Lebensdaten
um 1550 bis 1606
Geburtsort
Gent (Flandern)
Beruf/Funktion
gelehrter Schriftsteller ; Verleger
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117056235 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hulsen, Levin van
  • van Hulsen, Levin
  • Hulsius, Levinus
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Zitierweise

Hulsius, Levin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117056235.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    1) N. N., 2) Frankenthal 11.12.1588 Susanna, T d. Franz von Roome, 3) um 1600 Maria Ruting;
    K, u. a. Esaias (ca. 1580–1626), Goldschmied, Ing., Kupferstecher u. Stichverleger in Stuttgart, Friedrich (ca. 1601–1635), Kupferstecher u. Verleger in F. (beide s. ThB).

  • Leben

    Nach einem längeren Aufenthalt in Middelburg (Holland) ließ sich H. 1583 als Glaubensflüchtling in Frankenthal nieder, wo er eine private franz. Schule errichtete, die sich regen Zuspruchs vor allem aus dem Rheinland erfreute. Da die Stadt ihm Schwierigkeiten machte, mußte er 1586 seine Schule wieder schließen. Am 4.3.1589 kündigte er sein Bürgerrecht in Frankenthal wieder auf, blieb aber vorläufig noch wohnen und bat 1589 die Univ. Heidelberg, dort franz. Unterricht geben und theologische Vorlesungen besuchen zu dürfen. Da ihm nur letzteres gestaltet wurde, ging er nach Nürnberg, wo er eine rege Tätigkeit als Sprachlehrer, öffentlicher Notar, Schriftsteller, Verleger und Händler mit mathematisch-astronomischen Instrumenten entfaltete. Hervorgetreten ist er vor allem als Schriftsteller und Verleger (seit 1596). Er hat die z. T. von ihm selbst bearbeitete Sammlung von 26 Schifffahrten (fast vollständige Sammlung von Entdeckungsreisen der Zeit in verschiedene fremde Länder) angeregt und verlegt, von denen 6 Teile in 14 Ausgaben in Nürnberg, die anderen dann in Frankfurt/M. erschienen sind. Zu erwähnen ist auch sein Traktat von mechanischen Instrumenten, der in 15 Teilen geplant war, wovon aber nur die ersten vier veröffentlicht wurden. Beachtenswert ist sein deutsch-franz. Wörterbuch mit kurzer Grammatik, dem er auch noch ein deutsch-ital. folgen ließ; beide kamen in der Folgezeit noch in vielen Ausgaben heraus. In der verhältnismäßig kurzen Frankfurter Schaffensperiode hat H. fast nur seine Nürnberger Arbeiten fortgesetzt. Neue größere Aufgaben hat vielleicht sein früher Tod vereitelt. Die Witwe setzte vorerst die Verlagsarbeit ihres Mannes fort und ging dann nach Oppenheim (1610), wo sie als größtes Werk eine Bibel in ungar. Sprache neben anderen kleineren Schriften engl. Autoren als Drucke des dortigen Druckers Hieronymus Galler verlegte. Die Rückkehr nach Frankfurt brachte dem Verlagsgeschäft keinen größeren Aufschwung. Erst mit dem Sohn Friedrich, der wie sein Bruder Esaias den Kupferstich bei Johann Theodor de Bry gelernt hatte, weitete sich der Verlag mehr auf das Kupferdruckbuch aus. Das Ende des H.schen Verlages, der Hulsii Erben, wie sie sich selbst bezeichnen, ist noch nicht ganz geklärt. Er hat sicherlich noch nach Friedrichs Tod (1635) existiert, aber nicht mehr lange. Das Jahr 1636 ist noch sicher überliefert.

  • Literatur

    ADB 13 (auch f. Fam.);
    J. G. Doppelmayer, Hist. Nachrr. v. d. nürnberg. Mathematikern u. Künstlern, 1730, S. 162 f.;
    A. Asher, A bibliographical essay on the collection of voyages and travels, ed. & publ. by L. H., 1839;
    Mschr. d. Frankenthaler Altertums-Ver. 15, 1907, S. 13, 17, 1909, S. 5, 9 f., 28;
    W. K. Zülch, Frankfurter Künstler 1223-1700, 1935, S. 465 f.;
    J. Benzing, L. H., Schriftst. u. Verleger, in: Mitt. a. d. Stadtbibl. Nürnberg 7, 2, 1958, S. 3-8;
    ders., Joh. Theodor de Bry, L. H. Witwe u. Hieronymus Galler als Verleger u. Drucker zu Oppenheim (1610–20), in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 9, 1968, Sp. 589-642;
    Bll. f. Pfalz. KG 29, 1962, S. 64.

  • Autor/in

    Josef Benzing
  • Empfohlene Zitierweise

    Benzing, Josef, "Hulsius, Levin" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117056235.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hulsius: Levin H., gebürtig aus Gent in Flandern, kommt 1590 in Nürnberg zum Vorschein, wo er anfangs als Sprachlehrer auftrat, dann Notarius publicus wurde, auch eine Buchdruckerei betrieb, 1602 aber diese Stadt verließ, und nachdem er, in Verfolgung buchhändlerischer Zwecke, anderthalb Jahre sich in Holland und England aufgehalten hatte, zuletzt in Frankfurt a. M. 1606 starb. Daß er ein Buchdrucker gewesen, steht fest, aber er unterscheidet sich insofern von den andern dieses Namens, daß er sich des Druckes hauptsächlich für die Erzeugnisse seiner eigenen Feder bediente. Und zwar sind diese der mannigfachsten, durch kein inneres Band verknüpften Art. Beschreibungen von Ländern, von denen er nur gehört hatte, Biographien von den ersten zwölf römischen Kaisern, dann wieder Biographien aller römischen Kaiser bis auf Rudolf II. stehen in keinem Zusammenhange mit den Schriften über Mechanik, den Gebrauch des Quadranten und ähnliche Gegenstände, die seine eigentliche Liebhaberei gewesen sein mögen. Denn mit dem Plane eines solchen auf 15 Theile berechneten Werkes, das eine Beschreibung aller damals bekannten mathematischen und mechanischen Instrumente enthalten sollte, ging er um, brachte es aber nur bis auf vier. Sein Hauptverdienst bleibt aber, der erste gewesen zu sein, der ein französisch-deutsches und deutsch-französisches Wörterbuch 1600, 8. herausgab, das wiederholte Auflagen erlebte, sowie auch ein desgleichen für das Italienische, was aber so wie seine italienische Grammatik erst nach seinem Tode erschienen sein mag.

    • Literatur

      S. Will's Gel.-Lexikon und die Fortsetzung von Nopitsch, wo ein Verzeichniß seiner Schriften zu finden.

  • Autor/in

    Lochner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lochner, Georg Wolfgang Karl, "Hulsius, Levin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 335 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117056235.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA