Lebensdaten
1875 bis 1940
Geburtsort
Waldfeucht Kreis Heinsberg (Rheinland)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117013870 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Houben, Josef

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Zitierweise

Houben, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117013870.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1838–1923), Leutnant a. D., Rentmeister in W., S d. Hutmachers Adolf in Düren u. d. Anna Maria Rumpel;
    M Anna Virnich (1838–1923) aus Düren; Vt 2. Grades Heinrich (s. 1);
    - Berlin 1921 Elsbet (* 1887), T d. Josef Wagenhäuser (1852–1931), Prof. d. Ohrenheilkde. in Würzburg (s. Fischer), u. d. Clara Freiin v. Troeltsch; kinderlos.

  • Leben

    H. begann 1894 sein Studium in Bonn mit den Fächern Mathematik und Astronomie, wandte sich aber unter dem Einfluß von Kekulé bald der Chemie zu und wurde 1898 als Schüler von J. Bredt zum Dr. phil. promoviert. Nach Assistentenjahren in Aachen, Bonn und wieder in Aachen ging er nach Berlin, wo er am Institut Emil Fischers seinen eigenen Stil wissenschaftlichen Arbeitens gewann. Die Habilitation fand 1908 statt. Im 1. Weltkrieg zunächst Bataillonsadjutant, wurde er nach mehrfacher Verwundung als Leiter von Kriegslaboratorien und -wirtschaftsstellen eingesetzt und war 1917-19 mit dem Titel „Professor“ Assistent des Technologischen Instituts der Universität Berlin. 1921 wurde er, unter gleichzeitiger Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität, an die Biolog. Reichsanstalt in Berlin-Dahlem berufen. Hier wurde er 1933 als Oberregierungsrat aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt. – Dr.-Ingenieur honoris causa (Dresden 1931).

    H.s Hauptarbeitsgebiete lassen sich nach 3 Gruppen geordnet angeben. Am Fischerschen Institut beschäftigte er sich mit den damals gerade bekannt gewordenen magnesiumorganischen Verbindungen, deren große Reaktionsfähigkeit er für vielerlei Synthesen ausnützte. U. a. widmete er eine Versuchsreihe den Carbithiosäuren. Ein der Kolbeschen Salicylsäuresynthese nachgebildetes Verfahren führte zur Darstellung von Arylamincarbonsäuren. Nach dem 1. Weltkriege wurde die „Ketonsynthese“, die Synthese aromatischer Ketone und Ketonimide aus Phenolen, Nitrilen und Salzsäure, ausgebaut. Sie entstand, nach ausgedehnten Voruntersuchungen über Iminoester, Ketimine und andere,|in Anlehnung an die Gattermannsche Aldehydsynthese. Die geistige Urheberschaft dieser Reaktion, die schon vor H. durch K. Hoesch veröffentlicht worden war, hat H. stets für sich in Anspruch genommen. Die Methode war bei geeigneter Wahl der Kondensationsmittel außerordentlich erweiterungsfähig und führte auch zur Synthese von Naturstoffen. Das schon in der Promotionsarbeit unter Bredt angeschnittene Thema der Derivate der Campherreihe wurde später wieder aufgegriffen. Anlagerungs- und Umlagerungsprodukte wurden synthetisiert und in ihrer Konstitution aufgeklärt mit dem schließlich erreichten Ziel des planmäßigen und in jedem Einzelschritt verfolgbaren Umbaus der optisch aktiven Systeme in ihre räumlichen Gegenformen, eine unmittelbare Bestätigung der vant Hoffschen Theorie vom asymmetrischen Kohlenstoffatom.

    H.s Lebenswerk ist die Herausgabe und gänzliche Neubearbeitung des von Th. Weyl begründeten Handbuchs „Methoden der organ. Chemie“, 2. und 3. Auflage, das als „Houben-Weyl“ H.s Namen in der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Es hat seine Fortführung erfahren in der von Eugen Müller, Tübingen, herausgegebenen neugestalteten 4. Auflage mit 1971 bereits 31 Bänden.

  • Werke

    u. a. Die Methoden d. organ. Chemie, 4 Bde., 21921-24, 31925-41;
    Die Fortschritte d. Heilstoffchemie, I. Abt., Bd. 1-6, 1926-31, II. Abt., Bd. 1-3, 1931-39 (mit E. Pfankuch);
    Das Anthrazen u. d. Anthrachinone, 1928 (mit G. Hilgendorff);
    - Carbithiosäuren, 5 Mitt., in: Berr. d. dt. chem. Ges. 39-44, 1906-11 (mit H. Pohl u. K. M. J. Schultze);
    Kernkondensat, v. Phenolen u. Phenoläthern mit Nitrilen zu Phenol- u. Phenoläther-Ketimiden u. -
    Ketonen, 4 Mitt., ebd. 59, 1926, 60, 1927, u. in: Journal f. prakt. Chemie 123, 1929 (mit G. Blaese u. Walter Fischer);
    Kernsynth. v. Ketimiden u. Ketonen durch Kondensation v. Nitrilen mit aromat. u. heterocycl. Verbindungen, 3 Mitt., in: Journal f. prakt. Chemie 123, 1929, u. in: Berr. d. dt. chem. Ges. 63/64, 1930/31 (mit Walter Fischer);
    Campher u. Terpene, 10 Mitt., in: Liebigs Ann. 395-507, 1913-33, u. in: Berr. d. dt. chem. Ges. 60-64, 1927-31 (mit E. Pfankuch);
    Entstehung d. Organomagnesiumhaloide u. ihr Verhalten gegenüber Halogenwasserstoffen, in: Berr. d. dt. chem. Ges. 69, 1936 (mit Boedler u. Walter Fischer).

  • Literatur

    E. Pfankuch, in: Berr. d. dt. chem. Ges. 73, 1940 A, S. 119 f.;
    Angew. Chemie 54, 1941;
    Pogg. IV-VII a.

  • Autor/in

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Houben, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 659 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117013870.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA