Lebensdaten
1890 bis 1953
Geburtsort
Adelsdorf (Oberfranken)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117087548 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moenius, Georg
  • Mönius, G.
  • Mönius, Geo.
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Zitierweise

Moenius, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117087548.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (* 1867), Schneider u. Nähmaschinenhändler in A., S d. Schreiners Johann Georg u. d. Josefa Schmitt;
    M Elisabetha (* 1864), T d. Schuhmachers Franz Hamm in Kornhöfstadt (Mittelfranken) u. d. Kunigunda Dorbert.

  • Leben

    Nach der Übersiedlung der Familie nach Nürnberg im Jahre 1900 besuchte M. dort das Alte Gymnasium. 1912 studierte er an der Univ. München, danach bis 1915 am Lyzeum Bamberg und bis 1919 an der Univ. Erlangen. Dort wurde er Anfang 1919 mit einer Arbeit|über Hölderlin zum Dr. phil. promoviert. 1915 zum Priester geweiht, arbeitete er bis 1924 als Kaplan an mehreren Stellen des Erzbistums Bamberg. Vor allem wegen seiner Sympathie mit der Eisner-Regierung, aber auch wegen seines überschäumenden Literatentalents geriet er in Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten und wurde 1924 aus Anlaß einer Studienreise nach Italien beurlaubt. 1926/27 arbeitete er in der Redaktion der Wiener Zeitschrift „Schönere Zukunft“. 1928 kaufte er, wahrscheinlich mit finanzieller Unterstützung durch Friedrich Wilhem Foerster, die Münchener kath. Wochenschrift „Allgemeine Rundschau“ (gegr. 1904 von Armin Kausen), als deren Herausgeber und Schriftleiter er seit 1929 auftrat. Nun stand ihm ein Organ zur Verfügung, in dem er in Auseinandersetzung mit nationalistischen und militaristischen Tendenzen sein Bekenntnis zum Völkerbund, zur deutschfranz. Aussöhnung und zur Pan-Europa-Bewegung von Gf. Coudenhove-Kalergi darlegte. In Übernahme und Verstärkung des von dem Schweizer Kulturphilosophen Gonzague Comte de Reynold stammenden Begriffes „Romanitas“ lehnte er reichsideologische, weil nationalistisch verengte Thesen sowie eine „deutsche Sendung“ des Katholizismus ab und propagierte demgegenüber den kath.-universal-föderalistischen, von abendländischem Humanismus geprägten Gedanken einer gesamteurop. Föderation. Freilich verleitete die Vorliebe für die romanische Welt M. in den 20er Jahren kurzzeitig zu einer schwärmerischen Bewunderung für den zeitgenössischen Faschismus in Gestalt von Benito Mussolini und Charles Maurras.

    Die „Allgemeine Rundschau“ sorgte für manchen Skandal, z. B. als M. 1929/30 in vier Sondernummern Deutschland die Hauptschuld am 1. Weltkrieg zuwies und deutsche Kriegsgreuel bei der Besetzung des neutralen Belgien im August 1914 anprangerte. Schärfste Kritik übte M. am Nationalsozialismus, der für ihn eine Folge des preuß.-prot. Machtstaates und Militarismus war. Im Nationalsozialismus sah er die Pervertierung des Reichsgedankens, begründet in einer von Luther über Fichte, Hegel und Bismarck zu Hitler reichenden ideologischen Linie. Die konservativen Parteien und Gruppen gingen großteils auf Distanz zu M., die Nationalsozialisten bekämpften ihn schärfstens. Die „Machtergreifung“ in München am 9.3.1933 zwang M. deshalb zur Emigration, zunächst in die Schweiz, später nach Rom. Seit 1935 war Wien sein Hauptaufenthaltsort, wo er im Kreise um den emigrierten Philosophen Dietrich v. Hildebrand und die von diesem herausgegebene kath., scharf antinationalsozialistische Wochenschrift „Der Christliche Ständestaat“ verkehrte. Im Frühjahr 1937 gehörte M. zum „Christlichen Reichsbund für deutsche Freiheit“, der die kath. Exilgruppen in ganz Europa vereinen und gemeinsam mit anderen konservativen Gruppen in der „Deutschen Front gegen das Hitlersystem“ eine Art Exilregierung bilden wollte. Nach dem „Anschluß“ Österreichs floh M. über Italien nach Frankreich und 1940 nach dem Zusammenbruch Frankreichs nach Portugal. Im September 1940 emigrierte er in die USA. Er übernahm bis 1943 Seelsorgestellen in Seattle und El Paso. 1944 ließ er sich in Los Angeles nieder. Er fand Zugang zu einem intellektuellen Kreis von Emigranten, u. a. Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel. 1946 nahm er die amerikan. Staatsbürgerschaft an. 1948/49 besuchte er erstmals wieder Deutschland. 1951, schon todkrank, kehrte er erneut zurück und wohnte seit Anfang 1952 in München. Er reiste von hier mehrmals nach Italien, um ein Buch über Franz von Assisi vorzubereiten.

  • Werke

    Hölderlin, Eine phil. Studie, 1919;
    Italien. Reise, 1925;
    Kardinal Faulhaber, 1933;
    Der neue Weltmonarch, 1948.

  • Literatur

    J. Kock, Mit spitzer Feder gegen Hitler, in: Unser Bayern, Heimatheil. d. Bayer. Staatsztg., Nr. 10, Okt. 1980, S. 75 ff. (P);
    ders., Des Geistus Schwert üb. Hitler, in: Münchner Stadtanzeiger vom 5.6.1983, S. 4 f.;
    ders., Prophetien wider d. Dritte Reich, in: Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt, 88. Dt. Katholikentag 4.-8.7.1984 in München, 1984;
    G. Munro, G. M.s Allg. Rdsch. of Munich 1929–33, Diss. Queensland (Australien) 1989;
    BHdE I;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Rudolf Ebneth
  • Empfohlene Zitierweise

    Ebneth, Rudolf, "Moenius, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 661 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117087548.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA