Lebensdaten
1770 bis 1835
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Altertumsforscher ; Archäologe ; Dramatiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116962291 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Levezow, Jakob Andreas Konrad
  • Levezow, Konrad
  • Levezow, Jakob Andreas Konrad
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Levezow, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962291.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Immanuel Friedrich (1731–1801), aus Dobberphul (Hinterpommern), Konrektor am Gymnasium in St. (s. Jöcher-Adelung);
    M Dorothea Sophia ( 1785), T d. Martin Friedrich Ebel, preuß. Kapitän d. Garnisons-Artillerie in St.;
    Berlin 1804 Marie Ulrike Wilhelmine (1771 - n. 1835), Wwe d. Architekten Friedrich Gilly ( 1800, s. NDB VI), T d. Geh. Oberfinanzrats Pierre Jérémie Hainchelin (1727–87) in B. u. d. Hedwig Charlotte Kühn;
    1 T Ernestine ( Karl Steinhart, 1801–72, Altphilol., Prof. a. d. Landesschule Schulpforta u. d. Univ. Halle, s. ADB 35).

  • Leben

    L. studierte in Halle Theologie, wandte sich jedoch bald unter dem Einfluß des Philologen F. A. Wolf der Altphilologie zu. Mehrere Jahre war er dann Hauslehrer bei einer Oberförsterfamilie in Ziegenort (Pommern). 1795 wurde er in Göttingen promoviert, anschließend in Berlin am Berlinischen Gymnasium unter Gedicke als Hilfslehrer beschäftigt. 1797-1824 war L. Lehrer (seit 1803 Professor) am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 1804, nach einer Italienreise, erhielt er an der Akademie der Künste die Professur für Altertumskunde und Mythologie. Seine Geschichte der Akademie seit ihrer Gründung besitzt großen Quellenwert (Einleitung der Ausstellungskataloge der Akademie 1814 und 1818). 1821 begann L. seine Mitarbeit an der Kgl. Kunstkammer, deren Antikeninventare er erstellte. 1828 wurde er zum Direktor des Antiquariums ernannt und war maßgebend mit dem Umzug und der Neuaufstellung der Sammlungen in Schinkels Neuem Museum beschäftigt, zugleich gelangen ihm Ankäufe bedeutender Sammlungen (Ingenheim, Koller).

    Seit seiner Stettiner Jugend war L. eng befreundet mit dem Architekten Friedrich Gilly – ihm widmete er eine Gedenkschrift (1801). Aus dem Kontakt mit den bildenden Künstlern der Stadt, neben Gilly besonders H. Gentz und J. G. Schadow, gewann L. entscheidende Anregungen, die letztlich auch seine Bedeutung für die Geisteswelt Berlins begründeten. Für die Künstler und vor allem dann auch für das Nationaltheater unter Gf. Brühl fungierte er oft als Ratgeber bei der Wahl und Deutung antiker Themen und kostümgeschichtlicher Details. Denkmalpflegerische Bedeutung hatte sein Text über den Deutschen Orden (1802) zu der von Joh. Friedrich Frick (1774–1850, s. ThB) in Aquatinta edierten Folge der Marienburg-Ansichten nach Zeichnungen von Gilly. Diese Edition leitete die Rettung des Bauwerks ein und wurde selbst zu einer Art nationalem Denkmal. Seit seiner Jugend hatte sich L. auch als Theaterdichter betätigt, 1815 wurden sein Festspiel „Des Epimenides Urteil“ sowie seine „Iphigenie in Aulis“ (entstanden 1805) im Nationaltheater aufgeführt. Zu dieser Zeit gab er auch das „Dramatische Wochenblatt in nächster Beziehung auf die Kgl. Schauspiele in Berlin“ (1815-17) heraus.

    L.s eigentliche Bedeutung lag im Bereich der Altertumsforschung. Bereits 1797 hatte er|Studien zur pomm. Geographie und Geschichte verfaßt und später mehrfach märk. Bodenfunde der Vorzeit publiziert. 1825 forderte er in Hakens Pomm. Geschichtsblättern „antiquarische Spezialkarten“ mit Verzeichnissen der Fundstellen von Grabstätten und Denkmälern, Aufstellung der Objekte in öffentlichen Sammlungen in chronographischer und topographischer Anordnung, so daß er als Pionier der wissenschaftlichen Vor- und Frühgeschichte in Preußen gelten kann. 1803 verfaßte er eine Neubearbeitung der Dammschen Mythologie der Griechen und Römer. 1804 erschien seine aufsehenerregende Abhandlung „Über die Familie des Lykomedes in der Kgl. Preuß. Antiken-Sammlung“, in der er nachwies, daß die berühmte Potsdamer Antiken nicht wie bis dahin angenommen die Töchter des Lykomedes, sondern Apoll und die Musen darstellten. Durch diese zutreffende Deutung wurde schließlich auch die richtige Restaurierung durch C. D. Rauch ermöglicht. Aus den Beständen der Antikensammlung veröffentlichte L. 1834 den Katalog der Vasen, der mit seinen Formentafeln (350 Gefäßumrisse) in der Systematik neu war und ungewöhnlich reiches Material bot. Seine Abhandlung „Über archäologische Kritik und Hermeneutik“ von 1834 gilt „als einer der ersten Versuche überhaupt, die Grundlagen archäologischer Methode theoretisch zu formulieren“ (Borbein). In diesem Zusammenhang stehen auch L.s seit 1804 geäußerte Plane, die Berliner Antiken insgesamt mit Abbildungen und Erläuterungen zu publizieren.

  • Werke

    Weitere W Leben u. Kunst d. Frau Margareta Schick, Kgl. Sängerin, 1806, 21809. -
    Theaterstücke: Der Fischer bei Kolberg, 1814;
    Abschied v. d. Heimat od. Die Heldengräber b. Groß-Beeren, 1815;
    Die Baukunst, 1816;
    Ratibor u. Wanda, 1819;
    Innocentia, 1819.

  • Literatur

    ADB 18;
    Verz. d. im J. 1825 in Berlin lebenden Schriftsteller u. ihrer Werke, Gelehrtes Berlin im J. 1825, 1826, S. 150-52 (W-Verz.), Forts. 1834;
    J. G. Schadow, Kunst-Werke u. Kunst-Ansichten, 1849;
    G. Heres, Die Anfänge d. Berliner Antiken-Slg., in: Forschungen u. Berr. Staatl. Mus. zu Berlin 18, 1977;
    A. Borbein, Klass. Archäol. in Berlin v. 18. z. 20. Jh., in: Ausst.kat. Berlin u. d. Antike, Aufsätze, 1979, S. 113 ff.;
    H. Reelfs, Ausst.kat. Berlin, F. Gilly, 1984;
    H. Boockmann, Das ehem. Dt.ordensschloß Marienburg 1772-1945, 1972;
    NND 13, S. 865 ff.;
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Sepiazeichnung v. J. Heusinger, 1819, Abb. in: Ausst.kat. „… und abends in Verein“, J. G. Schadow u. d. Berlin. Künstler-Ver. 1814–40, 1983, S. 253.

  • Autor/in

    Hella Reelfs
  • Empfohlene Zitierweise

    Reelfs, Hella, "Levezow, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 393 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962291.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Levezow: Dr. Jakob Andreas Konrad L., geb. in Stettin am 3. September 1770, in Berlin am 13. October 1835. — Nachdem der talentvolle Jüngling an dem Gymnasium seiner Vaterstadt unter der Leitung des Rectors Walther, und seines Vaters, der dort als Prorector angestellt war, seine Studien vollendet hatte, bezog er die Universität Halle, um sich dort der Theologie zu widmen. Aber die vor Allen durch F. A. Wolf glänzend vertretene Philologie zog ihn so mächtig an, daß er sich ihr ganz zuwandte. Nachdem er sodann mehrere Jahre in Pommern als Hauslehrer thätig gewesen war, wurde er au' Grund einer lateinischen Abhandlung „De causis neglecti studii litterarum inprimis philosophiae apud antiquiores Romanos“, 1795, von dem Director des Berlinischen Gymnasiums. Oberconsistorialrath Gedike, in dessen philologisch-pädagogisches Seminar einberufen und nach zweijähriger Beschäftigung als Hülfslehrer am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium als ordentlicher Lehrer angestellt. Der vertraute Umgang mit den begabten Künstlern Gilly und Genz verstärkte seine Neigung zur bildenden Kunst; es gelang ihm neben seinem Amte die Professur der Alterthümer an der Akademie der bildenden Künste zu erlangen, 1821 als Aufseher des Kunstcabinets, endlich bei der Gründung des Museums 1828 als Vorstand des Antiquariums angestellt, ausschließlich mit den Berliner antiken Kunstschätzen sich zu beschäftigen. Seine anderen Stellen hatte er aufgegeben. An dem Museum fand er eine lohnende Wirksamkeit, schon 1822 hatte er in Böttiger's Amalthea ein Verzeichniß der antiken Denkmäler Berlins geliefert, die Erwerbung der ansehnlichen Koller'schen Vasensammlung 1828 selbst vermittelt und auch seine letzte Arbeit galt den Schützen des Antiquariums. Seine schriftstellerische Thätigkeit als Archäologe begann 1801 mit einer Abhandlung über den Raub des Palladiums auf geschnittenen Steinen und wurde einige Jahre lebhaft fortgesetzt. In rascher Folge erschienen Schriften über die Familie des Lykomedes 1804, eine wichtige Publikation, worin die verschiedenen Statuen, welche unter diesem falschen Namen vereinigt waren, sorgfältig unterschieden, Apollo und die Musen meist richtig bestimmt werden, der Aufsatz über den betenden Knaben „De iuvenis adorantis signo“, 1808, worin freilich die Vermuthung, die schöne Erzfigur sei nach einem Werke des alten Kalamis gearbeitet, auf schwachen Füßen steht, die interessante Abhandlung „Ueber die Frage, ob die mediceische Venus ein Bild der knidischen von Praxiteles sei“, 1808, in demselben Jahre „Ueber den Antinous“. Nach diesen Schriften, welche dem Verfasser ein wohl begründetes Ansehen verschafften, beschäftigten ihn allerlei dramatische, ästhetische, auch philologische Vorwürfe. Erst nach einem längeren Zwischenraume lieferte er 1822 ein Verzeichniß der Berliner Antiken, 1828 einen verfehlten Aufsatz „Ueber Jupiter Imperator in einer antiken Bronze“, eine Abhandlung „Ueber die Entwicklung des Gorgonen-Ideals“, 1833, und zuletzt 1834 ein wegen der Fülle von Material schätzbares „Verzeichniß der antiken Denkmäler im k. Antiquarium zu Berlin I“, worin über Herkunft und Bedeutung der Vasen ausführlich gehandelt wird. L. fehlte zu einer den Fortschritten der Wissenschaft|entsprechenden Behandlung der Archäologie eine umfassendere Kenntniß der Denkmäler: außer Berlin und Dresden hat er keine Originale gesehen. Aber er besaß eine gute philologische Bildung, natürlichen Geschmack und ein gesundes Urtheil, Vorzüge, die ihn innerhalb jener Beschränkung Tüchtiges leisten ließen. In Methode und Darstellung hatte er sich besonders Heyne zum Muster genommen; seine schöne Abhandlung über die kindische Venus vertheidigt eine von diesem Gelehrten und Visconti aufgestellte Behauptung, daß Praxiteles' berühmtes Werk nicht in der mediceischen Venus zu erkennen sei, sondern in mehreren wesentlich gleichartigen Statuen, welche mit Münzen von Knidos übereinstimmen, gegen Meyer mit siegreichen Gründen. Obgleich der Bestand und die Zahl dieser Copien, welche die Göttin darstellen, wie sie im Begriff ins Bad zu steigen ihr Gewand über oder in ein Gefäß gleiten läßt, nicht so genau vorgetragen wird, wie vor wenigen Jahren von Michaelis (Archäol. Ztg. Bd. 34) geschehen ist, läßt Levezow's Ausführung, die Vergleichung der Stile, die Erklärung der alten Zeugnisse, die Würdigung der Münzen als Quellen der Deutung wenig zu wünschen übrig. Seine belletristischen und historischen Arbeiten sind unbedeutend.

    • Literatur

      Preuß. Staatszeitung 1835. Nr. 292. Neuer Nekrolog der Deutschen XIII, 2 S. 865 ff. Meusel, Gel. T. Goedeke, Grundr. III. S. 156, 932.

  • Autor/in

    Urlichs.
  • Empfohlene Zitierweise

    Urlichs, "Levezow, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 504-505 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962291.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA