Lebensdaten
1744 bis 1819
Geburtsort
Lingen
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
reformierter Theologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117027162 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mieg, Johann Friedrich
  • Mieg, C. O. F.
  • Mieg, Johann Friderich

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Zitierweise

Mieg, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117027162.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Casimir (1712–64), Pfarrer, Prof. d. Theol. u. oriental. Sprachen in L., seit 1757 in Herborn (s. L), S d. Ludwig Christian (1668–1740), Prof. d. Theol. (beide s. Fam.art.);
    M Catarina Walburgis Dauphin, Wwe d. holländ. Gesandtschaftspredigers zu Regensburg Johann Samuel Donckermann;
    Ov Johann Friedrich (1700–88), Prof. d. Hebr. Sprache in H., Ludwig Georg (1705–61), Prof. d. Eloquenz in H. (beide s. Fam.art.);
    Heidelberg 1778 Catherine Elisabeth (1756–1839), T d. Johann Peter Wilhelmi aus Regensburg u. d. Maria Lesigal; kinderlos; Zieh-T Elisabetha Sophia Christiana (1786–1802), T d. Johann Heinrich Jung gen. Stilling (1740–1817, Schriftst., Arzt, Kameralist, s. NDB X); Verwandter Arnold (s. 2).

  • Leben

    Nach dem Studium der Philosophie und der Theologie in Herborn und Groningen wirkte M. 1767-76 als niederländ. Gesandtschaftsprediger in Wien. Er knüpfte enge Kontakte zu den Aufklärern der Donaumetropole, deren „Gelehrsamkeit“ er in „freymüthigen Briefen“ würdigte. Zu seinem Freundeskreis zählten der Hofbibliothekar A. F. Kollar, der siebenbürg. Hofkanzler S. Teleki v. Szék sowie der aus dem Elsaß stammende Unternehmer Johann Gf. v. Fries. Sie führten ihn auch in die Freimaurerei ein, wie seine 1773 erfolgte Aufnahme in die schott. Loge „Zu den drei Adlern“ belegt. 1776 übersiedelte M., der wie viele seiner Vorfahren zum ref. Kirchenrat der Kurpfalz und zum Prediger an der Heidelberger Heiliggeistkirche ernannt worden war, an den Neckar. Hier setzte er sein Engagement für die Ziele der Aufklärung fort. In zahlreichen gedruckten Predigten und Publikationen, darunter die Wochenschrift „Der Rheinische Zuschauer“, die er 1778 zusammen mit dem Pädagogen David Christoph Seybold redigierte, setzte er sich für den interkonfessionellen Ausgleich, für die Emanzipation des Dritten Standes und für eine „patriotische“ Erziehung der Kinder ein. Zusammen mit dem Theologieprofessor Dominik Gottlieb Theophil Heddäus gab er 1785 außerdem ein neues, der rationalistischen Theologie verpflichtetes Gesangbuch heraus.

    Bedeutung erlangte M. jedoch nicht als ein den (volks-)aufklärerischen Konventionen verhafteter Publizist, sondern vielmehr als rheinpfälz. „Provinzial“ des von A. Weishaupt gegründeten „Illuminatenordens“. Er – nicht seine gleichnamiger Onkel – trug maßgeblich zur Ausbreitung des Geheimbundes in Südwestdeutschland bei. Hierbei kamen ihm ebenso wie bei seinem Eintreten für C. F. Bahrdts „Deutsche Union“ oder seinen zumindest für die Polizeibehörden außer Frage stehenden Kontakten zu den süddeutschen Revolutionsanhängern seine Position im Netzwerk der südwestdeutschen Sozietäten und seine Verbindungen zur mitteleurop. Gelehrtenrepublik zugute. Neben dem Engagement des Mitglieds der „Haarlemer Maatschappij de Wetenschapen“ und der Londoner „Societas de propaganda fide“ in der „Deutschen Gesellschaft“ Mannheims sind vor allem die persönlichen Beziehungen des Freimaurers zu den (zeitweise) im Südwesten wirkenden Gelehrten und Publizisten J. H. Jung-Stilling, A. Frhr. Knigge, C. F. Bahrdt und G. Forster sowie sein Briefwechsel mit F. Nicolai und H. Pestalozzi hervorzuheben. Letzteren gewann er für den Illuminatenorden.

    Darüber hinaus waren M.s kirchenpolitische Aktivitäten eng verknüpft mit dem jahrzehntelangen Kampf der pfälz. Reformierten gegen die Beschneidung ihrer überkommenen Rechte durch die kath. Kurfürsten sowie mit den seit 1797 verstärkten Bemühungen des Kirchenrats, seine linksrhein. Einkünfte nach dem Vordringen der franz. Revolutionstruppen zu erhalten, und sei es um den Preis einer Vereinigung der rechtsrhein. Landesteile mit der Republik. Die „Religionsdeklaration“ vom Mai 1799, die Max Joseph nach neunjährigen, noch zu Lebzeiten des Kf. Carl Theodor von Montgelas geführten Geheimverhandlungen in Kraft setzte und die zur Grundlage für die bayer. Toleranzedikte der Folgejahre wurde, kam zumindest dem erstgenannten Ziel entgegen.

  • Werke

    Die Gerechtigkeit, e. Volkes Zierde, Eine Bußpredigt, 1770;
    Predigten, 1770;
    Vertraute Briefe d. Gf. B* * * üb. d. Zustand d. Wiss. in Wien, 1774;
    Ueber d. Studium d. Sprache, bes. d. Muttersprache, 1782;
    Die wahre Größe e. Fürsten, Gelegenheitsrede 1782;
    Rede an d. 4. akadem. Jubelfeyer, 1786;
    Heidelberg vor 100 J. durch Kriegswuth eingeäschert, 1793;
    Dankrede auf d. sel. Böhme, 1794. – Mithrsg.: Der Rhein. Zuschauer, 1778;
    Das neue Gesangbuch. d. ref. Gemeinde d. Kurpfalz, 1785.

  • Literatur

    C. Banzhaf, Die Mieg u. ihr Geschl., 1925, S. 141 ff.;
    Ph. Mieg, Histoire généalogique de la famille M., 1934, S. 138 f.;
    G. Pfeiffer, Die Umwandlung Bayerns in e. parität. Staat, in: Bayern, Staat u. Kirche, Land u. Volk, 1960, S. 35 ff.;
    R. van Dülmen, Der Geheimbund d. Illuminaten, 1975;
    W. Kreutz, Die Illuminaten d. rhein.-pfälz. Raums u. a. außerbayer. Territorien, in: Francia 18/2, 1991, S. 115 ff.;
    H. Schüttler, Die Mitgll. d. Illuminatenordens 1776-1787/93, 1991, S. 105;
    Wurzbach 18;
    Meusel, Gel. Teutschland V, S. 239 f. (W-Verz.). – Zu Johann Casimir:
    ADB 52;
    W. Tunfelde, Die Prediger d. ref. Gemeinde d. Stadt Lingen (Ems), 1968, S. 89 f. (W, L);
    Biogr. Hdb. z. Gesch. d. Region Osnabrück, bearb. v. R. Hehemann, 1990.

  • Autor/in

    Wilhelm Kreutz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreutz, Wilhelm, "Mieg, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 469 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117027162.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA