Lebensdaten
1806 bis 1871
Geburtsort
Schkölen bei Naumburg
Sterbeort
Meran
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Professor der Theologie ; Oberhofprediger in Dresden
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11699746X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebner, Theodor Albert
  • Liebner, Albert
  • Liebner, Theodor Albert

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Zitierweise

Liebner, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11699746X.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Thomas (1765–1820), 1805 Diakonus in Sch., 1815 Pfarrer in Altenroda;
    M Christiane Sophie Amalie Härtel (1784–1811);
    Wittenberg 1832 Julie (* 1809), T d. Carl Gottfried Giese (1774–1828), Kaufm. u. Bgm. in Wittenberg, u. d. Sophia Melde;
    5 K.

  • Leben

    Nach Privatunterricht durch den Vater kam L. mit 13 Jahren auf die Leipziger Thomasschule. 1823 wechselte er zur Universität, um Klassische Philologie und Theologie zu studieren. Im Anschluß an die Promotion (Dr. phil. 1827) und das 1. theol. Examen (Magdeburg 1827) ging er nach Berlin, wo er Hegel, Schleiermacher, Aug. Neander und Ph. K. Marheineke hörte. Nach intensiver Vorbereitung im Wittenberger Predigerseminar (seit 1828) unter Heinr. Leonh. Heubner und Rich. Rothe übernahm er 1832 die Pfarrstelle in Kreisfeld (Hergisdorf Kr. Eisleben). Die Berufung 1835 als ao. Professor und Universitätsprediger nach Göttingen leitete eine erfolgreiche akademische Laufbahn ein (1844 Kiel, 1851 Leipzig), ehe L. seit Aug. 1855 in der Nachfolge von Adolf Harleß als Oberhofprediger und Vizepräsident des Landeskonsistoriums zu Dresden prägenden Einfluß auf die sächs. Landeskirche ausübte. Sein Bemühen galt dem Abbau der durch die einseitige Betonung des luth. Bekenntnisses hervorgerufenen innerkirchlichen Spannungen. Nur in Auseinandersetzungen mit allen Bewegungen der Zeit waren für ihn Gegensätze auszugleichen und der Prozeß christlicher Erkenntnis zu fördern. In die Zeit seines Dresdner Wirkens fallen tiefgreifende organisatorische Veränderungen im kirchlichen Leben Sachsens, die L. vorbereitete und mittrug: Beginn der allgemeinen Kirchenvisitation (1856), Gründung des Predigerkollegs St. Pauli zu Leipzig (1862), Superintendenteninstruktion (1862), Kirchenvorstands- und Synodalordnung (1868), 1. ordentliche Synode des Kgr. Sachsen (1871). Noch in Leipzig hatte er die „Jahrbücher für deutsche Theologie“ mitbegründet.

    L.s wissenschaftliche Arbeiten betrafen die Geschichte der mittelalterlichen Mystik sowie die praktische und systematische Theologie. Bereits in Wittenberg entstand „Hugo von St. Victor und die theologischen Richtungen seiner Zeit“ (1832). In der praktischen Theologie sah er neben der spekulativen und der historischen die dritte Säule für die denkende Erforschung der christlichen Religion. Sie hat mit wissenschaftlichen Methoden die Art und Weise kirchlicher Arbeit darzustellen. Sein Hauptwerk „Die Christliche Dogmatik aus dem christologischen Princip dargestellt“ (1849) blieb unvollendet. Schleiermachers Gedanken weiterführend, sah L. in der Christologie das tragende Prinzip eines Systems der christlichen Lehre, den Ausgangspunkt für kontemplative und spekulative Denkarbeit, die einigende Macht zwischen in Tradition verhaftetem Denken und dem Zeitgemäßen und Neuen seiner Zeit.

  • Werke

    Weitere W u. a. Nachweisung, daß Hugo v. St. Victor Vf. d. unter d. Werken d. Hildebert v. Tours, Ausg. v. Beaugendre, befindl. Tractatus theologicus sey, in: Theol. Stud. u. Kritiken 4, 1831, S. 254-82;
    Über Gerson's myst. Theol., ebd. 8, 1835, S. 277-330;
    Die prakt. Theol., ebd. 16, 1843, S. 629-58, 17, 1844, S. 77-136;
    Richardi a S. Victore de contemplatione doctrina, 1837;
    Predigten, gehalten in d. Univ.kirche zu Göttingen, 1841, 21856;
    Introductio in dogmaticam christianam, 1854 f.;
    Aus Vorlesungen üb. d. Dogmatik, in: Jbb. f. dt. Theol. 1, 1856, S. 196-214;
    Das Wesen d. Kirchenvisitation, 1857;
    Christologisches, in: Jbb. f. dt. Theol. 3, 1858, S. 349-66;
    Der Stand d. christl. Erkenntniß in d. dt. ev. Kirche u. d. Aufgaben d. Kirchenregiments in Beziehung auf dens., in: Kirchl. Principienfrage d. Gegenwart, 1860;
    Predigten, II, 1861. -
    Verz. d. Predigten in Dresden: Bibliogr. d. sächs. Gesch., hrsg. v. R. Bemmann, I, 2, 1921, S. 74 f.

  • Literatur

    ADB 18;
    Neue ev. Kirchenztg. 13, 1871, S. 548-53;
    L. B. Rüling u. a., Zur Erinnerung an d. sel. Oberhofprediger Dr. Th. A. L., 1871;
    C. E. Carstens, Gesch. d. Theol. Fak. d. Christian-Albrechts-Univ. in Kiel, in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein-Lauenburg. Gesch. 5, 1875, S. 104-07;
    O. Kirn, Die Leipziger Theol. Fak. in fünf|Jhh., 1909, S. 204-06;
    F. Kattenbusch, Die dt. ev. Theol. seit Schleiermacher, I. 61934, S. 56;
    PRE XI;
    RGG.

  • Portraits

    Amtskal. f. ev.-luth. Geistliche Im Kgr. Sachsen 29, 1899, S. 86.

  • Autor/in

    Günther Wartenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Wartenberg, Günther, "Liebner, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 510 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11699746X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Liebner: Theodor Albert L., war geboren am 3. März 1803 in Cölleda in Thüringen, eines Pfarrers Sohn. Auch der Theologie bestimmt, studirte er 1823—1827 in Leipzig und dann in Berlin, wo er durch Schleiermacher und Neander mächtig angeregt ward. Hierauf besuchte er dann von 1828 an das Predigerseminar in Wittenberg und wurde darnach Pfarrer in Kreisfeld, Provinz Sachsen, von 1832—37. 1837 folgte er einem Ruf nach Göttingen als außerordentlicher Professor und Universitätsprediger. 1844 ging er als Ordinarius nach Kiel, 1851 von da nach Leipzig, ward aber 1856 als Oberhofprediger und Vicepräsident des evangelischen Consistoriums mit dem Charakter eines geheimen Kirchenraths nach Dresden berufen, wo er dann am 24. Juni 1871 gestorben ist. Zuerst hatte er sich bekannt gemacht durch seine vortreffliche Monographie: „Hugo von St. Victor und die theologischen Richtungen seiner Zeit“, Leipzig 1832. Dieses Werk hat viel dazu beigetragen, die lange unbeachtete und verkannte Bedeutung der mittelalterlichen Mystik nach Verdienst hervorzuheben und neues Interesse für das Studium derselben zn wecken. Die von ihm intendirte Geschichte der speculativen Mystik ist freilich nicht zur Ausführung gekommen. Eine Probe oder ein Bruchstück davon ist die Abhandlung: „Gerson's Mystik“ in Studien und Kritiken, 1852, Heft 2. L. war eine durchaus speculativ angelegte Natur, verbunden mit einem ethischen Grundzug und einem starken Zug zur Mystik —|zur religiösen Unmittelbarkeit. Sein Ziel war die Einigung lebendig religiöser Anschauung mit religionsphilosophischer Speculation. Er wollte, daß der Christ die Kraft der Vernunft besitze und pflege, die christliche Wahrheit in sein vernünftiges Denken aufzunehmen und mit dem Allgemeinmenschlichen in Einklang zu setzen. — Von seiner christlichen Dogmatik ist auch nur des ersten Bandes erste Abtheilung erschienen, doch als ein selbständiges Werk mit dem Nebentitel „Christologie oder die christologische Einheit des dogmatischen Systems“, Göttingen 1849. Der Verfasser sagt von der dogmatischen Aufgabe: die Dogmatik durchdringt der Gedanke, daß das christliche System das schlechthin höchste, das System aller Systeme ist, also das, welches alle andern nur suchen, in dem sie allein ihre Wahrheit haben, denn es hat das Ganze und die Fülle. Das christliche System ist darum das höchste, weil es wahrhast und in höchster Instanz ethisches System ist, Willensfreiheitslehre, ethischer Personalismus. Dieser Inhalt ist der schlechthin tiefste und reichste, der Kern aller göttlichen und menschlichen Dinge. Besonders fühlte er sich hingezogen zu Jacob Böhme und daneben zu Franz Baader. — Für seine Vorlesungen in Leipzig gab er heraus: „Introductio in dogmaticam christianam“, 1854/55, 2 Hefte. — Als praktischer Prediger hatte er seine Laufbahn begonnen, als solcher sollte er sie auch schließen. Dorner sagt in dieser Beziehung von ihm: Was es um die Salbung eines christlichen Predigers sei, konnte man an ihm in deutlichen Zügen ausgedrückt finden, dabei war nichts Gezwungenes und Erkünsteltes zu bemerken, die ganze Persönlichkeit lag im Worte und darum hatte es die Macht, die Seelen zu ergreifen. Außer einer Menge Einzelpredigten sind von ihm gedruckt 2 Bände „Predigten", 1. Bd. 2. Aufl. 1855, 2. Bd. 1861. Von Bedeutung ist seine Abhandlung: „Die praktische Theologie“ in Studien und Kritiken, 1844, Heft 1, eine denkende Erforschung des Objects, die sehr Beachtung verdient. Die praktische Theologie ist ihm das Wissen um die werdende Erscheinung, empirische Verwirklichung der Idee der christlichen Religion, — das Wissen um die rechte Art und Kunst, die Idee zur möglichst adäquaten Erscheinung und Wirksamkeit zu bringen. In den letzten 15 Jahren seines Lebens vertiefte er sich ganz und gar mit Kraft und Liebe in die praktischen Aufgaben seines hohen Kirchenamtes. Von dem Mittelpunkt der Christologie aus den großen majestätischen Gedankenkreis der christlichen Wahrheit zu reconstruiren und so das System aller Systeme zu schaffen, das war das Ziel, das er vor Augen sah und verfolgte. In der rechten lebendigen Erkenntniß Christi sah er auch die einigende Macht für die Gegensätze der Zeit, die rechte Wegweisung zum kirchlichen Frieden. Aus seiner Praxis ging auch die kleine Schrift hervor: „Ueber das Wesen der Kirchenvisitation“, Leipzig 1857. Sein Wirken ist nicht vergeblich gewesen.

    • Literatur

      Vgl. Conversationslexicon d. Gegenw. III, 312. Dorner, Nachruf. Jahrb. f. deutsche Theol. 1871, 3, 536 ff. Carstens, Gesch. d. Kiel. theol. Facultät, 1875, S. 104 ff. Alberti, Schriftstellerlex., I. S. 515.

  • Autor/in

    Carstens.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carstens, Carsten Erich, "Liebner, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 605-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11699746X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA