Lebensdaten
1894 bis 1979
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 138377413 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michael, Jakob

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Zitierweise

Michael, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138377413.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (Elieser), Kaufm.;
    M Berta Kohn;
    1924 Erna (1905–64), jüd. Verbandsfunktionärin (s. BHdE I), T d. Dr. phil. Albert Sondheimer (1876–1942), Mitinh. d. Metallfirma Beer, Sondheimer & Co. in F. (s. BHdE I), u. d. Margarethe Cohn;
    2 S, 1 T, u. a. Ernest Arthur (* 1925), Prof. d. Math. an d. Univ. of Washington in Seattle (USA), Charles (* 1937), Kaufm.

  • Leben

    M. absolvierte seit 1910 eine kaufmännische Lehre in der Frankfurter Metallhandelsfirma Beer, Sondheimer & Co. 1913 gründete er mit seinem Vater die Firma E. J. Michael & Co. und machte erste einträgliche Geschäfte im Handel mit Radium und Uran. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde M. zunächst eingezogen, jedoch 1916 freigestellt. Er erwarb alte Abraumhalden im Erzgebirge, um aus Erzrückständen Wolfram zu gewinnen, das für die Rüstungsproduktion benötigt wurde. Die gemeinsam mit einem Teilhaber errichtete Firma Starck, Michael & Co. erzielte große Kriegsgewinne. Nach Kriegsende erwarb sich M. durch lukrative Investitionen und begünstigt durch den Geldwertverfall der Inflation rasch ein riesiges Vermögen. Er sicherte sich Beteiligungen in einer Vielzahl von Branchen, wobei zunächst die Chemieindustrie im Vordergrund stand.

    M.s profitabelster Schachzug war der Verkauf des größten Teils seines Aktienbesitzes in der Zeit der Währungsstabilisierung im Herbst 1923. Die erlösten Barmittel setzte er in der folgenden Periode extremer Geldknappheit mit Tageszinssätzen von bis zu 20% als größter Geldverleiher an der Berliner Börse so gewinnbringend ein, daß er zeitweise wöchentliche Zinseinkünfte von mehreren Millionen Goldmark gehabt haben soll. 1924 gründete M. zur Verwaltung seiner Beteiligungen die Holdinggesellschaft „J. Michael AG für chemische und metallurgische Industrie“ in Berlin, die rund ein Dutzend Chemiefabriken, Unternehmen der Metallindustrie, des Fahrzeug- und Motorenbaus, Wasserwerke und Brückenbaubetriebe kontrollierte. Im Zentrum des Konzerns stand die Industrie- und Privatbank AG, Berlin, die auch Ausgangspunkt vielfältiger Aktivitäten M.s im Finanzierungs-, Versicherungs- und Immobiliengeschäft war. Vor allem in Berlin wurden zahlreiche Grundstücke und Geschäftshäuser erworben und von der Terra AG für Grundbesitz verwaltet. Unter den Bankbeteiligungen waren die altetablierte Deutsche Vereinsbank und die Mitteldeutsche Creditbank – beide in Frankfurt/Main – sowie die|Mitteldeutsche Bodencreditanstalt in Gera die wichtigsten Institute, auf die M. maßgeblichen Einfluß gewann. Auch in Österreich erwarb er über die Firma Goitein, Michael & Co. Beteiligungen an mehreren Banken. Die 1924 von M. gegründete Textil-Kredit-AG vergab Kredite an Unternehmen der Textilindustrie und des Textilhandels und nutzte ebenfalls die in dieser Zeit besonders angespannte Lage auf den Geldmärkten zu hohen Gewinnen. M.s Holding „AG für Beteiligungen an Versicherungsunternehmen“ kontrollierte mehrere Unfall-, Haftpflicht- und Lebensversicherungsgesellschaften, darunter den bedeutenden Iduna-Konzern und die Hallische Rückversicherungs-AG. Hinzu kamen Beteiligungen an zahlreichen Eisenbahn- und Straßenbahngesellschaften. 1926 erwarb M. die „Emil Köster Deutsche Beamten-Einkaufs-AG“, 1928 die „BeGe“ (Bekleidungsgesellschaft für deutsche Beamte AG) und gründete 1930 die „Defaka“ (Deutsche Familien-Kaufhaus GmbH). Über diese drei Firmen betrieb er 22 Kaufhäuser. M., dessen Vermögen 1925 auf annähernd 150 Mill. Mark geschätzt wurde, gehörte neben Hugo Stinnes und dem Börsenspekulanten Hugo J. Herzfeld zu den erfolgreichsten Nutznießern der Kriegskonjunktur und der schwer überschaubaren wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit.

    Schon 1931 emigrierte M. in die Niederlande, 1939 in die USA, wo er die New Jersey Industries Inc. gründete und weitgestreute Unternehmensbeteiligungen erwarb. Über die 1938 gegründete Emil Köster AG kontrollierte er weiterhin große Teile seines Beteiligungsbesitzes in Deutschland, ohne daß dies den nationalsozialistischen Behörden aufgefallen wäre, und vermochte so, sein Vermögen weitgehend zu retten. 1939 gelang es ihm sogar, durch eine „Schein-Arisierung“ das Berliner Kaufhaus Israel in seinen Besitz zu bringen. 1954 übernahm Helmut Horten von M. die Warenhäuser der Köster-Defaka-Gruppe zum Preise von 60 Mill. DM.

    M. war Mitglied zahlreicher jüdischer Organisationen und machte große Stiftungen an jüdische wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen, u. a. die Hebrew University in Jerusalem, das Weizmann Institute in Rehovot, die Yeshiva University und das Albert Einstein College of Medicine (beide New York).

  • Literatur

    P. Ufermann, Könige d. Inflation, 31924;
    E. Neckarsulmer, Der alte u. d. neue Reichtum, 1925;
    K. Pritzkoleit, Die neuen Herren, 1955;
    Rhdb.;
    BHdE I.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Michael, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 425 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138377413.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA