Lebensdaten
1785 bis 1838
Geburtsort
Konstantinopel (Stadtteil Pera)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Sängerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117041556 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Milder, Anna
  • Milder-Hauptmann, Paulina Anna (verheiratete)
  • Milder-Hauptmann, Pauline Anna (verheiratete)
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Zitierweise

Milder, Pauline Anna, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117041556.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Felix, Konditor, Dolmetscher, Kabinettskurier, zeitweilig bei d. österr. Gesandtschaft in K. angestellt;
    1809 (1810) (später ⚮) Peter Hauptmann (1763–1858), Goldarbeiter u. Pretiosenschätzmeister, Hofjuwelier (s. Wurzbach VIII);
    1 K.

  • Leben

    1795 ans Konstantinopel über Bukarest nach Wien gelangt, zog die Familie nach Hütteldorf vor den Toren Wiens. Hier wurden M.s musikalisches Talent und ihre Singstimme entdeckt und vom Dorfschulmeister ausgebildet. In der Folge erhielt sie Unterricht bei Sigismund Neukomm, einem Schüler der Brüder Haydn, sowie bei Antonio Salieri. Während dieser Zeit scheint M. als Kammerjungfer tätig gewesen zu sein. Ein weiterer Förderer wurde Emanuel Schikaneder, der sie am 9.4.1803 auf der Bühne seines „Theaters an der Wien“ erstmals dem Publikum vorstellte. Dabei sang sie im „Spiegel von Arkadien“ von Franz Xaver Süßmayer die Juno. Vier Jahre später erfolgte ihr Engagement an das Kärntnertortheater, wo sie bis 1816 wirken sollte.

    Für die von Anfang an bewunderte Stimme M.s schrieben im Laufe ihrer Karriere mehrere Komponisten geeignete Partien: Cherubini seine „Faniska“ (1806) und der seinerzeit viel gespielte Joseph Weigl die Rolle der Emmeline in der lange populär gebliebenen „Schweizerfamilie“. Beethoven komponierte seine „Leonore“ für M., die sie 1805 im „Theater an der Wien“ zur Uraufführung brachte und ebenfalls in der endgültigen Fassung als „Fidelio“ 1814 am Kärntnertortheater erstmals interpretierte. Schubert widmete ihr seine Lieder nach Goethes „West-östlichem Divan“. M.s Heirat mit Peter Hauptmann, der vor allem während der Franzosenkriege in Wien wesentliche Ehrenämter bekleidete und dafür ausgezeichnet wurde, hinderte die sich jetzt M.-Hauptmann nennende Künstlerin daran, an die Pariser Oper zu gehen, wohin Napoleon sie gerne verpflichtet hätte. Er hatte sie anläßlich der Besetzung Wiens bei einem Konzert im Schloß Schönbrunn bewundert. Durch ihre außergewöhnliche Stimme und ihre Darstellungsfähigkeit (wenngleich bisweilen ihr Wiener Dialekt als störend empfunden wurde) trug sie auch zu einer Renaissance der Opern von Gluck bei, dessen Alceste, Armida und Iphigenie sie lange in ihrem Repertoire hatte. Von Wien aus gastierte M. in Breslau, Berlin (1811), Karlsruhe, Stuttgart und Frankfurt/Main (1813), ehe sie 1816 kontraktwidrig Wien verließ, um Mitglied der Berliner Hofoper zu werden. Hier baute sie ihr Rollenfach weiter aus und verhalf vor allem den Opern des dort seit 1820 als Direktor wirkenden Spontini („Die Vestalin“, „Olimpia“, „Nurmahal“) zum Erfolg.

    Einer ihrer großen Verehrer war Goethe, der der Sängerin folgende Verse widmete: „Das unschuldvolle fromme Spiel,/Das edlen Beifall sich errungen,/Erreichte doch ein höh'res Zieh:/Von Gluck betont, von Dir gesungen“. Als ihre Stimme abnahm, überwarf M. sich mit Spontini. Da er ihr nicht länger die führenden Partien übertrug, verließ sie 1829 Berlin und ging auf Gastspielreisen mit Konzerten. Sie trat in Schweden, Dänemark, Rußland und den größeren Städten Deutschlands auf, ehe sie sich 1836 in Wien von ihrem Publikum endgültig verabschiedete und sich ins Privatlehen nach Berlin zurückzog. Dort starb M., eine der bedeutendsten Sängerinnen ihrer Zeit im deutschen Sprachraum, zwei Jahre später.

  • Literatur

    ADB 21;
    Wiener Allg. Theaterztg. v. 6.6.1838;
    Alm. f. Freunde d. Schauspielkunst, 1839, S. 65 ff.;
    J. Schreyvogel, Tagebücher 1810-1823, in: Schrr. d. Ges. f. Theatergesch. ⅔, 1903;
    Neue Freie Presse v. 19.11.1905, 8.4.1927, 29.5.1938;
    Th. v. Frimmel, Beethoven-Hdb. I, 1926;
    H. A. Mansfeld, Wiener Theaterleute auf Wanderschaft, in: Jb. d. Ges. f. Wiener Theaterforschung 11, 1959;
    ders., Theaterleute in d. Akten d. k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung v. 1792-1867, ebd. 13, 1961, S. 102;
    Kataloge d. Hist. Mus. d. Stadt Wien: Nr. 26, Wien 1800-1850, 1969, Nr. 28, Beethoven 1970, Nr. 30, Theater 1971/72;
    R. Blum, K. Herloßsohn u. H. Marggraf (Hrsg.), Allg. Theaterlex. V, 1841;
    Biogr. Bühnenlex. d. Dt. Theater, 1892;
    Eisenberg;
    Enc.|dello Spettacolo, 1960;
    Kosch, Theaterlex.;
    Riemann;
    Wurzbach 18;
    ÖBL.

  • Portraits

    Gem. (Wien, Hist. Mus. d. Stadt Wien u. Nat.-bibl.).

  • Autor/in

    Lorenz Mikoletzky
  • Empfohlene Zitierweise

    Mikoletzky, Lorenz, "Milder, Pauline Anna" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 508-509 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117041556.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Milder: Pauline Anna M.-Hauptmann, Sängerin, geb. am 13. Dec. 1785 zu Konstantinopel, am 29. Mai 1838 zu Berlin. Die Jugendgeschichte der M. ist in ziemliches Dunkel gehüllt und selbst über ihren Geburtsort schwanken die Angaben, doch dürfte nach sorgfältiger Untersuchung der Quellen die Biographie in Nr. 28 des Jahrgangs 1838 der Allg. Musikalischen Zeitung, der wir deshalb auch folgen, die zuverlässigste sein. M. lebte bis zu ihrem fünften Jahr in Konstantinopel, kam dann mit ihrer Familie nach Bukarest, wo ihr Vater, der in Konstantinopel als Conditor (nach Andern als Courier) in Diensten des österreichischen Gesandten Herbert Baron von Rathkeal gestanden hatte, zunächst Dolmetscher beim Fürsten Maurozani wurde. Erst mit 10 Jahren gelangte Anna nach Wien, und da sie das dortige Klima nicht|vertragen konnte, zog die Familie nach Hüttelsdorf. Hier genoß sie den ersten Musikunterricht, den ihr ein Dorfschulmeister ertheilte, wurde später S. Neukomm's und Salieri's Schülerin und betrat, nachdem Haydn und Schikaneder die Größe ihrer Stimme bewundert hatten, am 9. April 1803 als Juno in Süßmayer's „Spiegel von Arkadien“ mit ungeahntem Erfolg die Bühne. 4 Jahre später erhielt sie ein Engagement am Hofoperntheater, zu dessen hervorragendsten Stützen sie bis 1815 gehörte. Reichardt erkennt ihre Stimme in seinen Briefen aus Wien als die schönste an, welche er außer der der Mara gehört. Durch ihre Kunst wurden die Gluck'schen Opern zu neuem Leben erweckt und gefeierte Componisten ihrer Zeit schrieben Werke mit Rücksicht auf ihre Darstellung. So hat Beethoven seinen „Fidelio", Cherubini seine „Faniska", Weigl das „Waisenhaus“ und die „Schweizerfamilie“ für sie componirt. 1809 errang die Künstlerin durch ihre gesanglichen Leistungen in Schönbrunn die Bewunderung Napoleon's, der sie für Paris engagiren ließ. Nur ihre Verehelichung mit dem Hofjuwelier Peter Hauptmann, welche in das Jahr 1810 fällt, hinderte sie nach der französischen Hauptstadt zu gehen. Die nächsten Jahre waren zum Theil Gastspielen gewidmet. 1811 sang M. in Breslau und Berlin, 1813 in Karlsruhe, Stuttgart, Frankfurt a. M. Im Mai 1815 verließ sie Wien auf immer und trat in den Verband des Berliner Hoftheaters, dem sie bis 1829 angehörte. In diese Zeit fällt das Urtheil Ranke's, der von der Künstlerin sagte: „Auf alles Edle, Große, Erhabene durch Gestalt und Haltung, wie auf das eigenste Besitzthum hingewiesen, hat sie eine Stimme, die durch bloßes Anschlagen eines Tones die Gemüther beherrscht, die tiefste Wehmuth erwecken und zur innigsten Theilnahme hinreißen kann“. Goethe, der die Sängerin 1823 in Marienbad gehört und Zelter versprochen hatte, ihr durch ihn „das erste Blättchen, das ihrer nicht ganz unwerth sei“, zu senden, schickte ihr mit einem Exemplare der Iphigenie folgende Verse:

    Das unschuldvolle fromme Spiel, Das edlen Beifall sich errungen, Erreichte doch ein höh'res Ziel: Von Gluck betont, von Dir gesungen.

    1829 verließ M. Berlin, nicht mehr im Vollbesitz ihrer Mittel und deshalb von Spontini, der ihr viel Dank schuldete, vernachlässigt. Sie sang während der nächsten Jahre in Petersburg, Kopenhagen, Stockholm und mehreren norddeutschen Städten und nahm 1836 in Wien in einem Concerte von der Oeffentlichkeit Abschied. Die letzten Jahre verlebte sie in stiller Zurückgezogenheit in Berlin. — M. war ohne Zweifel eine der ausgezeichnetsten dramatischen Sängerinnen die Deutschland besessen, sie wirkte vor allem durch die Macht und den Wohllaut ihrer Stimme, dann aber auch durch ihre plastische Darstellung. Leider fehlte der ersteren Feuer und Schmelz des Vortrags, letzterer Adel und Poesie. In ihrer Declamation störte zuweilen ein Durchklingen des Wiener Dialekts. Ihre vorzüglichsten Leistungen waren die Alceste von Gluck, der sich Armida, Iphigenia, Statira, Lodoiska, Fidelio, Elvira u. a. anschlossen.

  • Autor/in

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Milder, Pauline Anna" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 742-743 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117041556.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA