Lebensdaten
1838 bis 1917
Geburtsort
Treptow/Tollense
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117079375 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schroeder, Richard Carl Heinrich
  • Schroeder, Richard
  • Schroeder, Richard Carl Heinrich
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Zitierweise

Schroeder, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117079375.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1802–69), Kreisjustizrat, S d. Carl Ludwig (1775–1850), Landwirt;
    M Eleonora (Ida) (1804–64), T d. Joachim Friedrich Kölling (?), Gastwirt; 4 Schw: 1) 1866 Anna ( 1884), T d. Karl Hugo (1795–1872), aus Prenzlau, preuß. Oberstlt., u. d. Luise Poppe (1806–51), 2) 1895 Frieda (1852–1930, 1] Paul Julius Saunier, Buchhändler in Stettin, 1] Mathilde v. Below, 1842–76, S d. Léon Saunier, 1814–77, Buchhändler in Stettin, s. Wendt, Stettiner Lb., 2004), T d. Karl Forster, bayer. Reg.dir. b. d. Kammer d. Finanzen in Augsburg, u. d. Helena Freiin v. Ebner-Eschenbach (* 1830);
    3 S aus 1) Ludwig Karl Paul (* 1870), Offz., Hugo Paul Eduard (1874–1938), Arzt in Mexico-City, Karl Friedrich Ulrich (* 1877), Ing. b. BASF, Doz. an d. Handelshochschule Mannheim, 3 T aus 1) Gertraud (* 1871, ⚭ Hermann Wunderlich, 1858–1916, aus Ulm, Oberbibl. an d. kgl. Bibl. in Berlin, Mitarb. am Grimmschen Wb., ao. Prot, in H., s. Drüll, Heidelberger Gel.lex. I), Pauline (* 1872 Heinrich Dreydorff, Arzt in Leipzig), Ida Emilio (* 1880, ⚭ Alfred Berger, Ger.assessor);
    1 Stief-S Albert, Stief-T Mathilde (1867–1945, ⚭ Wolfgang Mittermaier, 1867–1956, o. Prof. d. Kriminalwiss. 1900 in Bern, 1903 in Gießen, s. NDB 17);
    Gvm d. 2 Ehefrau Louis Angely (1787/88-1835), Theaterschriftst., Schausp. (s. NDB I u. 23*); Schwager Oskar v. Hugo (* 1840, preuß. Adel 1913), preuß. Gen.lt., Paul Saunier (* 1866), Buchhändler in Stettin (s. Wi. 1912).

  • Leben

    Nach der Schulzeit in Treptow und Anklam studierte S. seit 1857 Rechtswissenschaften in Berlin, Göttingen, dort v. a. bei Georg Waitz (1813–86), und wieder in Berlin, wo er 1861 bei Georg Beseler (1809–88) mit einer 1860 eingereichten Preisschrift über das german. Eherecht promoviert wurde. 1863 schied er aus dem Referendariat aus und habilitierte sich in Bonn für Dt. Privatrecht und Dt. Rechtsgeschichte. 1866 unbesoldeter, 1868 besoldeter ao. und 1870 o. Professor, jeweils in Bonn, wechselte S. 1873 als Nachfolger von Folix Dahn nach Würzburg auf einen Lehrstuhl für Dt. Privatrecht mit Handels-, Wechsel- und Lehnrecht sowie Dt. Rechtsgeschichte. 1874 zum Gutachter für die erste Kommission zur Vorberatung des BGB berufen, nahm er 1882 einen Ruf an die Univ. Straßburg an und ging 1885 als Nachfolger Heinrich Thöls nach Göttingen. 1886-97 hatte S. die redaktionelle Verantwortung für die germanist. Abteilung der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, zu deren Herausgeberkreis er seit 1882 zählte. 1887 nach Breslau berufen, folgte er einem im selben Jahr ergangenen Ruf nach Heidelberg, wo er 1888 als Nachfolger Otto Gierkes den Lehrstuhl für Dt. Recht, Handelsrecht und Rechtsgeschichte übernahm (Prorektor 1891/92) und seit 1897 auch das von der Preuß. Akademie begründete und getragene (bis heute bestehende) Großvorhaben eine „Dt. Rechtswörterbuchs“ leitete.

    Die mittelalterliche Rechtstradition german.-fränk. Herkunft bildet den thematischen Kern in S.s Werk, in dem die historische Forschung, insbesondere die Quellenerschließung, zunehmend an Gewicht gewann. Das zeigt sich bereits in seiner Untersuchung der mittelalterlichen dt.rechtlichen Regelbildung zum ehelichen Vermögensrecht (Gesch. d. ehel. Güterrechts. 2 Bde., 1863–74, Neudr. 1967). Wesentlich für den Erfolg dieses Werkes wie auch späterer Studien S.s über die mittelalterliche dt. Rechtsgeschichte wurde die Einbeziehung zeitgenössischen Urkundenmaterials und auch literarischer Quellen. In seiner historischen Deutung des gegenwärtigen Rechts begründet war umgekehrt sein Votum als Gutachtor für die Kommission zur Vorberatung des BGB und des 12. Dt. Juristentages 1874/75, die sogenannte partikuläre Gütergemeinschaft der Ehegatten einzuführen, die aus seiner Sicht der dt.rechtlichen Tradition der allgemeinen Gütergemeinschaft am nächsten kam. Nicht zuletzt das Scheitern dieses Vorschlags führte dazu, daß S. sich in der Folgezeit immer mehr aus dem Dialog über das geltende Recht zurückzog, seine Darstellung „Das eheliche Güterrecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuche für das Dt. Reich in seinen Grundzügen“ (1896, 31900) war jedoch längere Zeit in ihrer Art einzigartig. Dagegen blieb die Edition und Sammlung rechtshistorischer Quellen eine Konstante in S.s Werk; 1863-78 betreute er die vonJacob Grimmbegonnene Erschließung dt. Weistümer und machte deren edierte Texte durch ein umfangreiches Namens- und Sachregister der historischen Forschung erst vollständig zugänglich. Der Einbeziehung der mittelalterlichen Rechtspraxis auch in die rechtsgeschichtliche Lehre diente die mit Hugo Loersch (1840–1907) publizierte Sammlung von „Urkunden zur Geschichte des dt. Privatrechts“ (1874, 31912). Die seit 1891 von ihm begonnenen und seit 1898 in seinem Sinne fortgeführten Arbeiten an der Edition der „Oberrhein. Stadtrechte“ lieferten auch der landeshistorischen Forschung eine wichtige Quellenbasis. Insbesondere seit seiner Tätigkeit für das „Dt. Rechtswörterbuch“ erweiterte S. die rechtshistorische Betrachtung ähnlich wie Karl v. Amira auch auf philologische Befunde und erschloß ihr damit neue Quellen. Vor allem in einer 1896 publizierten Arbeit über „Marktkreuz und Rolandsbild“ machte er auch die bildliche Darstellung zum Gegenstand der rechtshistorischen Analyse und trug damit zur Begründung der Rechtsikonographie bei. Besonderen Einfluß erlangte S. durch sein „Lehrbuch der Dt. Rechtsgeschichte“ (1889, 71932, fortgeführt v. E. v. Künßberg, Neudr. 1966) das mit der „german. Urzeit“ einsetzte und mit der Gründung des Dt. Reiches 1871 endete, allerdings v. a. der mittelalterlichen dt. Rechtsgeschichte gewidmet war und für Jahrzehnte zum Standardwerk wurde. S. zählt neben Heinrich Brunner und Karl v. Amira zu den profiliertesten Vertretern der dt. Rechtsgeschichte im Übergang vom 19. zum 20. Jh.

  • Auszeichnungen

    GHR (1887); Rotor Adlerorden IV. Kl. (1888), Rr.kreuz I. Kl. mit Eichenlaub d. Ordens v. Zähringer Löwen (1891, Kommandeurskreuz II. Kl. 1903, mit Eichenlaub 1908 u. Stern 1914); Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1892), d. Ak. d. Wiss., Amsterdam (ausw. 1895), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (korr. 1900) u. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1909); Dr. phil. h. c. (Göttingen 1893); bad. GR II. Kl. (1899); Rote-Kreuz-Medaille III. Kl. (1901); Dr. rer. sc. pol. h. c. (Münster 1908); bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1912).

  • Werke

    Weitere W Zur Lehre v. d. Ebenbürtigkeit nach d. Sachsenspiegel, in: Zs. f. Rechtsgesch. 3, 1864, S. 461-80;
    Btrr. z. Kunde d. dt. Rechts aus dt. Dichtern, 1866;
    Weisthümer, ges. v. Jacob Grimm, T. 5-6, 1866, 1869, T. 7 (Namen- u. Sachregister), 1878, alle Nachdr. 2000;
    Corpus iuris germanici poeticum, I. Kudrun, in: ZDP 1, 1869, S. 257-72;
    Corpus iuris germanici poeticum, II. Wernher der gartenaere und bruder Wernher, ebd. 2, 1870, S. 302-05;
    Gutachten über d. Gesetzgebungsfrage;
    „Ist es wünschenswerth u. ausführbar, d. eheliche Güterrecht f. ganz Dtld. durch e. einheitl. Gesetz zu codificiren u. auf welcher Grundlage?“, in: Verhh. d. XII. dt. Jur.tages, I, 1874, S. 29-40;
    Gutachten über d. System d. partikulären Gütergemeinschaft u. seine Bedeutung b. d. Abfassung e. bürgerl. Gesetzbuches f. d. dt. Reich, abgedr. in: W. Schubert (Hg.), Die Vorlagen d. Redaktoren f. d. erste Komm.|z. Ausarbeitung d. Entwurfs e. Bürgert. Gesetzbuchs, Fam.recht, T. 3: Anlagen u. Abänderungsanträge z. Fam.rechtsentwurf/Freiwillige Ger.barkeit/Fam.rechtl. Vorlagen 1875-1877, 1983, S. 847-955;
    Die Herkunft d. Franken, in: HZ 43, 1880, S. 1-65;
    Die Franken u. ihr Recht, 1881;
    Über d. fränk. Formelslgg., in: ZSRGG4, 1883, S. 75-112;
    Die Ger.vfg. d. Sachsenspiegels, ebd. 5, 1884, S. 1-68;
    Der ostfäl. Schultheiß u. d. holstein. Overbode, ebd. 8, 1887, S. 1-16;
    Franz Jostes. Roland in Schimpf u. Ernst, Karl Heldmann. Rolandsspielfiguren, Richterbilder oder Königsbilder, ebd. 27, 1906, S. 457-62;
    „Weichbild“, in: Hist. Aufss. d. Andenken Georg Waitz gewidmet, 1886, S. 306-23;
    Die Stellung d. Rolandssäulen in d. Rechtsgesch., in: R. Béringuier (Hg.), Die Rolande Dtld.s. FS z. Feier d. 25j. Bestehens d. Ver. f. d. Gesch. Berlins am 28. Jan. 1890, 1890, S. 1-36;
    Oberrhein. Stadtrechte, Abt. 1, Fränk. Rechte, H. 1: Wertheim, Freudenberg u. Neubrunn, 1895, H. 2: Der Oberhof Wimpfen mit seinen Tochterrechten Eberbach, Waibstadt, Oberschefflenz, Bönnigheim und Mergentheim. 1895, H. 3: Mergentheim, Lauda, Ballenberg u. Krautheim, Amorbach, Walldürn, Buchen, Külsheim u. Tauberbischofsheim, 1897, H. 4: Miltenberg, Obernburg, Hirschhorn, Neckarsteinach, Weinheim, Sinsheim u. Hilsbach, 1898;
    Marktkreuz u. Rolandsbild, in: FS z. 50j. Doktorjubelfeier Karl Weinholds am 14. Jan. 1896, 1896, S. 118-33;
    „Weichbild“, in: Festgabe z. Feier d. fünfzigsten J.tages d. Doktor-Promotion d. Geh. Rates Prof. Dr. Ernst Immanuel Bekker dargebracht v. d. Mitgll. d. jur. Fak. d. Univ. Heidelberg, 1899, S. 79-107;
    Ein Wb. d. älteren dt. Rechtssprache, in: FS f. d. XXVI. dt. Jur.tag, 1902, S. 87-124;
    Dt. Rechtsgesch., I: Bis z. MA, 1912, II: Die Neuzeit, 1913;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: UB Heidelberg (Briefnachlaß); Landeshauptarchiv Schwerin.

  • Literatur

    Stintzing-Landsberg III/2, S. 897-99 (Textbd.), 377 (Notenbd.);
    A. v. Wretschko, Heinrich Brunner u. R. S., in: Hist. Vj.schr. 18, 1916-18, S. 345-51;
    E. Heymann, in: DJZ 1917, Sp. 206-08;
    E. Frhr. v. Künßberg, in: ZGORh 71, 1917, S. 330-34;
    II. Stutz, in: ZSRG;
    38, 1917, S. VII-LVIII (unvollst. W-Verz., P);
    E. Molitor, in: Pommer. Lb. I, 1934;
    M. Webler, Leben u. Werk d. Heidelberger Rechtslehrers R. C. H. S. (1838-1917), 2005 (S. 295-305 unvollst. W-Verz., P), Wi 1909;
    DBJ II, S. 138-47 u. Tl.;
    A. Erler, in: HRG;
    Rößler-Franz;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I.

  • Autor/in

    Andreas Thier
  • Empfohlene Zitierweise

    Thier, Andreas, "Schroeder, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 572-574 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117079375.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA