978), Produktionsleiter; ledig.

  • Leben

    Seine Lehrzeit verbrachte O. bei der „Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt für Fotografie, Lichtdruck und Gravüre“ in München und in verschiedenen Fotoateliers; danach gründete er in Berlin-Schöneberg eine „Photographische Kunstwerkstätte“. 1920-25 studierte er in Berlin Kunstgeschichte. 1925 kam er in Kontakt mit der Filmindustrie, war als Kameramann u. a. an G. W. Pabsts „Die freudlose Gasse“ (1925), „Geheimnisse einer Seele“ (1925/26) und „Man spielt nicht mit der Liebe“ (1926) beteiligt. Seit 1928 experimentierte O. mit filmischen Formen und dramaturgischen Modellen zur Entwicklung des dokumentarisch-essayistischen Kulturfilms. 1932 entstand „Die steinernen Wunder von Naumburg“ unter der Regie von Rudolf Bamberger, in dem O. das hochmittelalterliche Skulpturenensemble von Naumburg ins Bild setzte, es gleichsam mit der Kamera ertastete und ein Gefühl für die räumliche Ordnung schuf. 1933 und 1935 wagte er seine einzige klassische Spielfilmproduktion, „Der Schimmelreiter“, die aber für sein weiteres Œuvre ohne Folgen blieb. O. entwickelte vielmehr eine eigenständige Form des Kunst- und Kulturfilms, bei der er einerseits sein Augenmerk auf die fotografische Dokumentation richtete, diese aber andererseits filmisch zu inszenieren suchte; er verbildlichte auf diese Weise seine historischen Sujets ohne Schauspieler und narrative Dramaturgie. Sein bedeutendster Film wurde „Michelangelo“ (1936-38), in dem er ausschließlich über filmische Bilder von dessen Werken, die er mit der Kamera in Bewegung setzte, die Biographie des Künstlers entwickelte. Von den Nationalsozialisten in seinen künstlerischen Bemühungen zunächst mißtrauisch beobachtet, übertrug man O. schließlich die Aufgabe, deutsche Kulturgüter filmisch festzuhalten. Das Projekt unter dem Titel „Die Deutschen“ gelangte aber nur bis zum Rohschnitt.

    Nach Kriegsende baute O. mit Unterstützung der amerik. Besatzungsmacht und nach amerik. Vorbild die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie“ (FSK) in Wiesbaden-Biebrich auf, die 1949 ihre Arbeit aufnahm. Kritisch und fördernd begleitete er auch den Aufbau des „Deutschen Instituts für Filmkunde“ in Wiesbaden. Seine Tätigkeiten als einer der wichtigsten Filmfunktionäre Nachkriegs-Deutschlands komplettierte er als Präsident der „Spitzenorganisation der Filmwirtschaft“ (SPIO), trat aber 1950 von diesem Amt zurück, nachdem er nationalistische|Tendenzen innerhalb der deutschen Filmwirtschaft angeprangert hatte. O. beteiligte sich am Aufbau der westdeutschen Filmclub-Bewegung, war Mitglied der deutschen UNESCO-Kommission und beratend für den „Nordwestdeutschen Rundfunk“ (NWDR) tätig. – Neben seinen administrativen Aufgaben betrieb O., wenn auch reduziert, seine filmischen Ambitionen weiter, realisierte einen Film zur Architekturgeschichte der USA (Neue Welt, Vom Wigwam zum Wolkenkratzer, 1954) und einen über Martin Luther (Der gehorsame Rebell, 1952).

  • Werke

    Weitere W, Kamera: Die vom Niederrhein, 1925 (Regie: R. W. Fein);
    Gli Ultimi Giorni di Pompei (Die letzten Tage v. Pompeji), 1925 (Regie: C. Gallone, Amletto Palermi);
    Der Abenteurer, 1925/26 (Regie: R. W. Fein);
    Gewitter üb. Gotland, 1927 (Regie: E. Piscator;
    film. Sequenzen zur Inszenierung v. Ehm Welks Bühnenstück an d. Volksbühne Berlin);
    Das grüne Monokel, 1929 (Regie: R. Meinert);
    Das Donkosakenlied, 1929 (Regie: G. Asagaroff);
    Revolte im Erziehungshaus, 1929 (Regie: ders.). – Regie: Hoppla, wir leben, 1927 (mit S. Guttmann;
    Kamera;
    film. Sequenzen zur Inszenierung v. E. Tollers Bühnenstück an d. Volksbühne Berlin);
    (Ohne Titel), 1928 (mit L. Lania;
    Kamera;
    film. Sequenzen f. e. Leo-Reuß-Inszenierung);
    Jahrtausende sehen auf euch herab, 1933;
    Pole Poppenspäler, 1935 (Anteil O.s an d. Regie strittig);
    Grabmal d. unbek. Soldaten, 1935 (?);
    Trauer muß Elektra tragen, 1947;
    Das Jahr 48, 1948;
    Es war e. Mensch …, 1949/50;
    Jungbrunnen, 1952;
    Impressionen aus e. Theater, 1957. – Dt. Bearbeitung: Mat (Die Mutter), 1926/27 (Regie: W. Pudowkin). – Produktion: Land am Nil, 1950 (Regie: H.-J. Wolff). – Schr.: Auf d. Weg zu neuen „Erlebnislängen“, Zu meinem Novellen-Film „Pole Poppenspäler“, in: Berliner Tagebl. Nr. 20 v. 12.1.1936.

  • Literatur

    Großaufnahme, C. O., in: Der neue Film, Nr. 7 v. 21.8.1947;
    H. G. Feldt, Voller Hoffnung ins neue J., Besinnl. Gespräch um d. Zukunft d. dt. Films, ebd. Nr. 29/30 v. 24.12.1948;
    K. Korn, Der Einzelne u. d. Filmwirtschaft, in: FAZ v. 10.10.1950;
    Reiner Tor ehrenhalber, in: Der Spiegel v. 23.10.1950;
    Filmogr. C. O., in: Filmfaust, Nr. 40/41, 1984;
    Th. Meder, Ein Oscar f. Michelangelo, Üb. d. Kulturfilmer C. O., in: Rote Rosen & weißer Flieder, Die Blütezeit d. Filmstadt Wiesbaden, hg. v. M. Knop u. H. Schleicher, 1995, S. 75-81.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Oertel, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 449 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106232.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA