Lebensdaten
1869 bis 1928
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Geologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117013498 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michael, Richard

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Zitierweise

Michael, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117013498.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav ( 1875);
    M Marie Marsch ( 1889);
    B Hugo (1850-v. 1931), Dr. phil., klass. Philologe, Gymnasiallehrer in Breslau (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1928); – * 1) 1897 Maria Baum, 2) 1923 Rita Wanner;
    1 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in Breslau. Nach der Reifeprüfung 1887 studierte er zunächst in Breslau, später in Wien Geographie und Naturwissenschaften, wo u. a. A. Penck für seine wissenschaftliche Ausrichtung bestimmend wurde. Eine ihm in Wien angebotene Assistentenstelle schlug er aus, um in Breslau bei F. Römer zu promovieren. Seine 1897 vorgelegte Dissertation „Cenoman und Turon in der Gegend von Cudowa in Schlesien“ erbrachte den Nachweis, daß, entgegen bisherigen Annahmen, in der Glatzer Kreide auch Turon in mehrfacher Schichtenfolge auftritt. Im Anschluß an seine Promotion absolvierte M. den Militärdienst (1896 Leutnant d. R.), trat aber schon während seines Dienstjahres eine Assistentenstelle am Mineralogischen Museum in Breslau an, die man ihm 1894/95 auch offiziell übertrug. M. befaßte sich hier vorwiegend mit paläontologischen Arbeiten, von denen die Studie einer neuen Lepidosteidengattung im oberschles. Keuper und seine Entdeckung einer Ammonitenbrut in der Wohnkammer von Oppelia Steraspis genannt seien.

    1895 trat M. in die Preuß. Geologische Landesanstalt ein, 1901 wurde er zum Bezirksgeologen in Oberschlesien ernannt; 1905 erfolgte die Beförderung zum Landesgeologen, 1916 wurde ihm der Charakter als Geh. Bergrat verliehen. 1921 gelangte er auf die neu geschaffene Stelle eines Abteilungsdirektors an der Geologischen Landesanstalt, wo ihm die Bearbeitung der Publikationen der Landesanstalt oblag. 1924 wurde M. schließlich ständiger Vertreter des Präsidenten der Anstalt. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde M. 1914 in die Militär-, 1915 in die Zivilverwaltung des okkupierten Russisch-Polen berufen und war in Posen und Warschau tätig. 1917 übernahm er für wenige Monate die für Geologie, Kartographie und Bibliographie zuständige Abteilung im Generalgouvernement Warschau. Zum Jahresbeginn 1918 nahm M. seinen Dienst in der Landesanstalt wieder auf.

    Mit der Ernennung zum oberschles. Bezirksgeologen hatte M. seine wissenschaftliche Lebensaufgabe gefunden. Neben der Auswertung dort durchgeführter Tiefbohrungen befaßte er sich besonders mit dem Studium der|hydrologischen Gegebenheiten im Hinblick auf die Wasserversorgung Oberschlesiens. Die auf M.s Studien basierenden Planungen konnten indes aufgrund des Krieges nicht mehr realisiert werden. Mit seinem zweiten großen Arbeitsbereich, der geologisch-kartographischen Erfassung des oberschles. Steinkohlereviers, leistete M. Bahnbrechendes. Neben dem preuß. Staatsgebiet dehnte er seine Untersuchungen auch auf die Steinkohlefelder im österr. Teil Schlesiens und Mährens sowie Westgalizien aus. Ferner befaßte er sich mit einer Vielzahl praktisch-geologischer Fragen, wie der Einzel Wasserversorgung etlicher Städte und der Wasserhaltung diverser Gruben. Die Resultate seiner Arbeiten wurden in den Kartenblättern der Geologischen Landesanstalt (Maßstab 1:25 000) sowie in zahlreichen Einzelveröffentlichungen niedergelegt. Eine Zusammenfassung seiner auf die Steinkohle bezogenen Untersuchungen bildet die „Geologie des oberschles. Steinkohlengebirges“ (1913). Seit 1909 unterrichtete M. nebenberuflich als Dozent an der Berliner Bergakademie, bis zu deren Eingliederung in die TH Berlin-Charlottenburg 1916. Danach wurden seine Vorlesungen zur Geologie Deutschlands zunächst als entbehrlich angesehen, wofür finanzielle Gründe maßgebend waren. Seine Bemühungen, als Privatdozent ohne Entgelt lesen zu dürfen, stießen wegen der fehlenden Habilitation auf Schwierigkeiten, die 1917 mit seiner Ernennung zum Honorarprofessor durch den Senat der Hochschule beseitigt werden konnten. M. nahm 1918 die Lehrtätigkeit wieder auf und beendete seine Vorlesungen erst 1924, nach der Ernennung zum Stellvertreter des Präsidenten der Landesanstalt.|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (1908); Geh. Bergrat (1916); Offizierskreuz d. Franz Joseph-Ordens (1916).

  • Werke

    u. a. Über e. neue Lepidosteidengattung aus d. Keuper Oberschlesiens, in: Zs. d. Dt. geolog. Ges. 45, 1893, S. 710-29;
    Über Ammonitenbrut mit Aptychen in d. Wohnkammer v. Oppelia Steraspis, ebd. 46, 1894, S. 697-702;
    Über d. Lagerungsverhältnisse u. Verbreitung d. Karbonschichten im südl. Teile d. oberschles. Steinkohlenbeckens, ebd. 60, 1908, S. 2-18;
    Zur Geol. d. Gegend nördl. v. Tarnowitz, in: Jb. d. Preuss. Geolog. Landesanstalt 22, 1904, S. 781-86;
    Die Gliederung d. oberschles. Steinkohleformation, ebd., S. 317-40;
    Die Entwicklung d. Steinkohlenformationen im westgaliz. Weichselgebiet d. oberschles. Steinkohlenbezirks, ebd. 33, 1914, S. 159-306;
    Über Steinsalze u. Sole in Oberschlesien, ebd., S. 341-83;
    Temperaturmessungen im Tiefbohrloch Czuchow II O. S., in: Centralbl. f. Mineral. 1912, H. 2, S. 43-48;
    Die geolog. Verhältnisse d. oberschles. Industriebez., in: Hdb. d. oberschles. Industriebez., 1913;
    Die Geol. d. oberschles. Steinkohlengebirges, in: Der Bergbau im Osten d. Kgr. Preußen, 1913;
    Der geolog. Aufbau Kongreß-Polens, in: Hdb. v. Polen (Kongreß-Polen) 1917, S. 29-76;
    17 Karten (geolog. Karten v. Preußen, Maßstab 1:25 000) aus d. Raum Oberschlesien in d. J. 1895-1914.

  • Literatur

    Zs. d. Oberschles. Berg- u. Hüttenmänn. Ver. zu Kattowitz 1928, H. 12, S. 738;
    P. Krusch, in: Jb. d. Preuß. Geolog. Landesanstalt 49, 1928, II, S. 80-94 (W, P);
    R. Fleszarowa, Retrospektywna bibliografia geologiczna Polski, I, 1958, S. 65-73;
    Pogg. IV, VI, VII a.

  • Autor/in

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Michael, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 426 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117013498.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA