Lebensdaten
1888 bis 1962
Geburtsort
Schulzendorf Kreis Ruppin (Mark Brandenburg)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116998377 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liepe, Wolfgang

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Zitierweise

Liepe, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116998377.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1855–95), Pfarrer in Sch., seit 1888 in Herzberg, S d. Kaufm. Karl Friedrich in Potsdam u. d. Clementine Girschner;
    M Emma (* 1859/60), T d. Sigismund Rauh (1819–1902), getaufter Jude (1837), Lic. theol., 1850-54 Privatdozent in Berlin, Pfarrer in Hohenwalde, 1861-81 Sup. u. Oberpfarrer an St. Nicolai in Potsdam, u. d. Pfarrers-T Emma Müller;
    Tante-m Julie Rauh ( Eduard Geppert, 1811–81, Prof. d. Philol. in Berlin, s. Bursian-Jb. VII);
    - 1915 Gertrud (1891–1976), T d. Dr. med. Manasse Neustadt, Zahnarzt in Wesel, u. d. Malvine Zolki;
    2 S, 1 T;
    N Julius Geppert (1856–1937), Prof. d. Pharmakol. in Gießen (s. L).

  • Leben

    L. absolvierte in Potsdam das Gymnasium. Seit 1906 studierte er Germanistik, Romanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin, Paris und Halle. Unter seinen Lehrern waren bedeutende Gelehrte; in Berlin Erich Schmidt, Gustav Roethe, Heinrich Morf, Wilhelm Dilthey, Heinrich Wölfflin, in Paris Henri Bergson und Henri Lichtenberger. 1913 wurde er in Halle bei Kurt Jahn mit einer Dissertation über „Das Religionsproblem im neueren Drama von Lessing bis zur Romantik“ (1914) promoviert. Die Arbeit wendet die von Dilthey entwickelte geistesgeschichtliche Methode auf die Geschichte des deutschen Dramas zwischen Aufklärung und Romantik an und würdigt das damals noch kaum erschlossene Werk Zacharias Werners. Nach Promotion und Lehramtsexamen (1914) wollte sich L. zunächst dem Theater zuwenden, entschied sich dann aber für die wissenschaftliche Laufbahn. Er habilitierte sich 1919 in Halle mit der bahnbrechenden Arbeit „Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Entstehung und Anfänge des Prosaromans in Deutschland“ (1920). Das quellenkritisch fundierte, strenge philologische Maßstäbe anlegende Werk war eine Absage an jede Art von Spekulation in der Literaturwissenschaft, durch die L. die Wissenschaftlichkeit seines Fachs gefährdet|sah. 1919-28 wirkte er als Privatdozent, seit 1925 als ao. Professor an der Univ. Halle. Gleichzeitig war er Dramaturg am dortigen Stadttheater. Er stand der Volksbühnenbewegung nahe und förderte sie durch Inszenierungen (Goethe, Hölderlin, Büchner, Hauptmann, Barlach, Kaiser), Vortragszyklen und Werkeditionen (Hebbel, Werke; 4 Bde., 1925). 1928 wurde er als o. Professor für neuere deutsche Sprache und Literatur nach Kiel berufen. Er trat die Nachfolge Eugen Wolffs an, dessen Gründungen eines Theater- und Hebbel-Museums mit reichen Sammlungsbeständen er ausbaute, zuletzt durch Angliederung einer Schallplattensammlung von dokumentarischem Wert (Bandumschnitte heute im Schallarchiv Frankfurt a. M.). 1929/30 folgte L. einer Einladung zu Vorlesungen an der Harvard University in Cambridge/Massachusetts. Es war die erste offizielle Einladung eines deutschen Gelehrten an diese Universität seit dem Krieg. Das Angebot, dort den Lehrstuhl Kuno Franckes zu übernehmen, lehnte er ab. Wenige Monate nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde L. ohne nähere Begründung, offenbar wegen seiner Ehe mit einer Jüdin, beurlaubt (Ende April 1933) und am 1.11.1934 an die Univ. Frankfurt versetzt. 1936 wurde er zur Emeritierung genötigt. Von der Carl-Schurz-Gesellschaft zu Vorträgen eingeladen, gelang ihm 1939 noch vor Ausbruch des 2. Weltkriegs die Emigration in die Vereinigten Staaten. Mit dem zurückgelassenen Besitz büßte er in Frankfurt das Manuskript seiner 1925 begonnenen und vor dem Abschluß stehenden Geschichte der Rousseau-Rezeption in Deutschland ein. In den USA erhielt L. zunächst am Yankton College in Süd-Dakota, 1947 dann an der Univ. Chicago eine Professur. Nach Beendigung des Krieges stellten sich alte Verbindungen mit Deutschland wieder her. Sie führten 1952 zu einem Besuch in Kiel, Berlin und Münster, wo L. auf dem Germanistentag über seine Hebbel-Forschungen berichtete. Das Werk Hebbels, früh schon Gegenstand seines Interesses, war in Chicago mehr und mehr in den Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gerückt. Das vertiefte sich, als er 1954 auf seinen alten Kieler Lehrstuhl zurückkehren konnte. Er hatte ihn bis zu seiner Emeritierung 1956 inne. In den letzten Lebensjahren veröffentlichte L. noch zahlreiche Studien über Hebbel, die den Zusammenhang von dessen Werk mit dem deutschen Idealismus und der Romantik erschlossen. Die meisten erschienen im Jahrbuch der Hebbel-Gesellschaft, deren Vorsitzender er war. 1960 erhielt L. den Kulturpreis der Stadt Kiel.

  • Werke

    Weitere W Btrr. z. Lit.- u. Geistesgesch., hrsg. v. E. W. Schulz, mit e. Geleitwort v. B. v. Wiese, 1963 (W-Verz.).

  • Literatur

    W. L., 1888-1962, Ein Leben f. Lehre u. Forschung, in: Hebbel-Jb. 1962, hrsg. v. L. Koopmann, 1962, S. 10-14 (P);
    F. W. Wodtke, in: Lit.-wiss. Jb. NF 4, 1963, S. 233-42;
    E. W. Schulz, in: Mitt. d. Dt. Germanistenverbandes 10, 1963, H. 4, S. 3-5;
    E. Hofmann, in: Gesch. d. Christian-Albrechts-Univ. Kiel, 1665–1965, V, 2: Gesch. d. Phil. Fak., 1969, S. 226 f. (P). - Zu N J. Geppert: E. Habermann, in: Gießener Gel. in d. 1. Hälfte d. 20. Jh., 1982, S. 263-66 (P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Eberhard Wilhelm Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Eberhard Wilhelm, "Liepe, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 532 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116998377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA