Lebensdaten
1868 bis 1928
Geburtsort
Płodc/Weichsel (Polen)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 116986735 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mordechai, Abraham (ursprünglich)
  • Lidzbarski, Abraham Mordechai
  • Lidzbarski, Mark
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Zitierweise

Lidzbarski, Mark, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116986735.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz, Kaufm.;
    M Cäcilie Großmann.

  • Leben

    Die geistige Enge des Ghettos, in der L. in streng chassidischer Frömmigkeit erzogen wurde, und der Überdruß am ausschließlichen Bibel- und Talmudstudium, zu dem er vom dritten Lebensjahr an gezwungen wurde, veranlaßten ihn, mit 14 Jahren das Elternhaus zu verlassen, um in Posen das Gymnasium zu besuchen. Nach dem Abitur studierte er seit 1889 in Berlin Semitische Philologie und wurde 1893 promoviert. 1896 habilitierte er sich für Orientalische Philologie in Kiel, wurde 1907 o. Professor in Greifswald, 1917 in Göttingen.

    Zunächst publizierte, übersetzte und erläuterte L. die wichtigsten neuaramäischen Handschriften der Berliner Bibliothek (2 Bde., 1894–96). Diese in verschiedenen, von Jakobiten und Nestorianern gesprochenen Dialekten Nordmesopotamiens und Ostanatoliens geschriebenen Texte bereiteten dem Verständnis z. T. beträchtliche Schwierigkeiten, die von L. hervorragend gemeistert wurden. Ferner behandelte L. die semitische Epigraphik. In seinem., Handbuch der nordsemitischen Epigraphik“ (2 Bde., 1898) faßte er alles bis dahin erarbeitete Wissen zusammen und gelangte zugleich durch eine erschöpfende Darstellung der beiden nordsemitischen Inschriftengruppen, der phönizisch-punischen und der aramäischen, weit darüber hinaus. Die beigegebene Chrestomathie und der von L. selbst gezeichnete Tafelband haben Generationen von Semitisten das Rüstzeug für weitere Forschungen an die Hand gegeben. Gleichzeitig gründete L. die „Ephemeris für semitische Epigraphik“ (3 Bde., 1900–15) mit dem Zweck, über neue Inschriftenfunde zu berichten, die Texte zu publizieren und auszuwerten, bekannte Inschriften aufs neue und besser zu erklären und sich auch zu allgemeinen Fragen der Epigraphik zu äußern. Alle drei erschienenen Bände wurden von ihm allein bestritten. Bereits in Kiel hatte L. außerdem begonnen, sich mit der auch für die Religionsgeschichte Vorderasiens wichtigen Sprache und Literatur der in Südbabylonien ansässigen gnostischen Täufersekte der Mandäer zu beschäftigen. L. sorgte nach umfassenden Handschriftenstudien für mustergültige Bearbeitungen der in einem eigentümlichen ostaramäischen Dialekt abgefaßten Texte. Zwei grundlegende, von kommentierten Übersetzungen begleitete Editionen sowie die Übersetzung des mandäischen Hauptwerks, der Ginzā, konnte L. zum Abschluß bringen und damit der Mandaistik entscheidende Impulse vermitteln. – Trotz des hohen internationalen Ansehens, das L. genoß, blieb er persönlich zeitlebens ein Einzelgänger. Er errichtete eine Stiftung zur Förderung der Orientalistik, aus deren Mitteln der „Lidzbarski-Preis“ für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Semitistik verliehen wird.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das Johannesbuch d. Mandäer, 2 Bde., 1905/15;
    Mandäische Liturgien, 1920;
    Ginzā d. Schatz od. d. Große Buch d. Mandäer, 1925;
    Auf rauhem Wege, Jugenderinnerungen e. dt. Professors, 1927 (anonyme Autobiogr. bis 1889).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dt. Morgenländ. Ges., Gießen.

  • Literatur

    E. Littmann, in: DBJ X, wieder in: Ein Jh. Orientalistik, Lb. a. d. Feder v. E. Littmann, hrsg. v. R. Paret u. A. Schall, 1955, S. 46-51;
    W. Bauer, in: Nachrr. d. Ges. d. Wiss. Göttingen, Geschäftl. Mitt. 1928/29, S. 71-77;
    A. Dietrich (Hrsg.), Arabistik u. Islamwiss. in Göttingen, 1974 (P);
    Enc. Jud. X;
    LThK 2.

  • Autor/in

    Albert Dietrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Dietrich, Albert, "Lidzbarski, Mark" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116986735.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA