Lebensdaten
1844 bis 1933
Geburtsort
Oppeltshofen bei Ravensburg
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Kartographiehistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117043486 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Miller, Konrad
  • Miller, Conrad
  • Miller, Conradus

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Miller, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117043486.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Josef (1806–74), Bürger u. Bauer in O., S d. Bauern Franz Josef (1764–1842) u. d. Kreszenz Rundel (1783–1853);
    M Agathe (1813–52), T d. Josef Heine (* 1777), Bauer in Halden, u. d. Genovefa Fuchs (* 1781);
    Stief-M (seit 1852) Scholastika Neher (1820–1905);
    5 Geschw (1 früh †), 4 Halb-Geschw; – ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Gymnasium in Ehingen (1862) studierte M. Philosophie, kath. Theologie sowie Mathematik und Naturwissenschaften an der Univ. Tübingen. Im Anschluß an das theologische Examen (1866) besuchte er das Polytechnikum in Stuttgart und arbeitete im Labor des Chemikers Hermann v. Fehling. Der Priesterweihe im Jahre 1868 folgten weitere naturwissenschaftliche Studien an der Univ. Bonn. 1867 und 1870 unterzog sich M. den mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehramtsprüfungen für den höheren Schuldienst. Gleichzeitig wirkte er als Kaplan bzw. Vikar in Schramberg, später in Schwörzkirch und Essendorf. 1871 wurde er in Tübingen zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Die Auswirkungen des sog. Kulturkampfes machten eine Anstellung im höheren Schuldienst ebensowenig möglich wie später eine Mitwirkung in der Reichslimeskommission. M. wandte sich neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit zunächst der geologischen Erforschung seiner schwäb. Heimat zu. Gleichzeitig widmete er sich archäologischen Studien, vor allem röm. Straßen und Niederlassungen in Oberschwaben, und führte verschiedene Ausgrabungen durch. Seine zahlreichen Veröffentlichungen machten ihn in der geologischen und archäologischen Fachwelt bestens bekannt. Völlig unerwartet kam für M. 1882 die von Christian Heinrich Dillmann veranlaßte und für einen kath. Geistlichen ungewöhnliche Berufung auf eine Professur der Naturwissenschaften am Kgl. Realgymnasium (dem heutigen Dillmann-Gymnasium) in Stuttgart, die er bis zu seiner Pensionierung 1910 wahrnahm. M. begann sich nunmehr auch mit Kartographiegeschichte zu befassen und wurde damit zum Wegbereiter einer neuen Wissenschaftsdisziplin. 1887 veröffentlichte er „Die Weltkarte des Castorius, genannt die Peutingersche Tafel“ (31929, Nachdr. 1988), eine aus dem 12. Jh. stammende Nachzeichnung einer spätantiken Straßenkarte. Seit 1895 erfolgte die Herausgabe der „Mappae Mundi“, der Weltkarten des christlichen Mittelalters; damit wurden die heute noch gültigen Grundlagen für die Erforschung der mittelalterlichen Kartographie gelegt. 1916 erschienen die „Itineraria Romana“ (Nachdr. 1988), eine Darstellung röm. Reisewege, seit 1926 die „Mappae Arabicae“. Die dort enthaltenen islam. Landkarten in arab. Urschrift und lat. Transkription aus der Zeit zwischen 800 und 1400 wurden 1927 durch die Herausgabe der Idrisi-Karte, einer in Palermo entstandenen Weltkarte aus dem Jahr 1154, ergänzt. Weitere Editionen von alten Weltkarten folgten. M.s editorische Leistung, wie auch seine Kommentierung und Interpretation der antiken und mittelalterlichen Karten in historischer, philologischer und geographischer Hinsicht, sind bis heute unübertroffen und finden weltweit Anerkennung.

    Neben seiner publizistischen und seelsorgerischen Tätigkeit wurde M. durch die Organisation von preiswerten Pilger- und Studienreisen nach Italien, Rußland und Franltreich bekannt. Der Priestergelehrte vermachte seinen gesamten Nachlaß der „Professor-Konrad-Miller-Stiftung der Salzburger Hochschulwochen“ mit der Bestimmung, daß aus dem Reingewinn eine Lehrkanzel für historische Geographie errichtet werden sollte; die Kriegswirren vereitelten jedoch die Verwirklichung dieses Auftrages.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Salzburg 1933).

  • Werke

    Weitere W Das Tertiär am Hochsträss, Diss. Tübingen 1871;
    Das Molassemeer in d. Bodenseegegond, 1877;
    Die Binnenmollusken v. Ecuador, 1878;
    Das röm. Straßennetz in Oberschwaben, 1885;
    Die röm. Kastelle in Württemberg, 1892;
    Zur Gesch. d. Tabula Peutingeriana, in: FS z. elfhundertj. Jubiläum d. Dt.Campo Santo in Rom, 1897, S. 212 ff.;
    Alttertiäre Land- u. Süßwasserschnecken d. Ulmer Gegend, in: Jahreshh. d. Ver. f. vaterländ. Naturkde. in Württemberg, 1907, S. 435 ff.;
    Die Erdmessung im Altertum u. ihr Schicksal, 1919.

  • Literatur

    F. X. Rambold, Russland-Reise 1912 – Miller'scher Reiseverein, 1912;
    F. Bonora, Zweite Dt. Mittelmeerreise vom 4. bis 29.8.1906 unter Leitung v. Prof. Dr. K. M., 1906;
    R. Seemann, in: Jahreshh. d. Ver. f. vaterländ. Naturkde. in Württemberg 89, 1933, S. XLIV ff. (P);
    T. Borodajkewycz, K. M.s Lebenswerk, 1936;
    Mitt. d. kath. Univ.ver. Salzburg 1933, Folge 3, S. 13 ff.;
    Dillmann-Gymnasium einst u. jetzt, FS z. hundertj. Bestehen d. Schule, 1967, S. 49 ff.;
    F. Wawrik, K. M. – Kartographiehistoriker (1844–1933) (als Ms. gedr. Ausst.kat. d. Österr. Nat.bibl.), 1985 (P);
    Kosch. Kath. Dtld.

  • Autor/in

    Hans Hablitzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hablitzel, Hans, "Miller, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 525 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117043486.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA