Weyl, Theodor

Lebensdaten
1851 – 1910
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker ; Hygieniker ; Physiologe ; Arzt
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117332585 | OGND | VIAF: 7470037
Namensvarianten

  • Weyl, Theodor
  • Weyl
  • Weyl, Th.

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Zitierweise

Weyl, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117332585.html [28.02.2026].

CC0

  • Weyl, Theodor

    | Chemiker, Hygieniker, Physiologe, * 8.1.1851 Berlin, † 6.6.1910 Charlottenburg. (jüdisch)

  • Genealogie

    V Louis (Lewin Kallmann Louis W.) (1815–51), aus B., Dr. phil., Buchhändler, Schriftst., Humorist (s. Gelehrtes Berlin im J. 1845, 1846; NND 29, 1853; J. Jacobson, Die Judenbürgerbücher d. Stadt Berlin 1809–1851, 1962);
    M Lina (Edeline) (1829–95), zuletzt in B., T d. Jonas Simon Aron Weinberg, Kaufm. in Danzig;
    Tante-m Johanne Weinberg (* 1814, Abraham [Adolph] Cohn, 1817–91, Buchhändler in B.);
    Berlin 1880 Elise (* 1859), T d. Hirsch Hermann Weinberg (1816–1877), Großkaufm. in Danzig, Stadtverordneter ebd., u. d. Clothilde Wolff;
    2 S Bruno (1881–1943 Auschwitz, Marie-Luise Fraentzel,* 1884 – n. 1945, T d. Oscar Fraentzel, 1838–94, Dr. med., Internist, Leiter d. Inneren Station d. Ksn. Augusta Hospitals in Berlin, 1875 ao. Prof. f. physikal. Unters.methoden an d. Univ. Berlin, Geh. Med.rat, s. ADB 48; Pagel, u. d. Catharina Traube, 1851–1923, beide s. NDB 26*), Elektroing. b. d. Fa. Siemens-Schuckert in B., Erich (* 1886).

  • Biographie

    Nach dem Abitur studierte W. seit 1872 Medizin und Chemie an den Universitäten Heidelberg, Berlin und Straßburg. Noch als Student veröffentlichte er aus Arbeiten in den Instituten von Emil Heinrich du Bois-Reymond (1818–96) in Berlin und von Felix Hoppe-Seyler (1825–1895) in Straßburg kleinere physiologische Untersuchungen. Mit einer Schrift über tierische und pflanzliche Eiweißstoffe wurde er 1877 in Straßburg zum Dr. med. promoviert. Anschließend kehrte er an das chemisch-physiologische Universitätslaboratorium nach Berlin zurück und veröffentlichte als Resultat seiner Studien einen Aufsatz über eine „Neue Reaktion auf Kreatinin und Kreatin“ (Berr. d. dt. chem. Ges. 11, 1878, S. 2175–77). Diese Methode, eine Farbreaktion, wurde als „Weyl-Reaktion“ rasch bekannt. 1879 für Physiologie an der Univ. Erlangen habilitiert, forschte W. zur Physiologischen Chemie und verbrachte den Winter 1880/81 an der Zoologischen Station Anton Dohrns (1840–1909) in Neapel, wo er u. a. das elektrische Organ des Zitteraals untersuchte. 1883 errichtete W. in Berlin sein eigenes Laboratorium, in dem er und seine Mitarbeiter zahlreiche Themen der Biochemie und der Naturstoffchemie bearbeiteten, insbesondere die Substanzklasse der Terpene.

    Im rasch wachsenden Berlin interessierte W. die öffentliche Gesundheitsvorsorge, weshalb er sein Labor auflöste und als Assistent an das von Robert Koch (1843–1910) geleitete Hygienische Institut der TH Berlin-Charlottenburg wechselte. Hier wandte er sich u. a. der Untersuchung der damals auf den Markt gekommenen synthetischen Lebensmittelfarbstoffe (Teerfarbstoffe) zu. Berühmt wurde|sein Feldzug gegen die als „Safran-Surrogate“ in Mode gekommenen toxischen Farbstoffe Dinitrokresol und Martius Gelb (Natriumsalz des 2,4-Dinitro-1-naphthols). Mit umfangreichen Untersuchungen zur Beseitigung von Hausmüll, mit Qualitätskontrollen von Trinkwasser und mit der Empfehlung zur Verbrennung der in großen Mengen in Krankenhäusern und Kasernen anfallenden Fäkalien trug W. wesentlich zur Verbesserung der allgemeinen Hygiene bei. Als national und international geschätzter Experte auf diesem Gebiet half er, 1896 die öffentliche Gesundheit in Metropolen wie Moskau und Konstantinopel zu verbessern. 1911 zum ao. Professor ernannt, blieb seine Dienststellung als Privatdozent bestehen (1895 Umhabilitierung nach Berlin); ein Ruf auf einen Lehrstuhl blieb möglicherweise wegen seiner jüd. Herkunft aus.

    Neben mehreren Monographien verfaßte W. zahlreiche Handbücher, z. B. „Handbuch der Hygiene“ (10 Bde., 1896–1901) und „Handbuch der Arbeiterkrankheiten“ (1908). Die Publikation „Methoden der Organischen Chemie“, die seit 1908 erschien und die wichtigsten Laboratoriumsmethoden dieser Disziplin einer kritischen Würdigung unterzog und dann praktische Empfehlungen gab, wurde besonders bedeutend. Das mit Josef Houben (1875–1940) herausgegebene Werk – schon bald weltweit als „Houben-Weyl“ bekannt – umfaßte 2003 in seiner 4. Auflage 162 Bände (seit 2000 ausschließlich elektronisch u. d. T. „Science of Synthesis“).

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Physikal.-med. Soz. in Erlangen (1879);
    Gen.sekr. d. dt. Ges. f. öff. Gesundheitspflege z. Berlin.

  • Werke

    Weitere W Über Eiweißverdauung u. über Spaltung d. Tyrosons durch Fäulnis, 1879 (Habil.schr.);
    Über spontane Tuberkulose b. Hunde, in: Uhlworms Zentralbl. f. Bakteriol. u. Parasitenkde. 6, 1889, S. 689–91;
    Über Kreolin, in: Zs. f. Hygiene 6, 1889, S. 151–61;
    Zur Kenntnis d. Anaeroben, ebd. 8, 1890, S. 41–47, 404–11 u. 9, 1890, S. 97–102 (mit S. Kitasato);
    Zur Kenntnis d. Lymphe, ebd. 10, 1891, S. 523–28 (mit M. Schulz);
    Zur Theorie d. Immunität gegen Milzbrand, in: Zs. f. Hygiene u. Infektionskrankheiten 11, 1892, S. 381–92;
    Die Theerfarben mit bes. Berücksichtigung auf Schädlichkeit u. Gesetzgebung, 1889;
    Über Gewinnung v. Dauermilch, in: Berliner klin. Wschr. 28, 1891, S. 1009–11 (mit R. Pictet);
    Zur Chemie u. Toxikol. d. Tuberkelbacillus, in: Dt. med. Wschr. 17, 1891, S. 256 f.

  • Literatur

    |E. Börnstein, in: Berr. d. dt. chem. Ges. 47, 1914, S. 2395–404;
    H. Hopf u. M. F. Shortt de Fernandez, 100 Years W., Houben and their Handbook (im Internet, P);
    Erlanger Professoren II;
    Fischer;
    Pogg. VI.

  • Autor/in

    Henning Hopf
  • Zitierweise

    Hopf, Henning, "Weyl, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 13-14 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117332585.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA