Lebensdaten
erwähnt 13.-20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
keine Angaben
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119520907 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Miller zu Aichholz

Verknüpfungen

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Zitierweise

Miller zu Aichholz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119520907.html [31.05.2020].

CC0

  • Leben

    Die Familie leitet ihre Herkunft vom Rittergeschlecht der Mülner ab, die im 13. und 14. Jh. Besitzungen in und um Zürich hatten und sich – wie etwa Jakob Mülner ( 1287) – als Gefolgsleute der Habsburger einen Namen machten. Eberhard Mülner ( 1372, s. L), Schultheiß in Zürich, war Auftraggeber einer Chronik über die Jahre 1350-55 mit ausführlichen Berichten über den Krieg der Zürcher und ihrer Eidgenossen gegen Hzg. Albrecht II. von Österreich. Gottfried Mülner d. J. fiel in der Schlacht bei Sempach 1386 an der Seite Hzg. Leopolds von Österreich, wonach die Familie die Schweiz verlassen mußte. Ulricus Molitoris d. J. wurde 1494 Kanzler von Tirol; von dessen jüngerem Sohn Augustin leiten sich die Miller (Aichholz) ab. Johannes Baptista Miller (um 1600), Bäckermeister in Lana (Tirol), gilt als Stammvater der Miller von Cles. Franz (1770–1853) war Kaufmann in Cles. Sein Sohn Josef v. M. (österr. Ritterstand 1865, 1797-1871, s. ÖBL) wurde als Knabe von Andreas Hofer 1809 für gefahrvolle Botengänge ausgezeichnet, floh später nach Wien und wurde Drogist. 1827 gründete er die Handelsgesellschaft für Drogeriewaren Josef Maria Miller & Co. in Wien und 1836 eine Handelsfirma in Triest; 1839 erwarb er eine Rohrzuckerraffinerie in der Wiener Vorstadt Schottenfeld, war 1851 Mitbegründer der Ersten Österr. Sodafabrik in Hruschau (Österr. Schlesien), die 1852 um eine Tonwarenfabrik erweitert wurde und deren alleiniger Inhaber später sein Sohn Franz (1831–97) war. Josef beteiligte sich in der Folge auch an Textilunternehmen und an der Papierfabrik in Kleinneusiedel (Niederösterreich). Er fungierte seit 1852 als Nationalbankdirektor und war Handelskammerrat, Abgeordneter der Frankfurter Paulskirche (1848) und Wiener Gemeinderat. Sein Sohn Vinzenz (1827–1913), Industrieller, war zunächst im Handelshaus in Triest tätig. Nach dem Tode des Vaters übernahm er 1871 die Leitung des Wiener Stammhauses. Er war Mitglied der Direktion zahlreicher Banken und Industrieunternehmen, u. a. vier Jahrzehnte lang Präsident des Verwaltungsrats der Neusiedler AG für Papierfabrikation, 1891-1910 Präsident der Wiener Börsenkammer und seit 1891 lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Ein weiterer Sohn, August (1829–99), war ebenfalls Industrieller, gehörte den Verwaltungsräten zahlreicher Unternehmen an und war Mitbegründer der Deutschen Zeitung und des Wiener Stadttheaters. Sein Bruder Eugen (1835–1919) betätigte sich als Mäzen und schuf eine der bedeutendsten Sammlungen ital. Renaissance-Kunst in Wien. Der jüngste Sohn Josefs, Viktor (1845–1910, s. ÖBL), studierte Chemie, trat in die Leitung der Sodafabrik in Hruschau ein und war dort Bürgermeister. Anschließend war er im Bankhaus J. M. Miller & Co. in Wien tätig. Er verkehrte mit zahlreichen namhaften Künstlern, war mit Brahms eng befreundet und gehörte zu den Gründern der Brahms-Gesellschaft. Seine bedeutende Münzsammlung wurde nach seinem Tode vom Wiener Kunsthistorischen Museum übernommen.

  • Literatur

    S. Hahn, Reichsraths-Alm. f. d. Session 1891-1892, 1891, S. 294;
    August v. Miller, Esse quam videri, Lb. d. Stammherrn d. Wiener Fam. M. z. A., Josef Maria Rr. v. M. z. A., 1907;
    Meidling, Der 12. Wiener Gemeindebez. in Vergangenheit u. Gegenwart, 1930;
    B. Michel, Banques et banquiers en Autriche au début du 20e siècle, 1976;
    Wurzbach 18;
    ÖBL (L).– Zu Eberhard Mülner: ADB 22;
    R. Camper, Die Zürcher Stadtchroniken u. ihre Ausbreitung in d. Ostschweiz, 1984;
    HBLS.

  • Autor/in

    Josef Mentschl
  • Empfohlene Zitierweise

    Mentschl, Josef, "Miller zu Aichholz" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 526 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119520907.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA